Herzinfarkt bei Frauen

Bei Frauen kündigt sich ein Herzinfarkt meist weniger typisch an als bei Männern. Frauen sollten daher Symptome und Risikofaktoren kennen.

ältere Frau hat Rückenschmerzen, bei Frauen ein mögliches Symptom für einen Herzinfarkt © iStock
(Frankfurt – 16.02.2017) Immer noch sehen viele Menschen den Herzinfarkt als „Männerproblem“. Viele Frauen sehen gesundheitliche Risiken eher in Krebs und glauben nicht, dass auch sie herzkrank werden können. Aber nicht Krebs, sondern Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind bei Frauen in Deutschland die führende Todesursache. Bei Betrachtung aller Herzkrankheiten in Summe sterben daran mehr Frauen als Männer – allerdings erliegen mehr Männer dem Herzinfarkt.  

„Der Herzinfarkt bei Frauen bringt jedoch besondere Probleme mit sich. Für Frauen gibt es bestimmte Faktoren, die sie und ihr Arzt besonders im Blick haben sollten, weil diese die koronare Herzkrankheit (KHK), die dem Herzinfarkt immer vorausgeht, begünstigen: Rauchen, Übergewicht, Bluthochdruck und Diabetes mellitus“, sagt Prof. Dr. Christiane Tiefenbacher vom Wissenschaftlichen Beirat der Deutschen Herzstiftung.

Bei Frauen öfter untypische Symptome

Erleiden Frauen einen Herzinfarkt, ist die Verzögerungszeit bis zum Anruf bei der Rettungsstelle (112) mit durchschnittlich 108 Minuten besonders lang. Zum Vergleich: Bei Männern sind es 80 Minuten. Grund für die Verzögerung, die beim Herzinfarkt lebensbedrohlich sein kann, sind untypische Beschwerden. Beim Herzinfarkt treten bei rund 80 Prozent der Männer und Frauen Beschwerden im Brustkorb auf, die bei rund 50 bis 60 Prozent in den linken Arm ausstrahlen. Frauen erleben weniger einen starken Schmerz im Brustkorb, sondern deutlich häufiger Druck oder ein Engegefühl in der Brust.  

Neben dem typischen Brustschmerz treten bei Frauen häufig untypische Symptome auf: Kurzatmigkeit, Rückenschmerzen, Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen im Oberbauch. „Bei Frauen macht sich der typische Brustschmerz häufig weniger heftig bemerkbar. So schieben sich die untypischen Beschwerden in den Vordergrund: Der Verdacht auf Herzinfarkt stellt sich nicht ein und die Dringlichkeit, die 112 anzurufen, entfällt“, erklärt Prof. Tiefenbacher. Frauen sollten bei Verdacht auf einen Herzinfarkt sofort den Rettungswagen rufen.

Auf diese Risikofaktoren sollten Frauen besonders achten

Für Frauen gelten die gleichen Risikofaktoren wie für Männer, die konsequent zu behandeln sind: Rauchen, Bluthochdruck, Bewegungsmangel, Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Diabetes mellitus und psychosoziale Faktoren – zum Beispiel Doppelbelastung durch Beruf und Familie. Bis zu den Wechseljahren sind Frauen allerdings wegen der Geschlechtshormone (Östrogene) relativ gut gegen eine Verengung der Herzkranzgefäße (Arteriosklerose) und damit vor dem Herzinfarkt geschützt. Ausnahme: Frauen, die rauchen und die Pille nehmen, haben ein hohes Herzinfarktrisiko. Rauchen allein erhöht ihr Herzinfarktrisiko um das Sechsfache.  

Nach den Wechseljahren nimmt das Herzinfarktrisiko stark zu. Sorgfältig ist auf den Blutdruck zu achten, weil dieser bei Frauen nach der Menopause sehr schnell ansteigt. „Dies ist auch ein Grund dafür, dass bei Frauen mehr Schlaganfälle auftreten. Sehr wichtig ist eine regelmäßige Blutdruckkontrolle beim Arzt oder zu Hause mit dem Messgerät.“

Besondere Vorsicht bei Übergewicht und Diabetes mellitus

Wichtig zu wissen ist, dass Frauen ab einem Taillenumfang von 88 Zentimetern ein erhöhtes Herzinfarktrisiko haben, sodass zum Abnehmen geraten wird. Übergewicht, Fettstoffwechselstörungen, Bluthochdruck und Diabetes mellitus treten bei Frauen häufig in Kombination auf und steigern somit das Herzinfarktrisiko. Die Häufigkeit von Diabetes mellitus nimmt etwa mit Übergewicht und mangelnder Bewegung zu. „Diabetikerinnen haben ein sechsfach erhöhtes Herzinfarktrisiko und sollten auf eine gute Blutzuckereinstellung achten“, so Prof. Tiefenbacher.  

Grundsätzlich gilt, dass alle Risikofaktoren zunächst durch einen konsequent gesunden Lebensstil – regelmäßige Ausdaueraktivitäten von 30 Minuten fünfmal pro Woche, Rauchverzicht, gesunde Ernährung und Normalgewicht – optimiert werden sollten. Reicht das nicht aus, wird eine medikamentöse Behandlung erforderlich. Frauen wie Männer sollten ab dem 40. Lebensjahr Blutdruck, Blutzucker und Cholesterin regelmäßig kontrollieren – ab dem 50. Lebensjahr halbjährlich. Bei genetischer Belastung kann die Kontrolle ab 40 zu spät sein, da Diabetes mellitus und Bluthochdruck sehr früh auftreten können.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung: Herzinfarkt bei Frauen: Wie erhöhen Frauen ihren Schutz vor dem Infarkt?
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