Therapie von Schilddrüsenknoten

Etwa jeder Deutsche hat Schilddrüsenknoten – und weiß oft nichts davon. Wann behandelt werden muss und welche Therapien eingesetzt werden.

Arzt untersucht Schilddrüsen. © iStock
(Berlin – 09.09.2019) Häufige Ursache von Schilddrüsenknoten ist der jahrzehntelange und noch immer bestehende Jodmangel in der Bevölkerung. Nicht alle Knoten in der Schilddrüse sind behandlungsbedürftig. Wenn sie aber Beschwerden hervorrufen oder der Verdacht auf Bösartigkeit besteht, muss eine Therapie erfolgen. Betroffene sollten sich dann von ihrem Arzt über die Therapiemöglichkeiten beraten lassen.

Schilddrüsenknoten: weit verbreitet und gut zu behandeln

„In Deutschland haben immer mehr Menschen Schilddrüsenknoten – wir gehen von rund 20 Millionen Betroffenen aus", sagt Professor Dr. med. Detlef Moka, erster Vorsitzender des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e.V. Ursache ist vor allem der Jodmangel. „Zwar gab es in den vergangenen Jahren Maßnahmen, das Spurenelement über die Ernährung, beispielsweise in Form von Jodsalz, zu supplementieren. Doch über die vergangenen Jahrzehnte entstand ein systematischer Mangel, deren Nachwehen wir heute noch in der Schilddrüse älterer Patienten erkennen können." Grundsätzlich ist es sinnvoll zusätzlich regelmäßig Jod einzunehmen.

Die gute Nachricht: Schilddrüsenknoten sind zwar weit verbreitet, aber meist sehr erfolgreich und schonend zu behandeln. So haben länger bestehende Therapien zur Behandlung von Schilddrüsenknoten weitere Fortschritte gemacht. Aber auch auf neuere haben sich bewährt.

Bei kleinen Knoten helfen Medikamente

In vielen Fällen vor allem, wenn die Schilddrüse nur etwas vergrößert ist, reicht eine medikamentöse Behandlung. „Ergebnisse aus jüngerer Zeit zeigen, dass dabei meist die Kombinationen aus Jod und Schilddrüsenhormonen die besten Erfolge erzielen können", sagt Professor Dr. med. Frank Grünwald, Direktor der Klinik für Nuklearmedizin am Universitätsklinikum Frankfurt/Main. Bei manchen Patienten ist die Wirksamkeit aus genetischen Gründen allerdings nicht ausreichend gegeben. „Dann ist eine Kombination verschiedener Schilddrüsenhormon-Präparate erforderlich".

Operation bei Verdacht auf Bösartigkeit

Operiert werden sollte immer dann, wenn die Ärzte nicht ausschließen können, dass die Vergrößerung bösartig ist. „Das kann bei kalten Knoten der Fall sein, die sich im Szintigramm erkennen lassen", sagt Dr. Grünwald. „Eine Biopsie – also Gewebeentnahme – aus der Schilddrüse hilft, um über eine Operation zu entscheiden." Die Risiken der Schilddrüsenoperation sind heutzutage gering. Wichtig ist es, dass der Operateur die Stimmbandnerven während der Operation überwacht. Inzwischen sind minimalinvasive Verfahren der Standard und verursachen nur kleine Narben. „Immer häufiger verwenden Ärzte auch alternative Zugangswege über Achsel, Brust oder Mund, sodass keinerlei Narbenbildung mehr entsteht".

Radiojodtherapie: bewährt, erfolgreich, geringe Nebenwirkungen

Die Radiojodbehandlung wird seit vielen Jahrzehnten sehr erfolgreich zur Behandlung der Überfunktion eingesetzt und kommt zunehmend auch bei knotiger Schilddrüsenvergrößerung zur Anwendung. „Daten aus großen deutschen Kliniken zeigen, dass selbst bei einer zehnfach vergrößerten Schilddrüse noch ein guter Behandlungserfolg erzielt werden kann", sagt Dr. Grünwald. Wichtiger Vorteil der Radiojodtherapie: Sie bringt im Vergleich zu allen anderen Verfahren sehr wenige Nebenwirkungen mit sich. Heiße Knoten – also gutartige Veränderungen – lassen sich so gezielt behandeln, ohne die übrige Schilddrüse zu beeinflussen.

Neue, schonende Behandlung mit Hitzeverfahren

Seit etwa sechs Jahren gibt es in Deutschland zudem thermoablative Verfahren in der Schilddrüsenmedizin. „Die jetzt vor allem von nuklearmedizinischen Arbeitsgruppen veröffentlichten Daten zeigen, dass mit diesen lokalen Hitzebehandlungen nachhaltige Wirkungen erzielt werden können", sagt Dr. Grünwald. Je nach Lage oder Größe der Schilddrüsenknoten setzen Ärzte unterschiedliche Methoden ein. Bei der Ultraschalltherapie/Echotherapie etwa können Knoten bis Kastaniengröße mit gebündelten Ultraschallwellen durch die Haut hindurch wie durch ein Brennglas „weggebrannt" werden.

Am häufigsten angewendet wird die Radiofrequenzablation – sie kann Knoten bis Mandarinengröße entfernen. Bei der Radiofrequenzablation platzieren die Ärzte unter örtlicher Betäubung eine Sonde in den Knoten, deren Spitze hochfrequenten Wechselstrom freisetzt, der das erkrankte Gewebe gezielt erhitzt und schädigt. Eine Kontrolle erfolgt parallel per Ultraschall.

Bei besonders großen Knoten ab einem Volumen von 100 Millilitern hilft die Mikrowellenablation: Hier führt der Arzt über einen kleinen Schnitt und unter örtlicher Betäubung eine Nadel in den Knoten ein, die dort Mikrowellen erzeugt, vergleichbar mit der Haushaltsmikrowelle. Die Wärme schmilzt die Knoten weg. „Mit den Methoden der Thermoablation können Knoten um etwa 50 bis 70 Prozent verkleinert werden", sagt Dr. Gründwald. Die lokal ablativen Verfahren kommen ohne Narkose aus.

Beratung in interdisziplinären Zentren einholen

Schilddrüsen-Patienten sollten sich eingehend über alle zur Verfügung stehenden Behandlungsmöglichkeiten informieren. „Bestenfalls wenden sich Betroffene an interdisziplinäre Einrichtungen, in denen Nuklearmediziner und Chirurgen zusammenarbeiten", rät Dr. Moka. „Dies ist entscheidend, um allen Patienten die optimale Therapie anbieten zu können". Zudem führt eine Behandlung in spezialisierten Zentren, die eine entsprechend hohe Zahl an Eingriffen durchführen, nachweisbar zu besseren Ergebnissen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 09.09.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) vom 4. Juni 2019: Volkskrankheit Schilddrüsenknoten: Welche Therapien gibt es, wann muss operiert werden?
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