Herz aus dem Takt

Das Herz beginnt sehr heftig zu schlagen oder scheinbar aus dem Nichts zu rasen: Herzrhythmusstörungen werden oft zufällig entdeckt.

Herz mit Stethoskop © Thinkstock
(Frankfurt/Main/Hamburg – 04.06.2012) Wie schnell und wie regelmäßig das eigene Herz schlägt, darüber machen sich gesunde Menschen wenig Gedanken – und das sei auch gut so, meint Stephan Willems, Direktor der Klinik für Kardiologie am Universitären Herzzentrum Hamburg. „Umso größer ist die Furcht, wenn beim EKG oder beim Gesundheitscheck herauskommt, dass die 'Pumpe' ab und zu ins Stottern gerät.“ Herzrhythmusstörungen, die nebenbei bemerkt würden, seien aber in den meisten Fällen harmlos, beruhigt der Kardiologe und vergleicht sie mit gelegentlichen Fehlzündungen eines Motors.

Aufregung und Anstrengung treiben den Puls in die Höhe

Wenn der Puls gelegentlich zu rasen scheint, ist das nicht gleich ein Grund zur Sorge. „Jeder ist mal aufgeregt, sei es aus Freude oder aus Ärger. Dass das Herz dann schneller oder eben sprichwörtlich 'höher' schlägt, ist völlig normal“, erläutert Willems. Ebenso treibt körperliche Anstrengung den Puls hoch – nicht nur beim Sport, sondern auch beim Treppensteigen oder Tüten schleppen. Schlägt das Herz dabei jedoch so heftig, dass dem Betroffenen schwindelig oder übel wird, sollte er das unbedingt ärztlich untersuchen lassen. Alarmiert sollte man auch sein, wenn das Herz – tagsüber oder auch nachts – scheinbar völlig aus dem Nichts heraus zu rasen beginnt. „Ab und zu sind solche Störungen Folge einer bislang unbemerkten Herzkrankheit“, sagt der Experte.

Eine Million Menschen haben Vorhofflimmern

Die häufigste Herzrhythmusstörung ist das sogenannte Vorhofflimmern, von dem laut Deutscher Herzstiftung hierzulande rund eine Million Menschen betroffen sind. Die Vorhöfe ihrer Herzkammern ziehen sich unkontrolliert zusammen, sodass die Blutströmungen durcheinandergeraten und schlimmstenfalls Gerinnsel bilden können. Gelangen diese ins Gehirn, können sie dort einen Schlaganfall verursachen. „Dank moderner Medikamente und Methoden der Rhythmuskontrolle ist das heute aber weitgehend vermeidbar“, berichtet der Herzstiftung-Vorstandsvorsitzende Thomas Meinertz.

Ursachenforschung per Ultraschall, Katheter und MRT

Durch Bluttests und Untersuchungen per Ultraschall, Herzkatheter oder Kernspintomographie (MRT) lässt sich herausfinden, ob die Rhythmusstörungen Folge einer Grunderkrankung sind, die zügig behandelt werden sollte – beispielsweise Bluthochdruck, Herzklappenfehler, verengte Herzkranzgefäße oder Schilddrüsenüberfunktion. Ist dies nicht der Fall, bräuchten Herzrhythmusstörungen überhaupt nicht behandelt werden – weder mit Rhythmusmedikamenten noch durch operative Eingriffe, meint Herzspezialist Meinertz. „Es sei denn, sie sind so heftig, dass sie die Gefahr eines plötzlichen Herztodes oder eines Schlaganfalls mit sich bringen oder das Wohlbefinden des Patienten stark belasten, etwa durch häufigen Schwindel, Herzrasen oder Abbau der Kondition.“

Risikofaktoren ausschalten

Nicht nur Krankheiten, auch äußere Einflüsse können Herzrhythmusstörungen auslösen, berichtet Herzzentrum-Direktor Willems. Dazu zählt er Kalium- oder Magnesiummangel, Alkohol, Koffein, Nikotin, Schlafmangel und Übergewicht. All diese Faktoren können für sich genommen zwar keine Herzrhythmusstörungen verursachen. Sie bewirken jedoch, dass sich die Spannung der Vorhofwand erhöht, sodass es je nach Veranlagung schneller zu Vorhofflimmern kommt. Zur Vorbeugung rät Willems zu einem gesunden Lebensstil, der Ruhe und Bewegung sowie Belastung und Entspannung ins Gleichgewicht bringt.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.06.2012
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: dapd
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