Verbrannt! Was tun?

Heißes Wasser, Herdplatte, Feuerzeug: Im Haushalt lauern für Kinder viele Gefahren, sich zu verbrennen. Welche Maßnahmen Sie wann ergreifen sollten.

Mutter kühlt Verbrennungwunde bei ihrer Tochter. © Thinkstock
(Hamburg – 23.11.2012) Verbrennungen gehören in Deutschland zu den häufigsten Verletzungen im Kindesalter. Rund 80 Prozent dieser Unfälle geschehen in der heimischen Küche und nicht selten unterschätzen Eltern die Konsequenzen: Schon Temperaturen um 50 Grad reichen aus, um Verbrennungen zu verursachen. Schnelles und richtiges Handeln kann Schlimmeres verhindern.

Bei verbrannter Kinderhaut schnell reagieren

Jeder, der sich schon einmal verbrannt hat, weiß, wie schmerzhaft das ist. Jede Verbrennung oder Verbrühung ist ein Notfall und erfordert schnelle und vor allem richtige Maßnahmen. Das gilt insbesondere für Kinder: Ihre Haut ist dünner. Haben sie nur wenige Sekunden Kontakt mit der heißen Gefahrenquelle, können schon schwere Verletzungen entstehen. Besondere Gefahr droht durch den Flüssigkeitsverlust, den eine Verbrennung mit sich ziehen kann. Bereits fünf Prozent verbrannte Körperoberfläche können einen Schock auslösen.

Gefahrenquelle Nummer eins: heißes Wasser

„Wir wissen aus Studien und den Ergebnissen einer aktuellen Doktorarbeit, dass 80 Prozent aller Verbrennungsunfälle in der Küche geschehen und 60 Prozent der Betroffenen dabei jünger als drei Jahre sind“, sagt Dr. Axel Hennenberger, Mitglied bei der Deutschen Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI). „Am häufigsten kommt es zu Verbrennungen mit heißem Wasser. Aber auch Unfälle mit erhitztem Öl aus der Fritteuse oder im Winter durch das Inhalieren von heißen Dämpfen um eine Erkältung zu bekämpfen geschehen nicht selten, weil die Kinder die Schüssel vom Tisch ziehen und sich die heiße Flüssigkeit über den Schoß ergießt.“

Verbrennungen ersten Grades: zehn Minuten mit Leitungswasser kühlen

Die Medizin unterteilt die Art der Verletzung nach unterschiedlichen Schweregraden. Bei Verbrennungen ersten Grades – etwa durch einen Sonnenbrand – reicht es in den meisten Fällen aus, die betroffene Stelle mit kühlem Leitungswasser zehn Minuten zu kühlen.

Verbrennungen zweiten Grades: kühlen und vom Arzt behandeln lassen

„Verbrennungen zweiten Grades unterteilen wir dann in Schwerestufe a und b“, erklärt Dr. Axel Hennenberger. „Beim Schweregrad 2a kommt es zu einer Blasenbildung, weil der betroffene Bereich schnell Flüssigkeit aufnimmt. Auch hier ist es zunächst wichtig, die Haut mit Leitungswasser zu kühlen. Anschließend sollte man die Wunde von einem Arzt versorgen lassen.“  

Bei Verbrennungen vom Typ 2b sind die Blasen bereits aufgeplatzt und die Wundflüssigkeit abgeflossen. „In diesem Fall ist es ratsam, ebenfalls sofort mit Leitungswasser zu kühlen, gleichzeitig sollte man aber auch den Notarzt rufen“, rät der Experte. „Die Verbrennungsreste müssen abgetragen, desinfiziert und mit Wundauflagen versorgt werden, sonst droht eine Infektion durch Bakterien.“ Für die Kinder ist diese Behandlung extrem schmerzhaft. Manchmal ist eine Hauttransplantation nötig, die unter Kurznarkose erfolgt.

Verbrennungen dritten Grades: sofort Notarzt rufen

Bei Verbrennungen dritten Grades ist die Haut bis auf den Wundgrund verbrannt. Weder Hautzellen noch Schweißdrüsen sind vorhanden, die Haut sieht aus wie Leder. „In diesem Fall bitte sofort den Notarzt rufen“, empfiehlt Facharzt Axel Hennenberger. „Wenn die Kinder noch Kleidung tragen, stellt man sie am besten sofort unter die Dusche – denn so ist es leichter möglich, eventuell betroffene Kleidung auszuziehen. Anschließend wird nur die betroffene Stelle mit Leitungswasser gekühlt.“  

Auf gar keinen Fall sollte man die Blasen selbst öffnen. Hausmittel wie Mehl, Puder, Salben oder Gele sind bei Verbrennungen ebenfalls tabu. Sie erschweren dem Arzt die Beurteilung und Behandlung der Wunde und können die Infektionsgefahr erhöhen. Geeignet sind nur sterile Kompressen. Sind keine vorhanden, ist es besser auf den Notarzt zu warten.  

Bis zu seinem Eintreffen sollten die Eltern versuchen, das Kind zu trösten und warm zu halten. Um die Verletzung optimal zu behandeln und eine eventuelle Narbenbildung so gering wie möglich zu halten, sollte nur ein entsprechend ausgebildeter Mediziner weitere Maßnahmen treffen.

Gefahren im Haushalt senken

Besser ist natürlich, es gar nicht erst zu Verbrennungen kommen zu lassen. Heiße Getränke und Wasserkocher sollten sich deshalb immer außerhalb der Reichweite von Kindern befinden. Trinken Sie gerade etwas Heißes, ist es besser, sie nicht auf den Arm zu nehmen. Auch Kabel sollten für Kinder nicht erreichbar sein. „Ganz wichtig ist ein Schutzgitter am Herd sowie ein abschließbarer Backofen“, sagt Dr. Hennenberger. „Die Kinder benutzen die Klappe sonst als Treppe. Und auch das Backofenglas darf nicht heiß werden.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.11.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: idw
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