Gefäßschäden durch Fluglärm

Herzpatienten sollten nicht zu nah an Flughäfen leben. Denn: Bei ihnen verursacht Fluglärm deutliche gesundheitliche Beeinträchtigungen.

Flugzeug © Thinkstock
(Mainz – 26.08.2014) Eine neue Studie der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz belegt: Fluglärm führt bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) beziehungsweise einem hohen Risiko für eine KHK zu einem deutlichen Gefäßschaden, erhöhtem Blutdruck und zu einer verminderten Schlafqualität. All dies sind Befunde, die die gesundheitsgefährdende Wirkung von Fluglärm weiter belegen.  

„Wir wissen, dass Fluglärm Bluthochdruck, Herzinfarkte und auch Schlaganfälle auslösen kann“, so Prof. Dr. Thomas Münzel, Direktor der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik der Universitätsmedizin Mainz und Leiter der Studie. „Die Ergebnisse unserer Studie waren so ausgeprägt, dass die Studie schon nach 60 Patienten abgebrochen wurde, obwohl eine Probandenzahl von 100 eingeplant war.“ Nach Einschätzung von Professor Münzel sind die Ergebnisse der Studie ein weiterer Mosaikstein, um die Entstehung von schwerwiegenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen als Folge von Fluglärm erklären zu können.

60 Flüge pro Nacht simuliert

Im Rahmen der Studie wurden 60 Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung oder einem erhöhten Risiko für eine Herzerkrankung während des Schlafs mit simuliertem Nachtfluglärm beschallt. „In einem Feldversuch wurden die Patienten zu Hause einer Lärmbelastung ausgesetzt, bei der in einer Versuchsnacht insgesamt 60 Nachtflüge mit einem mittleren Schallpegel von 46 dBA simuliert wurden. Zur Kontrolle hatten wir auch ein lärmfreies Nachtszenario“, erklärt Dr. Frank Schmidt aus der II. Medizinischen Klinik und Poliklinik, der die Studie durchgeführt hat.  

Die Wissenschaftler stellten fest, dass Nachtfluglärm bei den Patienten die Gefäßfunktion, die mit hochauflösenden Ultraschallgeräten gemessen wurde, deutlich verschlechterte. „Die Verschlechterung der Gefäßfunktion war so ausgeprägt, dass nach einer Zwischenanalyse von 60 Patienten die Studie vorzeitig beendet wurde“, berichtet Schmidt. „In unserer ersten Studie konnten wir bereits belegen, dass Nachtfluglärm bei gesunden Probanden die Gefäße schädigt. Gemessen wurde dabei die Erweiterungsfähigkeit der Arterien – im Fachjargon Endothelfunktion –, die unter Nachtfluglärm deutlich abnahm. In unserer aktuellen Studie zeigte sich, dass dieser Effekt bei Patienten mit einer koronaren Herzerkrankung (KHK) noch deutlich stärker ausgeprägt war“, ergänzt Schmidt.

Gefäßfunktion verschlechterte sich unabhängig vom Ärger über den Lärm

„Bemerkenswert ist, dass der Lärm die Gefäße schädigte, obwohl die Patienten ihre Herz-Kreislauf-Medikamente einnahmen, die die Gefäßfunktion vor Schäden schützen“, so Münzel. „Weiterhin verschlechterte sich die Gefäßfunktion unabhängig davon, ob sich die Patienten über den Lärm geärgert haben oder nicht. Auch die Lärmempfindlichkeit der Patienten spielte keine Rolle. Die Verschlechterung der Gefäßfunktion hat bei Patienten mit einer KHK prognostische Bedeutung, da diese mit einem erhöhten Auftreten von Tod durch Herzinfarkt und Schlaganfall verbunden ist“, ergänzt Münzel.  

„Nächtlicher Fluglärm muss damit als wichtiger, neuer Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bewertet werden. Wir Ärzte können Bluthochdruck, erhöhtes Cholesterin und Diabetes mellitus effektiv behandeln. Patienten können mit dem Rauchen aufhören. Lärm ist somit der einzige Herz-Kreislauf-Risikofaktor, den nur die Politik nachhaltig beeinflussen kann“, so der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.08.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz: Mainzer Fluglärmstudie beweist: Nachtfluglärm verursacht deutliche Gefäßschäden bei Herz-Patienten
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