Viel hilft nicht immer viel

Für Herzpatienten gibt es eine Sport-Obergrenze. Wer zu viel trainiert, scheint für Komplikationen anfälliger zu sein als moderat aktive Patienten.

Senior im Schwimmbecken © Thinkstock
(Heidelberg – 20.05.2014) Wie viel körperliche Aktivität schützt Herzpatienten am sichersten vor erneutem Infarkt oder Schlaganfall? Wissenschaftler des Deutschen Krebsforschungszentrums fanden heraus, dass moderate Anstrengung zwei bis viermal pro Woche den günstigsten Effekt hat. Weniger oder gar kein Sport ist mit deutlich höherem Risiko verbunden. Aber übertreiben sollte man es auch nicht: Wer täglich trainiert, ist gefährdeter als ein moderat aktiver Patient.

Zahlreiche Studien belegen, dass körperliche Aktivität das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senkt. Auch Patienten, denen bereits eine Herzerkrankung diagnostiziert wurde, wird Bewegung empfohlen, um einer weiteren Verschlimmerung des Leidens vorzubeugen. In den USA beispielsweise raten die klinischen Fachgesellschaften zu 30 bis 60 Minuten moderater Aktivität an mindestens fünf, besser noch an sieben Tagen pro Woche. Diese Richtwerte beruhen jedoch auf Ergebnissen klinischer Studien, in denen die Wirksamkeit von betreuten und meist auf wenige Monate begrenzten Reha-Sportprogrammen untersucht wurde.

Gelten die Empfehlungen auch unter normalen Lebensbedingungen?

Dr. Ute Mons und Professor Hermann Brenner vom Deutschen Krebsforschungszentrum wollten herausfinden, ob diese Empfehlungen auch unter normalen Lebensbedingungen der Patienten Gültigkeit haben. „Wir wollten zunächst prüfen, ob es tatsächlich einen linearen Zusammenhang zwischen der Häufigkeit der körperlichen Aktivität und der Prognose gibt“, erklärt Mons. „Außerdem wurde bislang meist außer Acht gelassen, inwieweit sich die Patienten im Laufe der Jahre an die Präventionsempfehlungen halten.“

Patienten wurden zehn Jahre lang beobachtet

Die Wissenschaftler beobachteten daher über zehn Jahre hinweg mehr als tausend Patienten, die sich wegen einer koronaren Herzkrankheit (Myokardinfarkt oder akutes koronares Syndrom) einer klinischen Rehabilitation unterzogen hatten. Die Patienten wurden ein, drei, sechs, acht und zehn Jahre nach ihrer Klinikentlassung per Fragebogen zu ihren sportlichen Aktivitäten befragt und alle neu auftretenden kardiovaskulären Komplikationen (Infarkt oder Schlaganfall) wurden dokumentiert.

Zunächst fiel bei der Auswertung der Daten auf, dass die meisten Patienten ihr Aktivitätslevel mit den Jahren und mit steigendem Alter nicht durchhielten: Der Anteil der Teilnehmer, die täglich oder zumindest fünf- bis sechsmal wöchentlich Sport getrieben hatten, sank kontinuierlich. Dagegen stieg der Anteil derer, die kaum körperlich aktiv waren.

Höchstes Risiko für inaktive Patienten

Die Untersuchung zeigte: Das höchste Risiko hatten erwartungsgemäß diejenigen Patienten, die sich selten oder nie sportlich betätigten. Ihr Risiko, an einem Herz-Kreislauf-Leiden zu sterben, war viermal höher als bei Patienten, die zwei- bis viermal wöchentlich Sport trieben. Das zweithöchste Risiko hatten diejenigen, die nur ein- bis viermal im Monat aktiv waren. Aber auch bei Patienten, die täglich Sport trieben, traten schwere Herz-Kreislauf-Ereignisse etwa doppelt so häufig auf wie bei Patienten, die moderat aktiv waren. Über die Ursachen für diese Risikosteigerung bei den körperlich aktivsten Patienten können die Forscher jedoch nur spekulieren.  

Hermann Brenner: „Dass körperliche Aktivität in Maßen – soweit sie möglich ist – die Gesundheit fördert, steht außer Frage. Unsere Ergebnisse legen aber auch nahe, dass es eine Obergrenze gibt, jenseits derer ein Mehr an Sport keinen gesundheitlichen Vorteil bringt.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.05.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Deutsches Krebsforschungszentrum
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