Bluthochdruck bei Kindern

Schon Kinder können an Bluthochdruck erkranken – mit oft schwerwiegenden Folgen. Was Diagnostik und Therapie bei ihnen erschwert.

Kinder © Thinkstock
(Heidelberg – 19.09.2013) Rund 700.000 Kinder in Deutschland haben möglicherweise einen zu hohen Blutdruck. Und die Deutsche Hochdruckliga e. V. DHL – Deutsche Gesellschaft für Hypertonie und Prävention geht davon aus, dass in den kommenden Jahren immer mehr Kinder davon betroffen sein werden. Die Folge sind Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Organschäden und langfristig eine verkürzte Lebensdauer. Die DHL kritisiert, dass Politik und Forschung dieser Entwicklung weltweit zu wenig Beachtung schenken. Denn Studien zur Diagnostik von Bluthochdruck bei Kindern und der Wirkung von Medikamenten fehlen bislang.

Schwerwiegende Folgen drohen

„Bisher nahm man an, dass Kinder von Herz-Kreislauf-Erkrankungen verschont bleiben. Doch aktuelle Untersuchungen zeigen, dass rund 20 bis 30 Prozent aller 15- bis 20-Jährigen bereits Veränderungen an den Herzkranzgefäßen aufweisen“, mahnt Dr. med. Martin Hulpke-Wette, niedergelassener Kinderkardiologe. Dies seien erste Anzeichen für eine beginnende Arteriosklerose, die unbehandelt zu Bluthochdruck und sogar Herzinfarkt, Schlaganfall, Nieren- und Gefäßschäden führen kann. Daher sei es wichtig, auch schon bei Kindern den Blutdruck zu untersuchen, insbesondere wenn bereits Familienmitglieder an Bluthochdruck erkrankt sind. Außerdem sollten Eltern auf gute Ernährung und mehr Bewegung bei Kindern achten.

Ursache von zu hohem Blutdruck im Kindesalter ist häufig Übergewicht. Jedes fünfte Kind und jeder dritte Jugendliche in Deutschland sind übergewichtig, rund acht Prozent sogar adipös, also fettleibig. „In den vergangenen 20 Jahren konnten wir eine regelrechte Übergewichtsepidemie bei Kindern und Jugendlichen beobachten“, so Hulpke-Wette. Dies führe, wie bei Erwachsenen auch, zu gesundheitlichen Problemen. Aber auch Schlafstörungen oder organische Schäden wie Nieren- und Stoffwechselerkrankungen können Bluthochdruck bei Kindern verursachen.

Diagnostik und Therapie schwierig

Zu hohen Blutdruck im Kindesalter zu diagnostizieren ist jedoch nicht einfach: Bei jungen Menschen steigt der Blutdruck mit dem Alter und der Körpergröße an. „Das erschwert es, eine klare Grenze zwischen normalen und erhöhten Werten zu ziehen, wie es bei Erwachsenen möglich ist“, erläutert Professor Dr. med. Hans-Georg Predel, stellvertretender Vorstandsvorsitzender der DHL. Um Diagnostik und Therapie zu erleichtern, hat die DHL Grenzwerte festgelegt: für 12-Jährige 125 zu 80 mmHg, für 16-Jährige 135 zu 85 mmHg und für über 18-Jährige 140 zu 90 mmHg. Außerdem sind bei Kindern meist mehrere Messungen oder eine 24-Stunden-Messung notwendig, da sie oft mit Stress auf die Untersuchung reagieren.

Auch die Therapie mit Medikamenten ist bei Kindern schwierig: „Es gibt bislang weder Studien zur Medikamentenvergabe bei Kindern mit Bluthochdruck, noch sind für diese Patientengruppe Präparate zugelassen“, bedauert Predel. Auch wenn die nicht-medikamentösen Maßnahmen therapeutisch eindeutig im Vordergrund stünden, sei in Einzelfällen eine medikamentöse Therapie notwendig, die dann im Wesentlichen auf Erkenntnissen aus der „Erwachsenenforschung“ beruht, um die Gesundheit des Kindes langfristig zu erhalten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 19.09.2013
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Deutsche Hochdruckliga
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