Hochdruck: neue Zielwerte?

Die Ergebnisse einer US-Studie legen nahe: Es ist sinnvoll, den Blutdruck bei Patienten mit Bluthochdruck stärker zu senken, als bisher empfohlen.

Arzt misst Blutdruck © Thinkstock
(Heidelberg – 16.11.2015) Die neuen Daten der amerikanischen SPRINT-Studie zeigen, dass es sinnvoll ist, den Blutdruck von Patienten mit Bluthochdruck stärker zu senken, als bisher empfohlen. Die bedeutsame Bluthochdruckstudie liefert damit neue Informationen über den Zielblutdruck, der vom Patienten erreicht werden soll.  

In der Studie waren Patienten mit erhöhtem Herz-Kreislauf-Risiko per Zufallsprinzip in zwei Gruppen eingeteilt worden. Insbesondere Patienten mit bestehender Herzkreislauferkrankung, eingeschränkter Nierenfunktion und über 75-Jährige wurden in der Studie berücksichtigt. In der einen Gruppe folgte die Therapie dem bisherigen Standard: Der Blutdruck wurde medikamentös auf einen Wert von unter 140 mmHg gesenkt. In der anderen Gruppe wurde der Blutdruck der Patienten in engmaschiger Kontrolle auf 120 mmHg gesenkt. „Wir haben uns den Studienaufbau und die Daten genau angesehen“, sagt Prof. Dr. Martin Hausberg von der Deutschen Hochdruckliga. „Die Ergebnisse werden Eingang in die weltweiten und deutschen Leitlinien finden und diese maßgeblich verändern.“

Studie aufgrund eindeutiger Ergebnisse vorzeitig beendet

Wird der Blutdruck bei den Herz-Kreislauf-Patienten auf 120 mmHg statt auf unter 140 mmHg gesenkt, erleiden diese seltener schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse wie einen Herzinfarkt. Zudem sterben sie seltener frühzeitig – in der Studie waren es 25 Prozent weniger als in der Vergleichsgruppe mit einem Zielblutdruck von unter 140 mmHg. Die Ergebnisse fielen schon vor geplantem Studienende so eindeutig aus, dass die Forscher die Studie frühzeitig beendeten.

Ergebnisse nicht auf alle Hochdruckpatienten übertragbar

„Die Ergebnisse der SPRINT-Studie lassen sich nicht auf alle Hochdruckkranken übertragen“, erklärt Hausberg. Sie gelten für Patienten mit einem hohen Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, die nicht unter Diabetes mellitus leiden oder bereits einen Schlaganfall erlitten haben. Darüber hinaus birgt der Zielblutdruck von 120 mmHg auch Risiken – etwa ein mögliches Nierenversagen: „Bei einer intensiven Blutdrucksenkung bei diesen Patienten müssen mögliche Nebenwirkungen besonders beachtet werden“, sagt der Experte.  

In der SPRINT-Studie nahmen die Teilnehmer eine Medikamentenkombination aus bis zu drei verschiedenen Blutdrucksenkern ein. Die Forscher überwachten die Patienten deshalb intensiv, um mögliche Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen und zu behandeln. „Die erforderliche engmaschige Kontrolle wird zukünftig eine große Herausforderung für alle sein – für uns Hypertensiologen, aber auch das Gesundheitssystem.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 16.11.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Hochdruckliga: SPRINT-Studie wandelt Bluthochdrucktherapie: Deutsche Hochdruckliga spricht von Paradigmenwechsel
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