Angst vor Zärtlichkeit

Viele Patienten mit Schuppenflechte schämen sich, ihrem Partner ihre Haut zu zeigen – und isolieren sich. Was dann helfen kann.

Mann und Frau im Bett © Thinkstock
(Regensburg – 04.05.2016) Etwa zwei Millionen Deutsche haben Schuppenflechte (Psoriasis). Viele von ihnen leiden nicht nur körperlich, sondern auch psychisch unter ihrer Erkrankung – so werden etwa intime Partnerschaften und das Sexualleben der Patienten durch die Hautprobleme erheblich beeinträchtigt. Die Schuppenflechte kann auch im Genitalbereich auftreten – ein Tabuthema, oft sogar für Ärzte. Die Folge: Der Erkrankten isoliert sich.

Zärtlichkeiten werden zur Belastungsprobe

Für Betroffene wird der Austausch von Zärtlichkeiten oft zu einer Belastungsprobe: Die betroffenen Hautstellen schmerzen zum Teil so stark, dass Berührungen unangenehm sind. Manche schämen sich für ihre schuppende, teils blutende Haut und haben Angst vor Zurückweisung. Doch die Scham ist nicht die einzige Schwierigkeit, die Patienten aufgrund ihrer Erkrankung haben. Prof. Dr. Uwe Gieler, Dermatologe und Facharzt für Psychosomatik am Universitätsklinikum Gießen, erklärt dies anhand von Studienergebnissen: „Die Lebensqualität von Psoriasis-Betroffenen leidet enorm: Auch aufgrund der sozialen Ablehnung und der Stigmatisierung meiden sie körperlichen Kontakt. Die Ergebnisse der europäischen Studie des Netzwerks EUROPSO mit rund 18.000 Patienten zeigen, dass über 25 Prozent der Betroffenen sexuelle Schwierigkeiten – beispielsweise ein angespanntes Verhältnis zum Partner – haben.“  

Bei rund 45 Prozent der Betroffenen entsteht die Psoriasis auch an intimen Körperstellen – zum Beispiel im Genitalbereich. Die Patienten leiden dann oft unter Schmerzen während oder nach dem sexuellen Kontakt. Nach dem kürzlich erschienenen „Global report“ der Weltgesundheitsorganisation (WHO) zur Psoriasis geben nahezu die Hälfte der befragten Patienten als dringenden Wunsch ein unbelastetes Sexuallleben an. „Was viele noch nicht wissen: Mittlerweile gibt es gute Behandlungsmöglichkeiten – auch bei schwerer Psoriasis“, so Gieler.

Auch für den Partner schwierig

Auch für den Partner, der nicht unter Schuppenflechte leidet, ist es oft schwierig, mit dem Problem des Betroffenen umzugehen – schließlich merkt er, dass sein Partner gehemmt ist. Er zweifelt möglicherweise, ob der Partner an den erkrankten Stellen berührt werden möchte, und wird unsicher. Dann ist Offenheit das A und O. Vielleicht gefällt es dem Betroffenen zum Beispiel, wenn der Partner die betroffenen Hautpartien sanft eincremt.  

Auch wenn beide Partner unter Psoriasis leiden und die Problematik kennen, müssen sich beide anfangs auf die neue Situation einstellen. „Beziehungen zwischen zwei Betroffenen sind gar nicht so selten. Die Partner haben hier eine andere Ausgangssituation: Die Scheu, dem anderen die betroffenen Hautstellen zu zeigen, ist hier unter Umständen geringer. Es ist dabei aber genauso wichtig, offen über das Thema Sexualität zu sprechen, denn jede Psoriasis ist unterschiedlich in ihrer Ausprägung – die Partner müssen Verständnis füreinander zeigen“, sagt Dr. Ralph von Kiedrowski, Spezialist für Schuppenflechte.

Das Problem in Angriff nehmen

Patienten sollten sowohl mit ihrem Partner wie auch mit dem Hautarzt offen über ihre Probleme sprechen. In schweren Fällen kann auch ein Psychologe oder der Besuch einer Selbsthilfegruppe helfen. Wichtig ist auch, eine geeignete Therapie für die Erkrankung in Angriff zu nehmen – denn diese heilt neben der Haut oft indirekt auch die Seele.Heute kann man als Patient selbst in schweren Fällen dank moderner, nebenwirkungsarmer Therapien innerhalb weniger Wochen eine sichtbare Besserung der Symptome und damit eine Steigerung der Lebensqualität erwarten“, so von Kiedrowski. Moderne, innerlich wirkende Therapien sind besonders wirksam, denn sie greifen in fehlerhafte Abwehrreaktionen des Körpers ein: Sie hemmen gezielt Botenstoffe oder Enzyme, die Entzündungen auslösen oder unterbrechen. „Wenn nach zwölf Wochen keine sichtbare Besserung eintritt, sollten Betroffene offen mit dem Hautarzt über Therapieumstellungen sprechen“, rät der Experte.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 04.05.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
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