Neuer Wirkstoff fürs Herz?

Hoffnung für Herz-Kreislauf-Patienten: Forscher haben vielversprechende Effekte bei einem bislang wenig beachteten Wirkstoff entdeckt.

Forscher © Thinkstock
(Erlangen/Nürnberg – 17.07.2014) Bessere Durchblutung, ein niedriger Blutdruck und ein kräftiges Herz – diese vielversprechenden Effekte haben Wissenschaftler der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg (FAU) bei einem bisher wenig beachteten Wirkstoff nachweisen können. Die Entdeckung nährt Hoffnung auf ein neues Medikament für Patienten mit fortgeschrittener Herz-Kreislauf-Schwäche. Denn: Die Substanz verbindet laut Studienleiter Prof. Dr. Peter W. Reeh Wirkungen, wie sie sich jeder behandelnde Arzt nur wünschen kann.  

Der verheißungsvolle Wirkstoff ist Nitroxyl (kurz: HNO), das auf chemischem Wege ein Netz feinster Nervenfasern stimuliert, welches den ganzen Körper durchzieht und auch Herz und Blutgefäße umrankt. Diese sogenannten Nozizeptoren erweisen den Geweben des Körpers unentbehrliche Dienste: Sie regeln die Durchblutung und die Durchlässigkeit der Blutgefäßwände, steuern die Regeneration und rufen bei Bedarf Abwehrzellen herbei. Außerdem signalisieren sie drohenden und tatsächlichen Schaden und können – wenn sie kräftig erregt werden – Schmerz auslösen.

Stärkster bekannter Gefäßerweiterer und Blutdrucksenker

Diese Funktionen werden von Neuropeptiden ausgeübt – kurzlebigen Signalstoffen, die von den Nervenfasern freigesetzt werden, wenn sie gereizt werden. Einer der Signalstoffe (kurz: CGRP) ist der am stärksten und längsten wirkende Gefäßerweiterer und damit Blutdrucksenker, den man kennt. Außerdem wirkt CGRP am Herzen und steigert seine Schlagkraft und Durchblutung. „Das sind überaus wünschenswerte Eigenschaften für ein Medikament bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Doch als Arzneistoffe sind Peptide wie CGRP ungeeignet, weil sie immer gespritzt werden müssten und schnell abgebaut werden“, erklärt Reeh. Doch wie wäre es, wenn man die unzähligen Nervenfasern, die ohnehin ständig kleine Mengen CGRP abgeben, dazu bringen könnte, mehr davon freizusetzen? Natürlich ohne Schmerz zu erzeugen. Dieser Frage ist das Forscherteam weiter nachgegangen.  

Wie viel von dem durchblutungsfördernden CGRP freigesetzt wird, steuert ein Rezeptor namens TRPA1. Das ist ein universeller chemischer Sensor, der auf zahllose körpereigene und fremde Stoffe anspricht – darunter viele aus Gewürzpflanzen wie Knoblauch, Senf oder Meerrettich. Rötung und Erwärmung sind typische Wirkungen, wenn der Sensor stimuliert wird, ebenso wie brennender Schmerz.  

Doch die Forscher haben jetzt herausgefunden: TRPA1 reagiert auch auf die Kombination von Stickstoffmonoxid (NO) und Schwefelwasserstoff (H2S). Beide Gase sind eigentlich giftig, im Körper als Signalstoffe jedoch unentbehrlich. Die Chemiker im Team konnten beobachten, dass beide Substanzen miteinander reagieren und dabei Nitroxyl (HNO) entsteht. Über komplexe chemische Reaktionen aktiviert der Stoff den TRPA1-Sensor und entfaltet seine Wirkung auf das Herz-Kreislauf-System.

Besonders wirksam bei Entzündungen, Diabetes mellitus oder Infarkt

Der große Vorteil: Als Medikament verabreicht würde Nitroxyl im ganzen Körper zur Wirkung kommen – im Gehirn, in Nerven, im Herzen und im Darm. Außerdem in den Hirnhäuten – dort trägt übermäßig freigesetztes CGRP allerdings auch zu Kopfschmerz bei Migräne bei. Besonders wirksam dürfte HNO sein, wenn sich Gewebe in oxidativem Stress befinden – also zum Beispiel bei Entzündung, Diabetes mellitus oder nach einem Herzinfarkt.  

Noch existiert kein Präparat, das gleichmäßig über längere Zeit HNO freisetzt. Allerdings gibt es bereits Medikamente, die NO freisetzen – und an solchen, die H2S liefern, wird gearbeitet. Die Forschergruppe nährt mit ihrer Forschung Hoffnung auf solche Arzneimittel, zeigt aber gleichzeitig Grenzen auf: „Nitroxyl kann auch Entzündung und Schmerz fördern. Wie immer wird es eine Frage der Dosierung sein“, so Reeh.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 17.07.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg: Vielversprechender Wirkstoff für Herz-Kreislauf-Patienten
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