Bluthochdruck bei Frauen

Bei Frauen wird das Risiko für Bluthochdruck oft unterschätzt. Dabei sind sie in höherem Alter sogar stärker gefährdet als Männer.

Ärztin misst bei älterer Frau den Blutdruck © iStock
(Berlin/ Heidelberg – 17.05.2017) Bluthochdruck (Hypertonie) und Herzinfarkt galten früher als typisch männliche Leiden: Der Patient – so das landläufige Bild – hat sich seinen Hochdruck durch beruflichen Stress quasi „erarbeitet“ und ihm dann durch Alkohol und Nikotin noch Vorschub geleistet. Bei Frauen wurde eine Hypertonie oft gar nicht in Erwägung gezogen oder zu spät erkannt. Dabei sind Frauen mit steigendem Alter sogar stärker gefährdet als Männer.

Spezielle Risikofaktoren für Bluthochdruck bei Frauen

„Ab 65 Jahren wird Bluthochdruck häufiger bei Frauen diagnostiziert als bei Männern“, sagt Dr. Ute Seeland vom Institut für Geschlechterforschung in der Medizin an der Berliner Charité. Mittlerweile sind sogar einige Risikofaktoren bekannt, die als typisch weiblich gelten müssen. So steigt das Risiko für Bluthochdruck auf das Zwei- bis Dreifache an, wenn Frauen die Pille einnehmen und zusätzlich beispielsweise übergewichtig sind. Auch eine Schwangerschaftshypertonie oder eine (Prä-)Eklampsie steigern das Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen manifesten Bluthochdruck zu entwickeln.

Ein Grund dafür, dass Frauen lange Zeit als Zielgruppe vernachlässigt wurden, ist der durch weibliche Östrogene vermittelte Gefäßschutz. In mittleren Jahren erkranken Frauen daher tatsächlich seltener an Bluthochdruck als Männer. Doch diese hormonelle Schutzwirkung sollte laut der Expertin nicht überschätzt werden: „Wenn 77 Prozent der Bluthochdruckpatientinnen die Menopause bereits hinter sich haben, bedeutet das zugleich, dass 23 Prozent noch vor der Menopause betroffen sind.“

Rechtzeitig erkannt sind Gefäßveränderungen reversibel

Für die Berliner BEFRI-Studie haben Dr. Seeland und ihre Kollegen über 1.000 Berliner Frauen zwischen 25 und 75 Jahren befragt und untersucht. Dabei zeigte sich, dass 45 Prozent der weiblichen Allgemeinbevölkerung Störungen der arteriellen Gefäßfunktion und/oder eine erhöhte Steifigkeit der Gefäßwände aufweisen. Solche Veränderungen können einem Bluthochdruck um Jahre vorausgehen und bleiben oft unentdeckt. „Die Störungen sind oft noch reversibel, sodass gesundheitsfördernde Maßnahmen hier sehr gut greifen können“, so die Expertin. Dazu zählen etwa ein Rauchstopp, ausreichend Bewegung, eine salzarme Ernährung und die Vermeidung von Übergewicht.  

Mittlerweile stehen mit der Messung des sogenannten Augmentationsindexes und der Pulswellengeschwindigkeit Methoden zur Verfügung, mit denen die Elastizität der Gefäßwand bereits früh diagnostiziert werden kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga (DHL): Bluthochdruck bei Frauen häufig unterschätzt
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