Gefährliche Gen-Kombination

Treten zwei seltene Genveränderungen gemeinsam auf, erhöht das das Herzinfarktrisiko dramatisch. Aber auch eine andere Mutation steigert die Gefahr.

Herz © Thinkstock
(Lübeck/München – 11. 11.2013) Der Herzinfarkt zählt weltweit zu den häufigsten Todesursachen. Neben einem ungesunden Lebenswandel können auch erbliche Faktoren zur Entstehung der Erkrankung beitragen. Ein internationales Team von 42 Wissenschaftlern aus 36 Institutionen und sieben Ländern – darunter Forscher um Jeanette Erdmann, Christian Hengstenberg und Heribert Schunkert vom Institut für Integrative und Experimentelle Genomik der Universität zu Lübeck und vom Deutschen Herzzentrum München – konnte nun die Ursache der Erkrankung in einer außergewöhnlich großen deutschen Familie, die 23 Herzinfarkt-Patienten umfasst, aufklären.  

„Während die meisten Herzinfarkte sporadisch auftreten, sehen wir selten Familien mit sehr vielen Betroffenen, in denen scheinbar ein klassischer (mendelscher) Erbgang vorliegt. Die zugrundeliegenden genetischen Varianten sind meist unbekannt”, erklärt Jeanette Erdmann von der Universität zu Lübeck.

Verstopfung der Herzkranzgefäße durch beschleunigte Gerinnselbildung

„Der für uns sehr überraschende Befund war, dass in der besagten Familie nicht nur eine Mutation vorkommt, sondern gleich zwei, die zudem auch noch dasselbe Enzym betreffen. Wenn diese zusammen kommen, ist das Herzinfarktrisiko dramatisch erhöht”, ergänzt Heribert Schunkert vom Deutschen Herzzentrum München. Die Mutationen betreffen die zwei gemeinsam arbeitenden Gene GUCY1A3 und CCT7. Die Forscher vermuten, dass die beiden Mutationen nur in dieser Familie zusammen vorkommen. Umfangreiche funktionelle Untersuchungen ergaben, dass die mutierten Proteine vor allem die stickstoffmonoxidabhängige Ruhigstellung der Blutplättchen verhindern und deshalb zu einer beschleunigten Gerinnselbildung führen. Eine beschleunigte Gerinnselbildung kann eine Verstopfung der Herzkranzgefäße zur Folge haben und einen Herzinfarkt auslösen.  

Das Team konnte zudem zeigen, dass dieser Mechanismus nicht nur in dieser Familie eine wichtige Rolle spielt, sondern auch in der Bevölkerung vorkommt. Denn eine ähnliche Mutation, die häufiger auftritt, erhöht hochsignifikant das Herzinfarktrisiko.

Interaktion von genetischen Veränderung sollte berücksichtigt werden

„Zusammengefasst konnten wir zeigen, dass es einen Zusammenhang zwischen der stickstoffmonoxidabhängigen Hemmung der Thrombozytenaktivierung und dem Herzinfarktrisiko gibt“, erläutert Christian Hengstenberg vom Deutschen Herzzentrum München. Die Forscher zeigen zudem erstmalig, dass in Familien nicht nur nach einer krankheitsverursachenden Mutation gesucht werden sollte, sondern dass auch die Interaktion von zwei – möglicherweise auch mehreren – genetischen Veränderungen berücksichtigt werden muss.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 11.11.2013
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Universität zu Lübeck
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