Neuer Wirkstoff

Neurodermitis beeinträchtigt die Lebensqualität der Betroffenen oft stark. Doch ein neuer Wirkstoff lässt Erkrankte hoffen.

Frau kratzt sich am Ellenbogen © iStock
(München – 14.10.2016) Die Haut entzündet sich ohne erkennbaren äußeren Anlass. Sie wird rot und juckt – und das in schweren Fällen großflächig und lange anhaltend: Neurodermitis hat großen Einfluss auf die Lebensqualität der Betroffenen. Allerdings kann die moderne Medizin das atopische Ekzem, wie die Krankheit im Fachjargon heißt, inzwischen gut behandeln – und mittelfristig wahrscheinlich noch besser als bisher. Denn Forscher – darunter auch Hautärzte des Klinikums der Universität München um Prof. Andreas Wollenberg – haben ein neues Medikament getestet. Der Wirkstoff namens Dupilumab zeigt „sehr schöne Effekte“, so Wollenberg, „und verbessert auch die Lebensqualität der Patienten erheblich.“

Fehlalarm täuscht Immunsystem

Kleinkinder erkranken besonders oft an Neurodermitis – meist mit mildem Verlauf. Fast jedes vierte Kind erkrankt vorübergehend. Erwachsene sind seltener, dafür oft schwerer betroffen. Bei allen Patienten ist ein bestimmter Teil des Immunsystems überaktiviert – nämlich der sogenannte TH2-Arm, der Infektionen mit Parasiten wie Bandwürmern bekämpft – nur dass Neurodermitispatienten gar nicht mit Parasiten infiziert sind. Der TH2-Arm unterliegt also einem Fehlalarm und löst damit eine Dauerentzündung in der Haut aus.

Je selektiver eine Arznei wirkt, desto weniger Nebenwirkungen gibt es

Klassische entzündungsbekämpfende Medikamente gegen Neurodermitis wie Kortison blockieren nicht nur den TH2-Arm, sondern alle Arme des Immunsystems – auch jene gegen Viren, Bakterien oder Krebszellen. „Dupilumab dagegen hemmt ausschließlich den TH2-Arm“, erklärt Wollenberg, „und genau so wollen wir es auch haben.“ Denn je selektiver ein Medikament wirkt, umso weniger Nebenwirkungen sind zu erwarten und desto besser verträglich ist eine Arznei.

Hautekzeme und Juckreiz verschwanden bei manchen ganz

An der neuen Studie nahmen fast 1.400 Frauen und Männer mit mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis teil. Zwei Drittel der Patienten bekamen vier Monate lang Dupilumab verabreicht – in Form von Spritzen in den Bauch, die wöchentlich oder alle zwei Wochen verabreicht wurden. Die restlichen Patienten erhielten ebenfalls Spritzen in den Bauch – allerdings nur mit einem Scheinmedikament (Plazebo). Dann hieß es: warten. Denn Dupilumab braucht vier bis sechs Wochen, ehe es seine volle Wirkung entfaltet. Mit der Zeit aber verschwanden zuerst die Hautekzeme, etwas später auch der Juckreiz bei einem Drittel der mit dem Wirkstoff behandelten Patienten völlig. „Ein großer Erfolg“, sagt Wollenberg. Der Effekt hält etwa drei Monate lang an. Auch bei den restlichen Patienten, die mit Dupilumab behandelt wurden, besserten sich die Symptome deutlich. Dabei zeigten sich in der Studie keine schweren Nebenwirkungen. Vereinzelt kam es zu leichten Infektionen.

Weitere Studie notwendig

„Wir werden höchstwahrscheinlich eine neue Alternative für die Behandlung unserer Patienten bekommen“, so der Münchner Hautspezialist – auch wenn es in Deutschland noch eine weitere Studie braucht, bevor Dupilumab auf den Markt kommen kann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.10.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Klinikums der Universität München: Neuer Wirkstoff gegen Neurodermitis