Placeboeffekt nach Herz-OP

Wer psychologische Unterstützung erhält, um seine Erwartungen an eine schnelle Genesung zu steigern, erholt sich nach einer Herz-OP schneller.

Frau bei Psychologin © iStock
(Marburg – 25.01.2017) Ein Placeboeffekt verbessert die Erholung von Patienten, die eine Herzoperation hinter sich haben. Das konnte ein interdisziplinäres Team der Philipps-Universität Marburg herausfinden. Erhielten die Betroffenen psychologische Betreuung, um ihre Erwartungen an eine rasche Genesung zu erhöhen, so erholten sie sich nach einem Eingriff am Herzen besser als andere, die keine Unterstützung bekamen.

Placeboeffekt beeinflusst oft Behandlungserfolg

Placeboeffekte beeinflussen oftmals den Erfolg einer medizinischen Behandlung. Zu diesen Placeboeffekten tragen insbesondere die Erwartungen bei, die Patienten an die Wirksamkeit und das Ergebnis einer Therapie haben. „Das Ziel unserer Studie besteht darin, diese Erwartungen zu optimieren, um das Ergebnis von Bypass-Operationen am Herzen zu verbessern“, so die Studienautoren.

Um dies zu erreichen, teilten die Forscher 124 Patienten in drei Gruppen ein: Die „Erwartungsgruppe“ erhielt psychologische Unterstützung von einem Therapeuten, der speziell darauf abzielte, die Erwartungen an die Wiederherstellung nach der Operation zu erhöhen. Die „Unterstützungsgruppe“ verbrachte ebenso viel Zeit mit dem Therapeuten, diskutierte die eigenen Erwartungen aber nicht. Die Kontrollgruppe schließlich erhielt keine zusätzliche psychologische Unterstützung. Vor der Operation sowie sechs Monate danach erhoben die beteiligten Wissenschaftler Daten über das geistige Wohlbefinden, die gesundheitlichen Beschwerden, die Arbeitsfähigkeit und die körperliche Aktivität der Betroffenen.

Die Mitglieder der Erwartungsgruppe machten spezielle Übungen, um die Erwartungen an ihre Genesung zu erhöhen. So wurden die Patienten gebeten, zu erklären, was sie nach der Operation erreichen wollen, wie sie sich zu erholen gedenken und wie sie in ein normales Leben zurückkehren können. Der Therapeut half dabei, personalisierte Pläne zu erstellen, wie jeder Einzelne diese Ziele erreichen kann. Die Patienten durften nach der Sitzung alle Notizen mitnehmen.

Psychologische Unterstützung half den Teilnehmern

Das Ergebnis: Wer psychologische Unterstützung erhielt, um die eigenen Erwartungen bezüglich der Genesung nach der Operation zu erhöhen, litt sechs Monate nach dem Eingriff weniger an Beschwerden, erfreute sich einer besseren Lebensqualität, war körperlich aktiver und fitter für die Arbeit im Vergleich zu denjenigen, die nicht von zusätzlicher Hilfe profitierten.

„Patienten, die vor der Operation irgendeine Form psychologischer Unterstützung erhielten, ging es sechs Monate danach besser als anderen“, so der Psychologe Winfried Rief. „Den größten Nutzen bringt anscheinend eine personalisierte Unterstützung mittels spezieller Anleitungen, wie die Betroffenen eine schnellere und bessere Erholung erreichen können.“

Das ist das erste Mal, dass der Placeboeffekt in der Herzchirurgie mit einer kontrollierten wissenschaftlichen Studie untersucht wurde. Sie zeigt auch, dass eine kurzfristige psychologische Intervention leicht bei Herzoperationen eingesetzt werden kann. „Durch die Ausnutzung des Placeboeffekts können wir die lebensrettenden Aspekte der Chirurgie durch eine verbesserte Erholung unserer Patienten ergänzen“, erklärt Rainer Moosdorf, Leiter der Marburger Herzchirurgie.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 25.01.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Philipps-Universität Marburg: Placebo-Effekt hilft nach Herzoperation
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