Zahnarzt informieren

Wer Blutverdünner einnimmt, sollte das seinem Zahnarzt vor einem Eingriff sagen. Manchmal müssen die Medikamente kurzfristig abgesetzt werden.

Mann mit Tabletten und einem Glas Wasser in der Hand © Thinkstock
 (Bonn – 26.08.2016) In Deutschland nehmen etwa eine Million Menschen gerinnungshemmende Medikamente (Antikoagulanzien) ein – im Volksmund auch Blutverdünner genannt. Der häufigste Grund hierfür ist die Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern. Sie geht mit einer erhöhten Gefahr für Blutgerinnsel einher und steigert dadurch das Risiko für Schlaganfälle um das Fünffache. Blutgerinnungshemmer erschweren die Bildung von Blutgerinnseln und beugen somit Schlaganfällen vor.

Naturgemäß erhöhen solche Medikamente in einem gewissen Rahmen aber auch die Neigung zu unerwünschten Blutungen. Bei kleinen operativen Eingriffen – etwa wenn ein Zahn gezogen werden muss – ist dies meist kein Problem. Dennoch sollten Patienten ihren Zahnarzt informieren, wenn sie einen Blutgerinnungshemmer einnehmen. So ist er vorbereitet, falls es zu Komplikationen kommt. Außerdem kann es bei umfangreicheren zahnärztlichen Eingriffen notwendig sein, vorübergehend auf die Einnahme von Gerinnungshemmern zu verzichten.

Vorgehen bei neuen Gerinnungshemmern

Ob und in welcher Form die Einnahme eines Blutverdünners unterbrochen wird, hängt von der Art des geplanten Eingriffs und dem damit verbundenen Blutungsrisiko, von der Grunderkrankung des Patienten sowie vom Wirkprinzip des Medikaments ab – die Entscheidung wird vom Arzt getroffen. Vergleichsweise einfach ist die Vorgehensweise bei den neuen Gerinnungshemmern (neue orale Antikoagulanzien, kurz NOAK). Diese Wirkstoffe haben eine kurze Halbwertszeit, werden also rasch abgebaut und müssen zumeist erst am Tag vor dem operativen Eingriff abgesetzt werden. Die meisten Patienten setzen die medikamentöse Therapie bereits am Folgetag wieder fort. Da die Medikamente direkt in den Gerinnungsmechanismus eingreifen, entfalten sie ihre volle Wirkung schon wenige Stunden nach der Einnahme.

Vorgehen bei Vitamin-K-Antagonisten

Bei den sogenannten Vitamin-K-Antagonisten ist mehr Planung erforderlich. Ihre Konzentration im Blut wird unter anderem durch Vitamin-K-haltige Lebensmittel beeinflusst und unterliegt daher Schwankungen, die engmaschige Kontrollen beim Arzt erfordern. Zudem werden diese Wirkstoffe nur langsam abgebaut. Müssen sie für einen umfangreichen Eingriff vorübergehend abgesetzt werden, so ist es notwendig, vier bis sieben Tage vor dem Operationstermin damit zu beginnen. Während dieser Zeit ist das Risiko für Blutgerinnsel und Schlaganfälle erhöht. Um dem vorzubeugen, wird die Therapielücke in der Regel mit Heparinspritzen überbrückt. Wenn nach dem Eingriff keine problematischen Blutungen mehr zu erwarten sind, wird der Patient wieder auf den Vitamin-K-Antagonisten eingestellt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Seniorenliga: Zahnarzt über die Einnahme von Blutverdünnern informieren
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