Der weibliche Herzinfarkt

Andere Anzeichen und ein höheres Risiko als beim Mann zeichnen den Herzinfarkt bei der Frau aus. Was beim Eva-Infarkt beachtet werden muss.

Frau fasst sich an die Brust © Thinkstock
(Berlin – 13.09.2012) Wenn Frauen einen Herzinfarkt erleiden, dann empfinden sie oft nicht die klassischen Symptome wie etwa schmerzhafte Brustenge. „Besonders bei jüngeren Frauen macht sich der Infarkt stattdessen häufig durch Schwindel, Bauchschmerzen oder Übelkeit bemerkbar“, berichten Ute Seeland und Vera Regitz-Zagrosek. Und auch bei der Prävention eines Herzinfarkts bestünden deutliche Unterschiede zwischen Männern und Frauen, so die Ärztinnen, die beide an der Berliner Charité arbeiten.

Unterschiedliche Reaktion des Herzmuskels

„Wer Herzkrankheiten vorbeugen will, muss sowohl klinische als auch soziologische Geschlechterunterschiede berücksichtigen“, sagen die Internistin und Gendermedizinerin Ute Seeland und die Kardiologin Vera Regitz-Zagrosek. Zu den klinischen Unterschieden zwischen Männern und Frauen zählt beispielsweise die Reaktion des Herzmuskels auf den Risikofaktor Bluthochdruck. Die erhöhte Druckbelastung führt bei Männern häufig zu einer Erweiterung der linken Herzkammer, die das Blut dann nicht mehr kräftig genug auswerfen kann. Bei Frauen dagegen verdickt sich in diesem Bereich eher der Herzmuskel. Der Blutauswurf wird dadurch nicht beeinträchtigt, wohl aber die anschließende Entspannungsphase. „Die Kenntnis dieser Unterschiede ist wichtig, um die Herzinsuffizienz bei Frauen nicht zu übersehen“, resümieren die Expertinnen.

Medikamente meist an Männern getestet

Sie weisen zudem darauf hin, dass die Wirkungen und Nebenwirkungen kardiovaskulärer Medikamente in der Regel zunächst nur an männlichen Probanden erforscht werden. Wie Frauen darauf reagieren, ist oft nur unzureichend untersucht. Bei Frauen müssten zudem andere Faktoren zur Abschätzung des Herz-Kreislauf-Risikos herangezogen werden – etwa die Einnahme von Hormonersatzpräparaten oder frühere Schwangerschaften, wenn diese mit Komplikationen wie einer Präeklampsie (früher umgangssprachlich Schwangerschaftsvergiftung) behaftet waren.

Herzinfarkt keine typische Männerkrankheit

Herz-Kreislauf-Erkrankungen gelten gemeinhin als typisch männliche Leiden. Tatsächlich sterben jedoch mehr Frauen (45,2 Prozent) als Männer (36,5 Prozent) an solchen Erkrankungen. Fragen wirft vor allem die Situation beim Herzinfarkt auf: Zwar erleiden prozentual mehr Männer einen Herzinfarkt, doch sterben mehr Frauen in der Frühphase nach dem Infarkt. Seeland und Regitz-Zagrosek führen dafür mehrere mögliche Gründe an.

Frauen nehmen Herzinfarktanzeichen nicht ernst

So trägt zur schlechteren Prognose sicherlich bei, dass die Frauen beim ersten Infarkt durchschnittlich acht bis zehn Jahre älter sind als Männer. Entsprechend weisen sie bereits mehr Vorerkrankungen auf. Die oft untypischen Symptome, mit denen sich der Infarkt bei Frauen bemerkbar macht, führen womöglich dazu, dass die Behandlung später beginnt als bei Männern. „Es kommen aber auch soziokulturelle Faktoren ins Spiel“, sagen die Berliner Ärztinnen. So sind Frauen stärker in familiäre Betreuungsaufgaben eingebunden. Während sie die Rolle der Gesundheitsmanagerin für die ganze Familie übernehmen, verdrängen sie leicht eigene körperliche Warnzeichen oder zweifeln an deren Bedeutung. Auch neigten Frauen dazu, sich kein zweites Mal einem Arzt vorzustellen, auch wenn die Probleme nicht verschwinden.

Ernährung ist wichtig bei der Herzinfarktprävention

„Der Erfolg bei der Prävention kardiovaskulärer Erkrankungen lässt gerade bei Frauen noch zu wünschen übrig“, mahnen Seeland und Regitz-Zagrosek. Als wichtigste Elemente einer effektiven Vorbeugung sehen sie eine konsequente Bluthochdrucktherapie, die Diagnostik und Therapie eines Diabetes mellitus, die Einhaltung der empfohlenen LDL-Cholesterin-Werte und eine optimale Ernährung mit viel Obst, Gemüse, Vollkornprodukten und Fisch, aber wenig Fleisch, Alkohol, Salz und Zucker. In diesem Bereich verstärkt aufzuklären und etwa Ernährungsschulungen anzubieten, sei besonders bei Frauen von großer Bedeutung – denn meist sind sie es, die auch für die Ernährung der Familie sorgen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.09.2012
  • Autor/in: vitanet.de-mp
  • Quellen: Thieme Verlag, fzm
  • U. Seeland; V. Regitz-Zagrosek: „Frauenherzen schlagen anders“ in „XX – Die Zeitschrift für Frauen in der Medizin 2012; 1 (2): S. 100-106“
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