Tückisches Cholesterin

Jeder dritte Deutsche hat einen zu hohen Cholesterinspiegel und riskiert damit Herzinfarkt und Schlaganfall. Wie sich Cholesterin abbauen lässt.

Blutabnahme © Thinkstock
(Mannheim/München – 15.05.2012) Ist der Cholesterinspiegel zu hoch, bilden sich gefährliche Gefäßverengungen und es entstehen Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall. Erhöhte Blutfettwerte sind weitverbreitet. Laut der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat etwa ein Drittel der 18- bis 79-Jährigen einen erhöhten Cholesterinspiegel.

Die Ernährung allein bringt die Cholesterinwerte aber nicht aus dem Lot – auch wenn man in der Werbung manchmal den Eindruck bekommen kann. „Es muss immer auch eine genetische Bereitschaft vorliegen“, erklärt der Mannheimer Internist und Gastroenterologe Achim Weizel, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft zur Bekämpfung von Fettstoffwechselstörungen und ihren Folgeerkrankungen (DGFF). „Mit dem Alter nimmt die Aufnahmekapazität der Leber für Cholesterin stetig ab, was die kontinuierlich ansteigenden Werte mit dem Älterwerden erklärt.“

Erhöhte Cholesterinwerte tun nicht weh

Der Cholesteringrenzwert für gesunde Menschen liegt bei 200 Milligramm pro Deziliter Blut. „Aber dieser Gesamtwert sagt wenig darüber aus, ob Betroffene ein hohes oder niedriges Risiko haben, einen Herzinfarkt zu erleiden“, sagt Weizel. Wichtig ist der Anteil des LDL-Cholesterins, also der Teilchen, die das Cholesterin von der Leber in verschiedene Organe transportieren. Es hat die Tendenz, sich in den Wänden der Blutgefäße abzulagern und sie zu verengen. Deshalb spricht man im Zusammenhang mit LDL-Cholesterin auch vom „schlechten“ Cholesterin. Daneben gibt es noch HDL-Cholesterin. Dabei handelt es sich um Fettteilchen, die das schlechte Cholesterin wieder einsammeln und damit unschädlich machen. Der Richtwert für LDL-Cholesterin liegt – vorausgesetzt, es bestehen keine weiteren Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen – bei maximal 160 Milligramm pro Deziliter und für HDL-Cholesterin bei mindestens 40 Milligramm pro Deziliter Blut.

„Das Tückische ist, dass erhöhte Cholesterinkonzentrationen im Blut nicht weh tun und erst der Herzinfarkt die verengten Blutgefäße verrät“, sagt Weizel. Deshalb ist es so wichtig, die Cholesterinwerte alle zwei Jahre untersuchen zu lassen. Ab dem 35. Lebensjahr übernehmen die gesetzlichen Krankenkassen die Kosten für die Bestimmung der Cholesterinkonzentration.

Welche Bedeutung die Ergebnisse haben, hängt von weiteren Faktoren ab. Männer sind gefährdeter als Frauen, eine Herz-Kreislauf-Erkrankung zu bekommen und bei Männern über 45 steigt dieses Risiko. Auch Rauchen, Diabetes, Bluthochdruck, Fettleibigkeit und Vorerkrankungen der Herzkranzgefäße in der Familie begünstigen Herz-Kreislauf-Krankheiten. Treffen zwei oder mehr Risikofaktoren auf einen Patienten zu, empfiehlt die DGFF, schon ab 130 Milligramm pro Deziliter LDL-Cholesterin aktiv zu werden.

Es müssen nicht sofort Medikamente sein

„Zu viel LDL-Cholesterin im Blut heißt aber nicht, dass sofort Medikamente genommen werden müssen“, erklärt Weizel. Häufig hilft es schon, sich mehr zu bewegen, das Rauchen aufzugeben, sich ausgewogen zu ernähren und bei Übergewicht abzunehmen. „In der Regel liegt das Ausmaß der LDL-Cholesterinsenkung durch die Ernährung bei maximal 10 bis 15 Prozent“, sagt Weizel. Bei erhöhtem Cholesterinspiegel gelte: Viele Ballaststoffe wie Gemüse und Salat essen und auf tierische Lebensmittel mit gesättigten Fettsäuren oder hohem Fettgehalt wie in Wurstwaren und Käse verzichten.

Empfehlenswert sind tierische Lebensmittel mit wenig gesättigten Fettsäuren. Dazu gehören zum Beispiel Kaltwasserfische (Lachs, Makrele, Thunfisch) aber auch magerer Truthahn oder Hähnchen. Am besten sollte man Fleisch von frei laufenden Tieren wählen. Dann sei der Gehalt an ungesättigten Fettsäuren im Fleisch besonders hoch, erklärt Weizel. Zum Kochen empfiehlt er Olivenöl und zum Braten Sonnenblumenöl.

„Wer bereits einen Herzinfarkt hatte oder bei wem die Umstellung der Ernährung und ausreichend Bewegung nicht helfen, den Cholesterinspiegel zu senken, kommt um die zusätzliche Einnahme von Medikamenten nicht herum“, sagt Weizel. Meist werden dann sogenannte Statine verschrieben, die gezielt das LDL-Cholesterin senken.

Bewegung steigert das gute Cholesterin

Im Nachteil sind übrigens alle, die sich zu wenig bewegen. „Denn körperliche Inaktivität verursacht eine Verschlechterung des Fettstoffwechsels“, erläutert der Internist und Kardiologe Martin Halle, Leiter des Zentrums für Prävention und Sportmedizin in München. „Bewegungsmangel führt zu niedrigeren HDL-Cholesterin-Konzentrationen im Blut und reduziert die Entsorgung der schädlichen LDL-Partikel.“

Abhilfe schaffen Ausdauersportarten wie Radfahren, Laufen, Schwimmen und Walken oder zügiges Spazierengehen. „Um bis zu zehn Prozent lässt sich das Gefäß schützende HDL-Cholesterin steigern, wenn man täglich 30 Minuten zügig spazieren geht oder Rad fährt“, so Halle. Sport senkt außerdem das LDL-Cholesterin um bis zu zehn Prozent und entschärft die Risikofaktoren Bluthochdruck und Diabetes. „Wichtig zu wissen ist, dass hierfür Joggen nicht notwendig ist – es geht auch langsamer“, sagt Halle.
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