Wenn Wut krank macht

Jetzt bitte bloß nicht zu sehr aufregen: Wutausbrüche können das Risiko für Schlaganfälle und Herzinfarkte in die Höhe treiben.

Wütender Mann © Thinkstock
(Wiesbaden – 04.04.2014) Häufige Wutanfälle können das Risiko für Herzinfarkte, Schlaganfälle, Herzrhythmusstörungen und Aneurysmablutungen deutlich erhöhen. „In den ersten zwei Stunden nach einem Wutausbruch ist das kardiovaskuläre Risiko offenbar am größten. Dann kann US-Forschern zufolge das Herzinfarktrisiko bei durch Wut erregten Menschen im Vergleich zu Zeiten der inneren Ruhe und Ausgeglichenheit auf fast das Fünffache steigen – und das Schlaganfallrisiko um das Drei- bis Vierfache“, berichtet Dr. Norbert Smetak, Vorsitzender des Bundesverbands Niedergelassener Kardiologen (BNK).

Besonders gefährdet: Menschen mit bestimmten Vorerkrankungen

„Besonders gefährdet sind Menschen mit kardiovaskulären Vorerkrankungen wie beispielsweise Arterienverkalkung oder einer früheren Herzerkrankung, wobei das kardiovaskuläre Risiko auch mit der Häufigkeit der Wutanfälle ansteigt. Wut ist schließlich eine sehr intensive Gefühlsregung, die den Sympathikus unseres Nervensystems aktiviert, sodass Herzfrequenz und Blutdruck rasch ansteigen. Gleichzeitig nimmt der Widerstand in den Gefäßen zu und die Fließeigenschaften des Blutes verändern sich. Das Blut wird dickflüssiger und die Gefahr, dass sich eine Thrombose bildet, die zu einem kardiovaskulären Ereignis führt, steigt erheblich an. Hinzu kommt noch, dass gestresste Menschen oft zu ungesundem Verhalten wie etwa Rauchen, Alkoholkonsum, exzessivem Essen und Bewegungsmangel tendieren, die das Risiko zusätzlich stark erhöhen“, so der Experte.

Für Entspannung sorgen, über die Gefühle sprechen

Insbesondere Menschen, die cholerisch veranlagt sind und zu häufigen Wutausbrüchen neigen, sollten sich zur Vorsorge ärztlich untersuchen und beraten lassen. Zum Spannungs- beziehungsweise Stressabbau gut geeignet sind bestimmte Entspannungsmethoden und sportliche Aktivitäten.

Auch ein vertrautes Gespräch kann Erleichterung bewirken, wenn der Betroffene dabei Gelegenheit bekommt, seine Gefühle aufrichtig mitzuteilen, die Ursachen seiner Wut und deren Auswirkungen auf seine Gedankenwelt zu analysieren. „Psychologen haben beobachtet, dass die Herzschlagrate weniger ansteigt, wenn man über die eigenen aufrührenden Gefühle spricht. Offenbar vermag nämlich allein schon die Darlegung, Beschreibung und Erläuterung des eigenen emotionalen Befindens die Gedanken, die üblicherweise mit Wut verbunden sind und damit tendenziell nur noch weiter anstacheln, zu unterbrechen und somit abzuschwächen“, sagt Smetak.

Nur wenn unbedingt nötig sollten Medikamente, die helfen Wutausbrüche abmildern, zum Einsatz kommen. Dazu gehören zum Beispiel Betablocker, die das Stresshormon Adrenalin und damit seine aufputschende Wirkung auf Herz und Kreislauf blockieren, oder Antidepressiva, die die Impulskontrolle verbessern und dadurch verhindern können, dass der Betroffene schon bei geringstem Anlass in Rage gerät.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.04.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: www.kardiologen-im-netz.de
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