Alarmzeichen kennen!

Sind Betroffenen die Alarmzeichen eines Herzinfarkts bekannt, reduziert dies im Ernstfall tödliche Zeitverluste deutlich. Das zeigt eine deutsche Studie.

Mann mit Hand an der Brust © iStock
(Frankfurt am Main – 29.09.2016) Bei der Notfallversorgung von Herzinfarktpatienten zählt jede Minute, da der Infarkt jederzeit lebensbedrohliche Herzrhythmusstörungen (Kammerflimmern) auslösen kann und zum Untergang von Herzgewebe führt. Auch weil viele Betroffene bei Verdacht auf Herzinfarkt zu lange zögern, mit dem Notruf 112 den Rettungsdienst zu alarmieren, sterben jedes Jahr über 55.000 Menschen am Herzinfarkt. Denn nur der Notarzt kann den plötzlichen Herztod als Folge von Kammerflimmern verhindern. Und erst die Infarktbehandlung in der Klinik kann das Herz vor schweren dauerhaften Schäden (Herzschwäche) bewahren. „Deshalb sollten Betroffene bei Herzinfarktverdacht niemals vor dem Notruf 112 zögern.  

Um in dieser Notfallsituation rasch zu handeln, kommt es auch darauf an die Symptome eines Herzinfarkts zu kennen. In einer Untersuchung konnten wir den lebensrettenden Zeitgewinn durch solches Vorwissen als messbaren Effekt belegen“, sagt Herzspezialist Prof. Dr. Thomas Meinertz von der Deutschen Herzstiftung. Alarmzeichen für einen Herzinfarkt sind etwa starke Schmerzen in der Brust, die auch in andere Körperregionen ausstahlen können, ein massives Engegefühl im Herzbereich, heftiges Brennen, Übelkeit, Erbrechen, Atemnot sowie Angstschweiß mit kalter, fahler Haut.

Lebensrettender Zeitgewinn durch Vorwissen

Nach den Ergebnissen der Münchener MEDEA-Studie mit insgesamt 486 untersuchten Herzinfarktpatienten, mehrheitlich Männer (rund 75 Prozent), kannten 476 Patienten mindestens eines von mehreren Herzinfarktsymptomen – die Mehrheit der Befragten ordnete richtigerweise Brustschmerzen als typisches Anzeichen für einen Herzinfarkt ein. 37 Prozent der untersuchten Patienten alarmierten den Notarzt aufgrund von akuten Herzinfarktbeschwerden.  

„Herzinfarktpatienten mit ausreichendem Vorwissen über die Infarktbeschwerden haben eine 50 Prozent höhere Chance, die Klinik deutlich früher zu erreichen als Betroffene ohne dieses Wissen“, so Studienleiter Prof. Dr. Karl-Heinz Ladwig vom Helmholtz-Zentrum München und der Klinik und Poliklinik für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie des Klinikums rechts der Isar der TU München. So hatten sowohl Männer als auch Frauen mit Vorwissen über die Symptome eine im Schnitt deutlich kürzere Verzögerungszeitspanne zwischen Herzinfarkt und Behandlung in der Klinik als Betroffene ohne dieses Wissen: Bei Männern lag sie im Schnitt bei 168 Minuten (mit Vorwissen) gegenüber 276 Minuten (ohne Vorwissen), bei Frauen bei 189 Minuten (mit Vorwissen) gegenüber 262 Minuten (ohne Vorwissen). „Wer die Herzinfarktsymptome kannte, stufte den Infarkt dann auch schneller als Risikoereignis ein und reagierte eher“, sagt der Experte.

Bei älteren Menschen und Frauen oft untypische Infarktbeschwerden

Die Studie zeigt auch, dass Patienten mit höherem Risiko für unklare Herzinfarktbeschwerden wie Übelkeit, Brechreiz und Schwächegefühl, die schwerer dem Herzen zuzuordnen sind, auch zur Gruppe mit den höheren Zeitverlusten gehören. Deshalb ist gerade bei ihnen mehr Aufklärung nötig. Das gilt laut Studie vor allem für ältere Patienten und Frauen. „Je älter die Herzinfarktpatienten, desto geringer ist der Anteil derjenigen mit spezifischen Symptomen wie Brustschmerz, Kurzatmigkeit und kaltem Schweiß. Das trifft besonders für Frauen über 65 Jahre zu und sollte auch bei Vorsorgeuntersuchungen, Routinekontrollen beim Kardiologen oder in der Nachsorge in den Fokus rücken“, so Prof. Ladwig.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 29.09.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Herzstiftung und der Deutschen Stiftung für Herzforschung: Studie: Vorwissen über Herzinfarkt- Alarmzeichen verringert tödliche Zeitverluste bei Betroffenen
  • Deutsche Herzstiftung: Diese Alarmsignale muss jeder kennen
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