Sauna mit Bluthochdruck

Viele Bluthochdruckpatienten fragen sich, ob sie in die Sauna gehen dürfen. Was Saunieren mit unserem Blutdruck macht und was Sie beachten sollten.

Mann in der Sauna © iStock
(Stuttgart – 23.03.2017) Viele Menschen, die an Bluthochdruck (Hypertonie) leiden, sind verunsichert, ob sie in die Sauna gehen dürfen. Welche Auswirkungen Saunieren auf den Körper hat und was Bluthochdruckpatienten dabei beachten sollten.

Was passiert in der Sauna mit unserem Herz-Kreislauf-System?

Der Saunagang ist zunächst eine Belastung für das Herz-Kreislauf-System. Haut- und Körpertemperaturen können bis auf 40 Grad Celsius ansteigen. Es kommt zu einer vermehrten Ausschüttung von Stresshormonen, wodurch sich auch die Herzfrequenz kontinuierlich beschleunigt. Nach 15 Minuten Saunieren entspricht die Herzfrequenz Werten wie bei einer Belastung von 90 Watt auf dem Fahrradergometer – also etwa der Anstrengung, wenn man mit einer Tasche in der Hand zum Bus rennt. „Unsere Untersuchungen haben gezeigt, dass der obere, systolische Blutwert, mit der zunehmenden Aufenthaltsdauer in der Sauna zunimmt“, sagt Prof. Dr. Reinhard Ketelhut, Sportwissenschaftler und Sportmediziner am Medical Center Berlin. „Der untere, diastolische Blutwert, steigt zu Beginn des Saunierens deutlich an und bleibt dann währenddessen konstant erhöht.“ Es kommt also nicht zu einem Abfall des diastolischen Wertes. „Die Blutdrucksenkung tritt erst in der Ruhephase ein“, erklärt der Experte. Dann halte sie jedoch noch lange an. Wer einen gut eingestellten Bluthochdruck hat, muss laut Ketelhut nicht auf das Saunavergnügen verzichten.

Sauna mit Bluthochdruck: Das sollten Sie beachten

„Wer sich lange nicht mehr körperlich belastet oder Sport getrieben hat, sollte ebenso wie Patienten mit Vorerkrankungen vor dem ersten Saunabesuch seinen Arzt hinzuziehen“, rät der Sportmediziner. Dieser kann ein Belastungs-EKG durchführen, um einen Sauerstoffmangel am Herzen auszuschließen. „Ein Kriterium hierfür ist eine beschwerdefreie Belastbarkeit von mindestens einem Watt pro Kilogramm Körpergewicht.“ Wer hohen Blutdruck hat, für den gilt: Der Blutdruck soll nicht nur in Ruhe, sondern auch unter Belastung gut eingestellt sein. „Bei 20- bis 50-jährigen Frauen und Männern sollte er bei 100 Watt einen Wert von 200/100 mmHg nicht überschreiten“, so Ketelhut. Dann steht dem Saunavergnügen nichts im Wege. Wer mit gut eingestelltem Bluthochdruck regelmäßig saunieren will, sollte aber ein paar Dinge beachten:

  • Einsteiger sollten langsam beginnen und sich langsam steigern. In der typischen finnischen Sauna herrschen Temperaturen von 80 bis zu 100 Grad Celsius bei nahezu null Prozent Luftfeuchtigkeit. Für den Anfang sind deshalb eher Bio- oder Dampfsaunen mit 45 und 60 Grad Celsius bei höherer Luftfeuchtigkeit ratsam.
  • Auch die Verweildauer sollte zu Beginn nur etwa drei bis fünf Minuten betragen und bei guter Verträglichkeit langsam gesteigert werden.
  • Patienten mit Bluthochdruck sollten sich nach dem Saunagang nicht im Eisbecken abkühlen oder kalt abduschen. „Dies könnte eine Engstellung der Gefäße und dadurch einen stärkeren Blutdruckanstieg verursachen“, erklärt der Experte. Diese Veränderungen könnten bei Menschen mit Erkrankungen der Herzkranzgefäße Herzbeschwerden hervorrufen. Bluthochdruckpatienten sollten sich stattdessen lieber langsam, kontrolliert und stressfrei an der Luft oder mit lauwarmem Wasser abkühlen.
  • Nach jedem Saunagang sollte eine Ruhepause von mindestens 30 Minuten eingelegt werden.

Welchen Nutzen Saunieren für den Blutdruck hat

Der Blutdruck ist in der Ruhephase nach der Sauna noch deutlich niedriger als vor dem Saunabesuch. Für die Blutdrucksenkung ist sicherlich zum Teil ein Flüssigkeitsverlust durch Schwitzen verantwortlich. Studien haben aber gezeigt, dass bei regelmäßigem Saunieren eine dauerhaft günstige Wirkung auf die Blutdruckregulation zu erwarten ist, die nicht allein durch den Flüssigkeitsverlust zu erklären ist. So wurde der Blutdruck von Hypertonikern bei zweimal wöchentlichem Saunabesuch von 166/101 mmHg nach drei Monaten auf 143/92 mmHg – und somit um 23 mmHg systolisch und 9 mmHg diastolisch – gesenkt. Bei Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen konnte eine vergleichbare Blutdrucksenkung von 162/110 mmHg auf 139/92 mmHg erzielt werden, was auch noch nach drei Jahren nachweisbar war.  

Als wesentlicher Faktor für die Blutdrucksenkung durch Saunieren wird eine funktionelle Verbesserung des Endothels – der Innenschicht der arteriellen Gefäße – angenommen, wie sie auch regelmäßiges Ausdauertraining mit sich bringt. Aber auch die Regulation der Stresshormone kann durch regelmäßige Saunagänge günstig beeinflusst werden.

Wer auf Saunieren besser verzichten sollte

Es gibt jedoch auch Faktoren, die gegen einen Saunabesuch sprechen: Dazu zählen ein schlecht eingestellter Bluthochdruck oder wiederholte Blutdruckkrisen, akute Herzschwäche, Brustschmerzen mit sich ändernder Symptomatik (instabile Angina Pectoris) und weitere Herzerkrankungen, bei denen starke Belastungen vermieden werden sollten. „Wer sich unsicher ist, ob er nicht dennoch in die Sauna gehen kann, für den ist auch hier der betreuende Arzt der erste Ansprechpartner“, so Ketelhut.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.03.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga: Bluthochdruck und Sauna: Was die Hochdruckliga Betroffenen rät
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