Herzkrank durch Lärm

Studien zeigen: Nicht nur Luftverschmutzung, sondern auch Lärm erhöht das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.

Junge Frau hält sich die Ohren zu © Thinkstock
(Berlin – 14.10.2015) Umweltbelastungen können das Risiko für einen signifikant erhöhen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) warnt nicht nur vor Schadstoffen in der Luft, sondern auch vor Lärm. Eine aktuelle deutsche Studie unterstreicht das Gefahrenpotential regelmäßiger Lärmbelastung. „Wir konnten im Rahmen der Arbeitsgruppe Lärmwirkungsforschung an der Universitätsmedizin in Mainz in einem experimentellen Modell Zusammenhänge zwischen Lärmbelastung und einer Dysfunktion des Endothels, also der Innenwand von Blutgefäßen, nachweisen“, sagt Prof. Dr. Thomas Münzel. „Eine Endotheldysfunktion gilt als wichtige Ursache von schweren kardiovaskulären Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall.“

Nachtfluglärm führt zu Endotheldysfunktion und Blutdruckanstieg

„Schon bei gesunden Probanden führte eine Simulation von Nachtfluglärm von 30 beziehungsweise 60 Überflügen zu einer endothelialen Dysfunktion, die interessanterweise durch Vitamin C korrigiert werden konnte, sowie zu einem grenzwertigen Blutdruckanstieg und zu Schlafstörungen“, so Prof. Münzel. „Bei Patienten mit einer bekannten koronaren Herzerkrankung waren die Auswirkungen noch deutlicher und die Blutdruckanstiege ausgeprägter. Bemerkenswert war, dass die Gefäßfunktion schlechter wurde – unabhängig davon, ob die Probanden angaben, sich über den Lärm geärgert zu haben oder nicht.“

Eine Million gesunde Lebensjahre gehen durch Lärm verloren

Laut Schätzungen der WHO gehen in Westeuropa pro Jahr eine Million gesunde Lebensjahre durch Lärm verloren. „Allein auf dem Weg von kardiovaskulären Erkrankungen verursacht Lärm jährlich den Verlust von 61.000 gesunden Lebensjahren“, rechnet Prof. Münzel vor. „Gemäß einem 2014 publizierten Modell tötet Lärm sowohl durch direkte als auch indirekte Wirkungen. Gemeinsam ist beiden, dass sie Stressreaktionen im Organismus verursachen. Die Auswirkungen auf das Herz-Kreilauf-System gehen meist auf indirekte Lärmwirkungen zurück.“  

Lärmbelastungen ab 35 dBA in der Nacht – dBA bezeichnet, wie laut ein Geräusch im Ohr ankommt – und mehr als 45-50 dBA am Tag führen zu einer Störung der Kommunikation, des Schlafs und zu emotionalen Reaktionen im Sinne von Ärger. Dies wiederum verursacht Stress. Die chronischen Stressreaktionen führen letztlich zur Ausbildung von kardialen Risikofaktoren und zu Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzinfarkt und Schlaganfall.  

Kürzlich publizierte Studien belegen, dass zum Beispiel Nachtfluglärm, aber auch Straßen- und Schienenlärm zum vermehrten Auftreten von Bluthochdruck und zu mehr Herzinfarkten und Schlaganfällen führen. „Damit ist Fluglärm, ebenso wie Feinstaub, ein neuer Herz-Kreislauf-Risikofaktor der durch die Umwelt bedingt ist. Angesichts solcher Daten sollten Luftverschmutzung und Lärm als Risikofaktoren für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen anerkannt und entsprechend auch in den Leitlinien der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie ESC berücksichtigt werden“, so Prof. Münzel.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.10.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung: Lärm und Luftverschmutzung machen herzkrank
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