Hochdruck durch Schlafmangel

Wer dauerhaft schlecht und zu wenig schläft, hat ein erhöhtes Risiko für Bluthochdruck und andere Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Mann liegt im Bett und kann nicht schlafen © iStock
(Mannheim/Heidelberg – 08.05.2017) Viele Erwachsene bekommen zu wenig Schlaf. In Deutschland schlafen zwölf Prozent der Bevölkerung fünf Stunden oder weniger. Ein Drittel gibt in Umfragen an, regelmäßig unter Einschlaf- oder Durchschlafstörungen zu leiden. Die Folgen sind nicht nur Erschöpfung und Müdigkeit am Tag darauf – auch der Blutdruck steigt an. „Der Effekt zeigt sich bereits nach einer schlaflosen Nacht“, erklärt Prof. Dr. Bernd Sanner von der Deutschen Hochdruckliga. „Menschen, die regelmäßig weniger als sechs Stunden schlafen, haben ein höheres Risiko, einen erhöhten Blutdruck zu entwickeln. Kommen gleichzeitig noch Einschlaf- oder Durchschlafstörungen hinzu, steigt das Risiko für eine Hochdruckerkrankung um das Vierfache.“

Langfristige Folgen können Herz-Kreislauf-Erkrankungen sein

Die Gründe liegen laut Sanner in einer vermehrten Aktivität des sympathischen Nervensystems, das den Menschen in einen Kampf-oder-Flucht-Modus schaltet. Schlafmangel ist ein möglicher Auslöser dafür. Auch die Ausschüttung von Stresshormonen in den Nebennieren ist erhöht. Neuere Untersuchungen zeigen, dass Schlafmangel darüber hinaus die Entzündungsaktivität im Körper erhöht: „Dies führt dann zu einer Störung des Blutzuckerstoffwechsels und zur beschleunigten Gefäßverkalkung“, so der Experte. Eine Reihe von Beobachtungsstudien hat in den vergangenen Jahren gezeigt, dass Schlafstörungen und Schlafmangel auf diese Weise langfristig Herz-Kreislauf-Erkrankungen fördern. „Die Patienten haben ein erhöhtes Risiko, an einem Herzinfarkt oder chronischem Herzversagen zu erkranken und zu sterben“, sagt Sanner.

Sinkt der Blutdruck in der Nacht nicht, ist das gefährlich

Die Auswirkungen von Schlafstörungen oder Schlafmangel auf den Blutdruck können Kardiologen heute in der Langzeit-Blutdruckmessung beobachten. Die Patienten tragen dabei über 24 Stunden ein Gerät, das regelmäßige Blutdruckmessungen durchführt. Bei gesunden Menschen kommt es in der Nacht zu einem Abfall des Blutdrucks um etwa zehn bis 20 Prozent. Bei Menschen, die zu wenig oder schlecht schlafen, ist dieses sogenannte „Dipping“ abgeschwächt oder aufgehoben. „Im Extremfall kommt es sogar zu einem nächtlichen Anstieg des Blutdrucks“, erklärt der Experte. Langfristig ist das ein tödliches Risiko. „Ein vermindertes nächtliches Dipping – das sogenannte Non-Dipping – ging in Studien ebenfalls mit einer erhöhten Sterblichkeit einher“, sagt Sanner. „Bei einem nächtlichen Anstieg des Blutdrucks war das Sterberisiko verdoppelt.“

Bei auffälligen Langzeit-Blutdruckwerten Untersuchung im Schlaflabor

Schlafmittel können das Problem nach Einschätzung des Experten nicht lösen: „Die Patienten müssen zusammen mit ihren Ärzten nach den zugrundeliegenden Ursachen suchen.“ Häufig hilft nach seiner Erfahrung eine verbesserte Schlafhygiene mit regelmäßigen Schlafzeiten und der Vermeidung von extremen Belastungen. Auch auf Alkoholkonsum in den Abendstunden sollten Betroffene verzichten. Seelische Belastungen können ebenfalls für die Schlafstörungen – und damit für den hohen Blutdruck – verantwortlich sein.  

Eine weitere häufige Ursache ist die sogenannte obstruktive Schlafapnoe, die mit lautem Schnarchen und Atemaussetzern im Schlaf einhergeht. „In den häufigen Atempausen kommt es regelmäßig zu einem Anstieg des Blutdrucks, der in der Summe dann das nächtliche Dipping aufhebt“, so Sanner. Patienten mit hohem Blutdruck und auffälligen Langzeit-Blutdruckwerten sollten deshalb auch im Schlaflabor untersucht werden. „Schlafmangel und mögliche zugrundeliegende Schlafstörungen sollten immer Teil der ärztlichen Anamnese bei Bluthochdruck sein“, sagt der Experte. „Insbesondere dann, wenn Patienten auf die Therapie nicht ansprechen oder die 24-Stunden-Messung ein Non-Dipping anzeigt.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga: Stressfaktor Schlafmangel: Risiko für Bluthochdruck und weitere Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigt
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung