10 Herz-Tipps für die EM

Bei einem spannenden Fußballspiel vor dem Fernseher können sich Blutdruck und Puls extrem steigern. Wie Herzpatienten die EM trotzdem genießen können.

Fußballfans © Thinkstock
(Frankfurt – 12.06.2012) Fußballspiele können nicht nur für die Sportler auf dem Rasen anstrengend sein, auch beim Zuschauen vor dem Fernseher kann es zu enormen Stressreaktionen kommen. Wie hoch die Gefahr für Zuschauer ist, zeigte nicht zuletzt eine Studie, die anlässlich der Fußballweltmeisterschaft im Jahr 2006 in Deutschland durchgeführt wurde. Bei Männern waren damals nach Beobachtungen von Wissenschaftlern der Münchner Ludwig-Maximilians-Universität mehr als dreimal so viele Herznotfälle während spannender Spiele aufgetreten wie in vergleichbaren Kontrollzeiträumen ohne Fußballweltmeisterschaft.

Wer gefährdet ist

Nicht alle Menschen sind bei einem spannenden Fußballspiel gleichermaßen gefährdet, wie die Deutsche Herzstiftung betont: „Ein Mensch mit einem gesunden Herz kann alleine durch die Aufregung beim Anschauen eines Fußballspiels normalerweise weder einen Herzinfarkt noch einen plötzlichen Herztod erleiden, auch wenn das Spiel noch so spannend ist”, unterstreicht Professor Dr. med. Thomas Meinertz, Vorsitzender der Deutschen Herzstiftung.

Riskant kann es dagegen für Zuschauer mit einer koronaren Herzkrankheit (KHK) sein, von der in Deutschland Millionen Menschen betroffen sind und die mit krankhaften Einengungen der Herzkranzgefäße einhergeht. Denn in den vorgeschädigten Gefäßwänden kann es bei starken Blutdruck-Anstiegen und durch Ausschüttung von Stresshormonen zu kleinen Einrissen kommen. An diesen bilden sich nachfolgend Blutgerinnsel, die zur Verstopfung der Herzkranzgefäße führen. Der Herzmuskel wird dann nicht mehr ausreichend mit sauerstoffreichem Blut versorgt und kann in Teilen absterben (= Herzinfarkt). Ebenso sind Herzrhythmusstörungen möglich, die bei einer mangelnden Blutversorgung des Herzmuskels auftreten können und im Extremfall zu tödlichem Kammerflimmern (Plötzlicher Herztod) führen.

Doch auch KHK-Patienten können die spannende EM genießen, wenn sie folgende Tipps befolgen, die ihr Herz schützen:

Tipp 1: Keine üppigen Mahlzeiten

Stellen Sie sich vor, ein Fußballprofi würde sich kurz vor einem wichtigen Spiel den Bauch mit einem Festmenü vollschlagen. Die Leistungsfähigkeit auf dem Platz würde stark abnehmen und der Spieler könnte das Spiel kaum durchstehen. Ähnliches gilt für das Zuschauen am Fernseher, wo fettreiche, schwer verdauliche Mahlzeiten den sowieso schon gestressten Körper zusätzlich strapazieren und das Herz-Kreislauf-System möglicherweise überlasten.

Tipp 2: Die richtigen Knabbersachen

Für den kleinen Hunger zwischendurch stellen Sie sich am besten frisches Obst und Rohkost auf den Tisch. Besonders lecker: knackige Gemüseschnitze mit Dips aus der mediterranen Küche (zum Beispiel Quarkdip mit Paprika, Knoblauch und Gurke). Auf diese Weise können Sie während der Spiele genussvoll und abwechslungsreich knabbern, ohne Ihren Körper mit Salzbergen und unnötigen Kalorien zu belasten.

Tipp 3: Verrauchte Kneipen meiden

Schauen Sie sich die Fußballspiele nicht in verrauchten Kneipen an. Bedenken Sie, dass auch Passivrauchen eine große Belastung für das Herz darstellen kann, wie Studien in den letzten Jahren immer wieder eindrücklich gezeigt haben. Gute Fußballer würden sich vor einem Spiel sicherlich ebenfalls keine Zigarette anstecken.

Tipp 4: Medikamente korrekt einnehmen

Wenn Sie wegen einer Herzerkrankung oder Bluthochdrucks Medikamente einnehmen müssen, dann achten Sie während der EM-Spieltage genauso gewissenhaft wie sonst darauf, dass die Einnahme regelmäßig und wie vom Arzt verordnet erfolgt. Falls Sie einen Betablocker einnehmen, können Sie dessen Dosis vor dem Spiel etwas erhöhen. In welchem zeitlichen Abstand dies vor dem Spiel erfolgen sollte und welche Dosis-Steigerung zu empfehlen ist, hängt vom jeweiligen Betablocker ab. Bitte klären Sie dies mit Ihrem behandelnden Arzt. Falls Sie dazu neigen, auf emotionalen und körperlichen Stress mit Angina-pectoris-Anfällen zu reagieren, können Sie nach Rücksprache mit Ihrem Arzt vorbeugend Isosorbiddinitrat lutschen, falls keine Kontraindikationen gegen den Wirkstoff bestehen. Die Wirkung hält bis zu vier Stunden an. Wenn Ihnen Nitrospray verschrieben wurde, dann legen Sie sich dieses vor dem Spiel in greifbare Nähe, damit Sie es bei akut einsetzenden Angina pectoris-Beschwerden frühzeitig anwenden können.

Tipp 5: Alles nur ein Spiel

Bauen Sie in besonders spannenden Spielphasen eine innerliche Distanz zum Spielgeschehen auf. Sagen Sie sich bewusst, dass Fußball nur ein Spiel ist, auch wenn dies manch hartgesottener Fußballfan anders sehen mag. Setzen Sie sich während des Elfmeterschießens zum Beispiel symbolisch eine Reihe weiter nach hinten vom Fernseher weg.

Tipp 6: Korrekt atmen

Gerade in Stresssituationen neigt der Mensch zum Luft-Anhalten. Versuchen Sie daher in spannenden Spielphasen ruhig und gleichmäßig zu atmen. Das kann zur Entspannung und somit zur Senkung des Blutdrucks sowie der Herzfrequenz beitragen.

Tipp 7: Kurzausflug in den Garten

Wenn die seelische und körperliche Belastung in extrem spannenden Spielphasen wie zum Beispiel beim Elfmeterschießen doch zu hoch wird, dann gehen Sie für ein paar Minuten nach draußen in den Garten. Oder setzen Sie sich für ein paar Minuten auf den Balkon an die frische Luft, bis die aufregendsten Momente vorbei sind.

Tipp 8: Alkohol verboten?

Auch wenn Bier und Fußball für viele Fans untrennbar miteinander verbunden sind, sollte man wissen, dass zu viel Alkohol den Blutdruck erhöhen kann. Der Herzmuskel muss das Blut dann gegen einen hohen Widerstand in die Blutgefäße pressen, was oft eine enorme Belastung für das Herz darstellt. Große Alkoholmengen können zudem zu Herzrhythmusstörungen führen, etwa zu Vorhofflimmern. Gegen ein Glas Bier oder Wein während des Spiels ist jedoch nichts einzuwenden. Tipp: Genießen Sie während der WM-Spiele erfrischende alkoholfreie Getränke wie beispielsweise Obstdrinks und Schorlen.

Tipp 9: Halbzeitpause sinnvoll nutzen

Beteiligen Sie sich in der Halbzeitpause nicht an ausufernden Diskussionen, ob der Schiedsrichter schlecht gepfiffen hat oder der Spielstand eigentlich schon viel höher sein müsste. Machen Sie stattdessen einen kurzen Spaziergang ums Haus und verringern Sie so die Anspannung.

Tipp 10: Abwarten ist der größte Fehler

Wenn Sie ein Fußballspiel zusammen mit Freunden anschauen und jemand Beschwerden im Brustraum bekommt, die auf einen Herzinfarkt hindeuten könnten, dann rufen Sie sofort den Notarzt. Gefährlich wird es, wenn der Betroffene erst einmal abwarten will, ob die Beschwerden vielleicht nach dem Spiel wieder von alleine verschwinden. Denn bei einem Herzinfarkt kann jederzeit tödliches Kammerflimmern auftreten. Über die Notrufrufnummer 112 ist der Notarzt nicht nur über das Festnetz erreichbar, sondern auch über das Mobiltelefon.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 12.06.2012
  • Autor/in: vitanet.de-mp
  • Quellen: Deutsche Herzstiftung
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