Herzinfarkt durch Sex?

Manche Herzpatienten befürchten, durch Geschlechtsverkehr einen Herzinfarkt zu erleiden. Ob Sex das Risiko erhöht, haben Forscher nun untersucht.

Paar im Bett © Thinkstock
(Ulm – 23.09.2015) Sexuelle Aktivität ist für viele Menschen wichtiger Bestandteil einer hohen Lebensqualität und einer erfüllten Partnerschaft. Allerdings fürchten manche Patienten mit Herzerkrankungen, dass sie einen Herzinfarkt erleiden, weil sie Geschlechtsverkehr haben. Bislang fehlen den behandelnden Ärzten gesicherte Daten über mögliche Gefahren von sexueller Aktivität, sodass das Thema beim Beratungsgespräch oft ausgespart wird. Forscher um den Ulmer Epidemiologen Prof. Dietrich Rothenbacher und den Kardiologen Prof. Wolfgang Koenig konnten nun nachweisen, dass Sex in den seltensten Fällen einen Herzinfarkt verursacht und auch kein Risiko für einen Zweitinfarkt darstellt.

Anstrengung wie beim Treppensteigen oder zügigem Gehen

„Die Daten unserer Langzeitstudie zeigen, dass sexuelle Aktivität kein relevanter Auslöser für einen Herzinfarkt ist und bei Patienten mit stabiler Herzerkrankung auch langfristig keine negativen Auswirkungen hat“, sagt Rothenbacher, Leiter des Instituts für Epidemiologie und Medizinische Biometrie der Universität Ulm. Geschlechtsverkehr oder Selbstbefriedigung seien von der Intensität vergleichbar mit moderaten physischen Anstrengungen wie Treppensteigen oder zügigem Gehen.

Damit schließt die Studie eine wichtige Informationslücke. Bislang gab es nur wenige Untersuchungen, auf die sich Ärzte beziehen konnten, wenn ihre Patienten die Sorge um Sex als Auslöser für einen Herzinfarkt äußerten. „Weniger als die Hälfte der Männer und weniger als ein Drittel der Frauen, die einen Herzinfarkt erlitten haben, erhalten ausreichende Informationen darüber, ob sie weiterhin sexuell aktiv sein können. Es ist wichtig, dass den Patienten versichert werden kann, dass sie sich nicht sorgen oder ihr gewohntes Sexualleben einschränken müssen“, erklärt der Experte.

Langzeitstudie über 10 Jahre mit mehr als 500 Herzinfarktpatienten

Über einen Zeitraum von zehn Jahren untersuchten die Wissenschaftler mehr als 500 Männer und Frauen im Alter von 30 bis 70 Jahren, nachdem diese einen Herzinfarkt erlitten hatten. Die Wissenschaftler fragten die Teilnehmer danach, wie häufig diese in den zwölf Monaten vor dem Herzinfarkt Geschlechtsverkehr hatten. Mehr als die Hälfte gab an, mindestens einmal pro Woche sexuell aktiv gewesen zu sein. Bei über 78 Prozent der Teilnehmer trat der Herzinfarkt mehr als 24 Stunden nach dem Sex auf. Innerhalb des kritischen Zeitfensters von zwei Stunden vor dem Infarkt hatten lediglich 0,7 Prozent der Studienteilnehmer Geschlechtsverkehr. Während der Langzeitstudie erlitten 100 Patienten ein zweites kardiovaskuläres Ereignis – etwa einen weiteren Herzinfarkt oder einen Schlaganfall. Wie häufig sie zuvor Sex hatten, spielte auch hier keine Rolle.

Auch wenn sexuelle Aktivität für sich genommen keinen potenziellen Auslöser für einen Herzinfarkt darstellt, so tragen andere Faktoren wie Rauchen, Übergewicht, Bewegungsmangel oder Bluthochdruck zu einem erhöhten Risiko bei. Außerdem sollten Patienten darüber informiert werden, so Rothenbacher, dass Herzmedikamente wie Beta-Blocker und Diuretika als Nebenwirkung Erektionsstörungen hervorrufen können. Nehmen Betroffene wegen ihrer Herzbeschwerden zusätzlich Nitrate ein und möchten dann mithilfe von Potenzmitteln den Erektionsstörungen entgegenwirken, kann dies einen plötzlichen Blutdruckabfall verursachen, der möglicherweise bis zur Bewusstlosigkeit führt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.09.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universität Ulm: Geschlechtsverkehr erhöht nicht das Herzinfarkt-Risiko. Langzeitstudie räumt Angst und Unsicherheit bei Patienten aus
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung