Zum Arzt mit Hämorrhoiden

Viele schämen sich, mit Hämorrhoiden zum Arzt zu gehen. Dabei sollte dies möglichst frühzeitig geschehen, um eine Operation zu vermeiden.

Frau trägt Slip © Thinkstock
(Berlin – 28.04.2016) Rund 70 Prozent aller Erwachsenen leiden im Laufe ihres Lebens an Hämorrhoidalbeschwerden. Doch trotz der unangenehmen und oft schmerzhaften Symptome suchen nur etwa vier Prozent der Betroffenen einen Arzt auf. Die Mehrheit der Patienten versucht – häufig aus Scham – ihre Beschwerden durch Hausmittel und Salben eigenständig zu beheben, so die Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS). Die Experten der Fachgesellschaft empfehlen jedoch, schon bei ersten Anzeichen für Hämorrhoiden wie Juckreiz, Brennen und Schmerzen im Analbereich sowie Blut beim Stuhlgang oder am Toilettenpapier einen Haus- oder Facharzt aufzusuchen. Denn: Zögern Patienten die Diagnose und Therapie hinaus, müssen die geschädigten Blutgefäße am After oft operativ behandelt werden.

Hämorrhoiden nehmen zu

Die Häufigkeit der Hämorrhoidalleiden nimmt in den Industrieländern zu. Experten vermuten genetische Faktoren, aber auch ungünstige Ernährung, mangelnde Bewegung und Übergewicht als Ursachen dafür. „Ernährt man sich zu einseitig und ballaststoffarm, führt dies häufig zu Verstopfung. Beim Toilettengang erhöht sich dadurch der Druck auf die Hämorrhoiden – also jene Gefäße, die ringförmig in der Enddarmschleimhaut oberhalb des Schließmuskels verlaufen“, erklärt Dr. Peter N. Meier, Facharzt für Innere Medizin, Gastroenterologie und Proktologie. Kommt es dann zu einem Blutrückstau, wölben sich die Gefäße mit der Schleimhaut nach außen und verursachen Probleme.  

Bei der Entstehung von Beschwerden im Analbereich spielt laut Meier häufig auch übertriebene Hygiene nach dem Stuhlgang – etwa mit aggressiven Reinigungsmitteln oder rauem Toilettenpapier – eine Rolle. „Schonender als feuchtes Toilettenpapier ist die Reinigung mit einem wasserbefeuchteten Lappen oder einer Analdusche“, empfiehlt der Experte.

Frühzeitig zum Arzt gehen

Suchen Patienten bei ersten Beschwerden den Gastroenterologen auf, können in über 95 Prozent der Fälle konservative Behandlungsmethoden wie stuhlregulierende Medikamente, ausreichend Bewegung und ballaststoffreiche Kost helfen. Erreichen Patienten jedoch den dritten oder vierten Schweregrad der Erkrankung, ist häufig ein operativer Eingriff notwendig. „Von den rund 50.000 jährlichen Hämorrhoiden-Operationen in Deutschland ließe sich sicherlich ein Großteil verhindern, wenn Patienten frühzeitiger zum Arzt gingen“, vermutet Meier.  

Aber auch nicht jeder Juckreiz am After ist auf Hämorrhoiden zurückzuführen. Hier kommt eine große Bandbreite an Erkrankungen infrage. Denn auch Ekzeme, Pilze oder Infektionen mit Herpes oder Humanen Papillomaviren (HPV) können ähnliche Symptome hervorrufen. „Hier sind eine professionelle Differenzialdiagnose und gegebenenfalls labordiagnostische Maßnahmen notwendig“, sagt Prof. Dr. Christian Trautwein von der Uniklinik RWTH Aachen. „Am besten ist es, gleich einen Proktologen aufzusuchen – also einen Arzt, der auf Leiden des Enddarms spezialisiert ist.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.04.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Hämorrhoiden: Keine falsche Scham – früher Facharztbesuch kann Operation verhindern
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