Gesundheitliche Belastung durch Tattoos: Neue Erkenntnisse

Tätowierungen können allergische Reaktionen hervorrufen. Nun sind Forscher einem möglichen neuen Grund dafür auf die Spur gekommen: Die Wissenschaftler haben Metallpartikel aus Tätowiernadeln in der Haut nachgewiesen. Die Metallteilchen könnten den Körper möglicherweise noch mehr belasten. 

Frau mit Rückentattoo © iStock
(Berlin – 28.10.2019) Beim Tätowieren können sich Mikro- und Nanoteilchen aus Metall aus der Tätowiernadel lösen und sich in der Haut und in den Lymphknoten ablagern.  Zu diesem Ergebnis kommen Forscher des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) zusammen mit einem internationalen Kooperationsteam.

Belastung des Körpers mit Nickel und Chrom

Tätowiernadeln bestehen aus Stahl, enthalten daher auch Nickel (6 bis 8 Prozent) und Chrom (15 bis 20 Prozent). Das Forscherteam hat nun in einer neuen Studie nachgewiesen, dass Metallteilchen von der Nadel unter Gebrauch abgeschliffen werden und in die Haut übergehen können, wenn das Tätowiermittel das Weißpigment Titandioxid (TiO2) enthält. Dabei werden Nickel und Chrom aus der Nadel mechanisch herausgelöst und gelangen in die Haut. Anschließend können diese Partikel dann in die Lymphknoten wandern.

Bislang wurde angenommen, dass hauptsächlich mit Nickel und Chrom verunreinigte Farbpigmente (Tätowiermittel) metallbezogene Tattooallergien verursachen. Mit der neuen Studie liefern die Forscher nun den Nachweis, dass auch von Tätowiernadeln ein gesundheitliches Risiko ausgehen kann. Darüber hinaus steigt die Belastung des Körpers mit Nickel und Chrom. Zukünftige Studien sollen untersuchen, inwiefern die zusätzliche Aufnahme dieser Metalle die Wahrscheinlichkeit erhöht, Allergien auszulösen.

Hautallergie durch Tattoos – neue Studie bringt Aufklärung

Allergische Reaktionen gegenüber Tattoos und deren Inhaltsstoffe gehören zu den häufigsten Nebenwirkungen von Tätowierungen. Aufgrund der Forschungsergebnisse gingen Wissenschaftler bisher davon aus, dass vor allem mit Schwermetallen verunreinigte Farbpigmente diese Allergien auslösen. Obwohl Tätowiernadeln Nickel und Chrom enthalten, wurde ihr Einfluss auf die Metallabscheidung in der Haut bislang noch nicht untersucht.

Ein internationales Team unter Führung des Bundesinstituts für Risikobewertung hat nun diese Forschungslücke geschlossen. Die Forscher analysierten zunächst Haut- und Lymphknotenproben von tätowierten Menschen ohne diesbezüglich bekannten gesundheitlichen Auffälligkeiten. Die Ergebnisse dieser Proben wurden mit Daten aus der Haut und Lymphknoten eines tätowierten Patienten verglichen, bei dem eine Allergie auftrat.

Der Einfluss von Titandioxid (TiO2)

Im zweiten Teil der Studie tätowierte das Forscherteam Schweinehaut einerseits mit schwarzer Tinte (auf Kohlenstoffbasis) und andererseits mit TiO2-Tinte, wobei letztere abschleifende (abrasierende) Eigenschaften aufweist. Beide Farben wurden vorher untersucht und festgestellt, dass sie keine Stahlpartikel enthielten.

Die Ergebnisse beider Analysen zeigen: Nano- und mikrometergroße Metallteilchen werden, wenn TiO2-haltige Tinte verwendet wird, von Tätowiernadeln abgetragen. Dieser Effekt war bei schwarzer Tinte wesentlich geringer. Die Metallteilchen enthalten Nickel und Chrom, lagern sich dauerhaft in der tätowierten Haut ab und werden auch zum Teil in die Lymphknoten abtransportiert. In den analysierten Proben eines Patienten, der unter einer allergischen Reaktion litt, wies das Forscherteam sowohl Farbpigmente (Eisenoxid) als auch abgeschürfte Stahlpartikel in der entzündeten Haut nach. Die Ergebnisse zeigen, dass durch Tätowiernadeln Nickel und andere Schwermetalle in den Körper gelangen und dort allergische Reaktionen auslösen können.

Weitere Forschung ist notwendig, um die genaue Wirkung abgeschliffener Partikel von Tätowiernadeln bei metallbezogenen Tattoo-Hautallergien zu bewerten.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.10.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) vom 27.08.2019: Nickel- und chromhaltige Partikel wandern auch in die Lymphknoten
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