EKG: Genauer hinsehen

Forscher haben bei EKGs bisher unbekannte Auffälligkeiten entdeckt. Sie weisen darauf hin, ob Infarktpatienten gefährdet sind, an den Folgen zu sterben.

(Washington – 30.09.2011) Bei vielen Herzinfarktpatienten ist das Herz so geschwächt, dass sie in den ersten Wochen und Monaten nach dem Infarkt sterben. US-amerikanische Forscher haben jetzt bei Langzeit-EKGs Einzelheiten in den Aufzeichnungen entdeckt, anhand derer vorhergesagt werden kann, ob ein Tod nach dem Herzinfarkt droht. Insgesamt haben die Forscher aus Michigan drei Merkmale identifiziert, durch die sich besonders gefährdete Patienten erkennen lassen.

Die Zeichen sind allerdings so unauffällig, dass sie nur mittels computergestützter Auswertung gefunden werden können. Über die Entdeckung berichten die Wissenschaftler im Fachmagazin „Science Translational Medicine“.

Tödliche Folgen

In den Monaten nach einem Herzinfarkt sind Patienten besonders anfällig für Herzrhythmusstörungen. Nach Schätzungen der American Heart Association leiden rund ein Viertel aller Herzinfarktpatienten an solchen Komplikationen und sterben innerhalb eines Jahres nach dem Infarkt daran.

Ein Langzeit-EKG dient unter anderem dazu, entsprechende Schäden und damit Gefahren für Patienten nach einem Herzinfarkt festzustellen. Für Ärzte ist es jedoch oft schwierig, alle wichtigen Signale herauszulesen. Die gesammelte Datenmenge bei einem Langzeit-EKG ist einfach zu groß, um per Augenmaß genau ausgewertet zu werden. Ungefähr 70 Prozent der Patienten, die nach einem überstandenen Herzinfarkt an Komplikationen sterben, sind zuvor nicht als Risikokandidaten erkannt worden.

„Mit Hilfe fortgeschrittener Computertechnik können wir trennen zwischen bloßem Rauschen und den Signalen, die uns verraten, wie instabil das Herz wirklich ist“, sagt Studienautor Zeeshan Syed von der University of Michigan.

Drei Signale

Ein Ergebnis der Studie: Zeigt ein Patient mindestens eine der drei neu entdeckten Abweichungen, ist sein Risiko zwei- bis dreimal höher als normal, innerhalb eines Jahres nach einem überstandenen Infarkt zu sterben. Werden entsprechende Beeinträchtigungen rechtzeitig erkannt, lassen sich viele der drohenden Todesfälle mit einem Herzschrittmacher oder medikamentöser Behandlung vermeiden.

Da die neue Auswertungstechnik Daten nutze, die ohnehin routinemäßig von Krankenhäusern erfasst werden, könne das Diagnoseverfahren schnell und ohne großen Aufwand in die Praxis umgesetzt werden, meinen die Forscher.

Für ihre Studie werteten die Forscher Langzeit-EKGs von 4.557 Herzinfarktpatienten aus und verfolgten deren Werdegang über mehr als ein Jahr. Dabei stellten sie fest, dass die Patienten, die innerhalb dieser Zeitspanne Komplikationen entwickelten und daran starben, auffällige Gemeinsamkeiten in ihren EKG-Daten aufwiesen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 30.09.2011
  • Autor/in: vitanet.de-cg
  • Quellen: dapd
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