Herzanfall bei Minusgraden

Bis Freitag sollen die Temperaturen in Deutschland im Keller bleiben. Warum Herzpatienten bis dahin Anstrengungen im Freien vermeiden sollten.

Winterlandschaft © Thinkstock
(Frankfurt am Main – 13.12.2012) Niedrige Temperaturen können insbesondere für ein krankes Herz eine gefährliche Zusatzbelastung darstellen – und bisweilen sogar einen lebensbedrohlichen Angina-pectoris-Anfall oder Herzinfarkt auslösen. Denn: Starke Kälte belastet das Herz. Die Gefäße verengen sich und es muss gegen einen größeren Widerstand anpumpen.

Anzeichen: Schmerzen im Brustkorb und Atemnot

„Wenn ein bisher Gesunder in die Kälte hinausgeht und plötzlich Schmerzen, einen Druck oder Brennen im Brustkorb verspürt und Atemnot bekommt, dann ist das ein Warnzeichen. Ein Arzt sollte umgehend aufgesucht werden, der das Herz gründlich untersucht“, empfiehlt der Kardiologe und Sportmediziner Dr. med. Frank Sonntag, Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats der Deutschen Herzstiftung. Auch dürften solche Brustschmerzen keinesfalls als Reizung der Bronchien durch die Kälte verharmlost werden, was nicht selten vorkomme – oft mit fatalen Folgen. Denn die genannten Beschwerden können auf eine mangelhafte Sauerstoffversorgung des Herzens hindeuten und somit Vorboten eines Angina-pectoris-Anfalls oder Herzinfarkts sein.

„Starke Kälte bedeutet, es kommt nicht unbedingt auf die Temperatur auf dem Thermometer an, sondern oft mehr auf die gefühlte Kälte“, sagt Dr. Sonntag. Bewegung bei minus drei bis fünf Grad Celsius könne bei Gegenwind oder Smogwetter deutlich unangenehmer sein als ein klarer windstiller Wintertag bei minus fünf bis zehn Grad. Bei Außentemperaturen im zweistelligen Minusbereich sollte körperliche Belastung vermieden oder auf ein Mindestmaß beschränkt werden.

Bei Herzerkrankung auf Schneeschippen verzichten

Besondere Vorsicht ist geboten, wenn bereits eine Herzerkrankung besteht. Wenn Herzpatienten bei Minusgraden ins Freie gehen, sollten sie nach Möglichkeit einen Schal leicht über Nase und Mund legen, damit sie die vorgewärmte Luft vor den Minusgraden schützt. Zudem sollten Menschen mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK), also mit verengten Herzkranzgefäßen, bei starker Kälte auf körperliche Anstrengungen wie Schneeschippen verzichten. Denn ein vorgeschädigtes Herz kann dadurch schnell überfordert werden, im Extremfall drohen Herzinfarkt oder plötzlicher Herztod. Ein erhöhtes Risiko für Patienten mit einer KHK durch Schneeschippen ist durch Studien belegt.

Wenn Koronarpatienten bemerken, dass sie plötzlich empfindlicher als sonst auf Kälte reagieren, sollten sie dies rasch mit ihrem Arzt besprechen. Dann können sie gegebenenfalls ihre Behandlung anpassen und verhindern, dass sich die Angina pectoris verschlimmert. Auch sollten Koronarkranke bei Kälte morgens – zu einer Zeit also, in der der Körper schon durch die Nacht-Tag-Umstellung belastet ist – nicht aus dem Haus gehen, ohne vorher ihre Medikamente eingenommen zu haben. „Gerade in solchen Situationen und unter solchen Bedingungen ist vor einer geplanten Belastung auch der Einsatz von ein bis zwei Hub Nitrospray unter die Zunge hilfreich“, empfiehlt Dr. Sonntag.

Welche Aktivitäten trotz Kälte?

Grundsätzlich rät die Deutsche Herzstiftung jedoch dazu, sich auch im Winter ausreichend zu bewegen, mindestens drei Einheiten à 20 bis 30 Minuten pro Woche. Statt jedoch Aktivitäten mit hohen Belastungen zu wählen, sollte man weniger anstrengenden Sport bevorzugen. Geeignet sind zum Beispiel ausgedehnte Winterspaziergänge, Nordic-Walking-Einheiten oder kleinere Jogging-Runden. Man sollte zunächst langsam beginnen, damit sich der Körper auf die Kälte einstellen kann. Bei extremer Kälte bietet es sich an, den Sport in die Turnhalle zu verlegen oder auch ein paar Bahnen im örtlichen Hallenbad zu schwimmen. Möglich ist auch ein Hometrainer, der sich im warmen Wohnzimmer aufstellen lässt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.12.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cl
  • Quellen: Deutsche Herzstiftung
  • Nichols RB et al., Snow-shoveling and the risk of acute coronary syndromes, Clin Res Cardiol (2012) 101:11-15
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