Feinstaub schadet dem Herz

Feinstaubbelastung, der man über längere Zeit ausgesetzt ist, erhöht das Herzinfarkt-Risiko – und zwar auch dann, wenn sie unterhalb der Grenzwerte liegt.

Stau © Thinkstock
(München – 24.01.2014) Wer über längere Zeit Feinstaub ausgesetzt ist, hat ein erhöhtes Risiko für Herzinfarkte. Dies scheint bereits bei einer Feinstaubbelastung, die unterhalb der aktuell festgeschriebenen Grenzwerte liegt, der Fall zu sein. Zu diesen Ergebnissen kommt ein europäisches Forschungsteam unter Leitung von Wissenschaftlern des Helmholtz Zentrums München in einer Bevölkerungsstudie, die in der Fachzeitschrift „The British Medical Journal“ veröffentlicht wurde.

Abgleich von Herzproblemen mit Feinstaubkonzentration am Wohnort

Die Wissenschaftler werteten die Daten von über 100.000 Teilnehmern aus Finnland, Schweden, Dänemark, Italien und Deutschland aus. Zu Beginn der Studie waren alle Studienteilnehmer herzgesund. In einem Beobachtungszeitraum von durchschnittlich 11,5 Jahren wurden Daten zu Herz-Kreislauf-Erkrankung gesammelt und mit der Feinstaubkonzentration am Wohnort abgeglichen.  

Unter dem Begriff Feinstaub werden Luftpartikel mit einem Durchmesser kleiner als 10 Mikrometer (PM10) beziehungsweise lungengängige Partikel kleiner als 2,5 Mikrometer (PM2,5) sowie Stickstoffoxide (NOx) zusammengefasst. In Ballungsgebieten ist der Straßenverkehr die größte Feinstaub-Quelle. Die Partikel gelangen zum Beispiel aus Motoren (vor allem Dieselmotoren), aber auch durch Bremsen- und Reifenabrieb in die Luft. Zudem wird Staub von der Straße aufgewirbelt.

Über 5.000 Teilnehmer erlitten einen Herzinfarkt oder Angina pectoris

Insgesamt erlitten 5.157 Personen während der Studienphase einen Herzinfarkt oder eine instabile Angina pectoris (Brustenge) – beide Erkrankungen werden durch eine Verkalkung der Herzkranzgefäße hervorgerufen. Die Forscher errechneten: Steigt die Konzentration vom Feinstaubtyp PM2,5 jährlich um 5 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft (µg/m³) an, erhöht sich das Herzinfarkt-Risiko um 13 Prozent. Ein Anstieg der PM10-Konzentration um 10 µg/m³ pro Jahr führt zu einem 12 Prozent höheren Herzinfarkt-Risiko. Ein Risiko durch erhöhte Feinstaubbelastung trat sogar bereits dann auf, wenn die Partikel-Konzentrationen unterhalb der EU-weiten Grenzwerte von 25 µg/m³ für PM2.5 und 40 µg/m³ für PM10 lagen.

„Unsere Ergebnisse zeigen, dass Feinstaubbelastungen ein deutliches Gesundheitsrisiko darstellen – und zwar ein größeres als bisher angenommen“, erklärt Prof. Dr. Annette Peters, Autorin der Studie. „Besonders alarmierend sind die Gesundheitsschädigungen bereits unterhalb der vorgeschriebenen Grenzwerte. Die Studie unterstützt daher die Forderungen, diese Grenzwerte abzusenken.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.01.2014
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Helmholtz Zentrum München – Deutsches Forschungszentrum für Gesundheit und Umwelt
  • Umweltbundesamt: Feinstaub
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