Jede Berührung eine Qual

Berufsbedingte Handekzeme sind bei frühzeitigem Arztbesuch gut behandelbar. Die Kosten übernehmen die Berufsgenossenschaften.

Gepflegte Hände © Thinkstock
(Leichlingen/Osnabrück – 13.08.2012) „Risse an den Händen, rote Flecken, Schuppen oder schmerzhafte Bläschen plagen im Laufe ihres Berufslebens zwei von drei Friseurinnen oder Friseuren“, berichtet Swen Malte John, Professor für Dermatologie an der Universität Osnabrück und Mitglied des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen. „Bis zu 40 Haarwäschen am Tag sind eine Tortur für die Hände, aber unter Auszubildenden im Friseurhandwerk keine Seltenheit“, sagt John. „Das führt ohne Vorsorge schnell zu Ekzemen.“

In anderen Berufen sieht es häufig nicht besser aus: Wer etwa in der Metallindustrie arbeitet, hantiert viel mit Kühlschmierstoffen. Reinigungskräfte kommen mit aggressiven Putzmitteln in Kontakt, Mitarbeiter in Pflegeeinrichtungen mit Desinfektionsmitteln und auf dem Bau wird mit Zementmischungen gearbeitet.

Ekzeme an Männerhänden: keine falsche Coolness

Nach Informationen des Berufsverbands der Deutschen Dermatologen gibt es rund zwei Millionen Betroffene. Viele hoffen offenbar, der Ausschlag beruhigt sich mit Hilfe von Cremes und Salben aus Drogerie und Apotheke wieder. Gerade Männern fällt es besonders schwer, Hautentzündungen ernst zu nehmen. Christine Schüller von der Selbsthilfegemeinschaft Haut: „Viele suchen aus falsch verstandener Coolness erst dann Hilfe, wenn das Ekzem schon so stark fortgeschritten ist, dass sie heftige Schmerzen haben und kaum noch etwas anfassen können.“ Eine Heilung ist dann zwar immer noch möglich, aber schwieriger und langwieriger. Ein weiterer Grund, mit dem Gang zum Arzt zu zögern, ist die Furcht vor „Ärger mit dem Chef“ oder gar dem Verlust des Arbeitsplatzes.

Behandlung ist auch im Interesse des Arbeitgebers

„Die Hautkrankheit lässt sich in den allermeisten Fällen so behandeln, dass die Betroffenen ihren Beruf weiter und sogar besser ausüben können als vorher", beruhigt Hautärztevertreter John. „Es liegt also nicht nur im Interesse der Patienten, sondern auch des Arbeitgebers, dass ein berufsbedingtes Ekzem so rasch und gründlich wie möglich behandelt wird.“ Der einfachste Weg zur Behandlung führt über die gesetzliche Unfallversicherung der Berufsgenossenschaften.

Hautarztverfahren ist umfassend und für Patienten gratis

Wer ein Ekzem hat, das möglicherweise durch seine berufliche Tätigkeit verursacht sein könnte, darf nach einer Vereinbarung zwischen Kassenärzten und Gesetzlicher Unfallversicherung ohne Praxisgebühr oder Versicherungskarte zu jedem Hautarzt mit Kassenzulassung gehen. Die gesetzliche Unfallversicherung kommt dann ohne Rezeptgebühr für vieles auf zum Beispiel für wirksame Basis-Pflegemittel.

„Um das Hautarztverfahren in Anspruch zu nehmen, müssen Sie nur wissen, welche Berufsgenossenschaft für Sie zuständig ist“, erklärt Selbsthilfevertreterin Schüller. „Das erfahren Sie auf Anfrage von der Buchhaltung oder Personalabteilung Ihres Arbeitgebers. In vielen Betrieben und Unternehmen hängen die Daten aber auch auf Plakaten oder am schwarzen Brett aus."

Salben, Kuren und Schulungen bringen Heilerfolge

Sobald der Arzt die Kontaktdaten hat, regelt er alles Weitere mit der Berufsgenossenschaft. Mit Heil- und Pflegesalben, Hautkuren, schützenden Handschuhen und auch Verhaltenstipps und -schulungen für den Berufsalltag hat das Hautarztverfahren laut Dermatologen-Sprecher John in den vergangenen Jahren dafür gesorgt, dass berufliche Hautkrankheiten wesentlich schneller und wirksamer geheilt werden können als früher.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 13.08.2012
  • Autor/in: vitanet.de-cd
  • Quellen: dapd
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