Mutiertes Gen schützt Herz

Träger einer bestimmten Genmutation haben ein geringeres Herzinfarktrisiko. Diese Erkenntnis kann bei der Entwicklung neuer Arzneien helfen.

DNA © Thinkstock
(München – 09.03.2016) Eine internationale Forschergruppe unter Leitung des Ärztlichen Direktors des Deutschen Herzzentrums der TU München Prof. Heribert Schunkert entdeckte eine Genveränderung, die das Risiko für einen Herzinfarkt deutlich senken kann. „Diese Entdeckung macht es wesentlich leichter, neue Medikamente zu entwickeln, die die Effekte dieser Mutation nachahmen“, erklärt Schunkert. „Damit hätte die weitere Forschung ein konkretes Ziel und die Entstehung von Herzinfarkten ließe sich künftig gezielt bekämpfen.“

13.000 verschiedene Gene analysiert

Für die groß angelegte Studie analysierten die Wissenschaftler 13.000 verschiedene Gene von fast 200.000 Teilnehmern – Infarktpatienten sowie gesunden Kontrollpersonen. Sie suchten nach Zusammenhängen zwischen Genveränderungen und koronaren Arterienerkrankungen.

Für mehrere Gene konnten die Forscher eine solche Beziehung feststellen – unter anderem für das Gen ANGPTL4 (Angiopoietin-like 4). Zudem wiesen die Studienteilnehmer mit dem mutierten ANGPTL4-Gen deutlich niedrigere Triglyceridwerte im Blut auf. „Der Blutfettstoff Triglycerid dient dem Körper als Energiespeicher. Zu hohe Werte jedoch erhöhen – ähnlich wie erhöhte LDL-Cholesterinwerte – das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Niedrige Werte dagegen senken es“, erklärt Prof. Jeanette Erdmann, Direktorin des Instituts für Integrative und Experimentelle Genomik an der Universität zu Lübeck, die ebenfalls an der Arbeit beteiligt war.

Bedeutung der Triglyceride unterschätzt

Laut Prof. Schunkert wurde die Bedeutung der Triglyceride für die Gesundheit bisher unterschätzt: „Bei den meisten Patienten steht immer noch das Cholesterin im Vordergrund. Man unterschied immer zwischen dem gesunden HDL- und dem schädlichen LDL-Cholesterin. Inzwischen wissen wir aber, dass sich die HDL-Werte genau umgekehrt wie die Triglyceride verhalten und dass HDL selbst sich in Wirklichkeit eher neutral verhält. Die Triglyceride dagegen sind neben dem schädlichen LDL-Cholesterin der zweite wichtige Fettstoff im Blut“, erklärt Schunkert. „Die HDL-Werte im Blut bestimmt man nur noch, weil man aus Gesamtcholesterin, HDL und Triglyceriden die LDL-Werte errechnen kann, die sich nicht direkt messen lassen.“

Genmutation sorgt für niedrigeren Triglyceridspiegel

Die aktuelle Studie zeigt nun, dass die Konzentration von Triglyceriden im Blut nicht nur durch Ernährung und Veranlagung, sondern auch durch das Gen ANGPTL4 beeinflusst wird. „Im Zentrum unserer Daten steht dabei das Enzym Lipoprotein-Lipase (LPL). Es bewirkt den Abbau von Triglyzeriden im Blut“, so Erdmann. Normalerweise bremst ANGPTL4 das LPL-Enzym und als Folge steigen die Fettwerte im Blut an. Die von den Forschern identifizierten Mutationen schalten die Funktion dieses Gens aus und sorgen so dafür, dass der Triglyceridspiegel deutlich abnimmt.

Körper kommt auch ohne das Gen zurecht

„Gleichzeitig haben wir entdeckt, dass der Körper das ANGPTL4-Gen gar nicht benötigt und auch ohne bestens zurechtkommt. Es scheint überflüssig zu sein.“ Das Gen auszuschalten oder auf andere Weise das LPL-Enzym auszubremsen, könnte daher letztendlich vor Herzinfarkt schützen.

„Anhand unserer Ergebnisse gilt es jetzt, Medikamente zu entwickeln, die die Wirkung des ANGPTL4-Gens neutralisieren und dadurch das Herzinfarktrisiko senken“, sagt Schunkert. „Anderen Forschern ist das zumindest im Tierversuch schon gelungen. So sanken bei Affen, die einen neutralisierenden Antikörper gegen ANGPTL4 bekamen, die Blutfette drastisch ab. Das gibt Hoffnung, dass ähnliche wirkende Antikörperpräparate bald auch beim Menschen erfolgreich eingesetzt werden können.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.03.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Technischen Universität München: Mit Big-Data gegen Herzinfarkt: Abschalten eines Gens könnte Herzinfarktrate deutlich senken
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