Schilddrüsenprobleme bei Kindern und Jugendlichen

Ist der TSH-Wert, also der Wert des Thyreoidea-stimulierenden Hormons, bei Kindern und Jugendlichen zu hoch, werden häufig Medikamente gegen eine Schilddrüsenunterfunktion gegeben. Das ist in vielen Fällen unnötig. 

Frau nimmt Medikament ein © iStock
(Berlin, Altdorf – 15.07.2019) Eine Unterfunktion der Schilddrüse kann die Entwicklung von Kindern und Jugendlichen immens beeinträchtigen – schließlich ist das kleine Organ ein wichtiger Hormonproduzent. Ein Mangel an Schilddrüsenhormonen kann über eine Blutanalyse jedoch früh erkannt und durch die Gabe des entwicklungsrelevanten Hormons LT4 ausgeglichen werden. Immer häufiger werden deshalb die Schilddrüsenwerte von Kindern und Jugendlichen auf auffällige Schilddrüsenwerte hin untersucht. Die Tests führen jedoch auch vermehrt dazu, dass Kinder die Hormone fälschlicherweise erhalten – etwa, weil die Funktion ihrer Schilddrüse nur vorübergehend oder nur leicht beeinträchtigt ist. Wie eine solche Übertherapie vermieden werden kann.

Symptome und Folgen einer Schilddrüsenunterfunktion

Müdigkeit, Antriebslosigkeit oder Übergewicht – es sind sehr unspezifische, auch in anderem Zusammenhang keineswegs seltene Symptome, mit denen sich eine Schilddrüsenunterfunktion bei Kindern und Jugendlichen bemerkbar macht. Ärzte überprüfen daher häufig die Schilddrüsenwerte junger Patienten. „Aus Sorge um die Entwicklung der Kinder sind diese Tests auch gerechtfertigt“, sagt Professor Dr. med. Heiko Krude, Direktor des Instituts für Experimentelle Pädiatrische Endokrinologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin. Denn für Kinder und Jugendliche stellt eine Schilddrüsenunterfunktion eine ernsthafte Gefahr dar: Tritt die Hormonstörung bereits im Kindesalter auf, kann sich die geistige und sprachliche Entwicklung sowie das körperliche Wachstum verzögern. Bei einer Erkrankung im Jugendalter entwickeln sich oft Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen.

Der TSH-Wert

Als wichtigster Blutwert zur Bestimmung einer Schilddrüsenunterfunktion gilt der so genannte TSH-Wert. TSH steht für Thyreoidea-stimulierendes Hormon oder Thyreotropin. „Dieses Hormon regt in der Schilddrüse die Bildung von LT4 und LT3 an“, sagt Professor Matthias M. Weber, Mediensprecher der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie. Nur wenn die Schilddrüse diese wichtigen Hormone in ausreichender Menge produziert, werde die TSH-Produktion über einen Rückkopplungsmechanismus gedrosselt. Arbeitet die Schilddrüse jedoch nicht richtig und stellt zu wenig LT4 und LT3 her, versucht der Körper gegenzusteuern und produziert mehr TSH.

Ein zu hoher TSH-Wert ist nicht immer krankhaft

Dennoch weist nicht jeder erhöhte TSH-Wert auf eine echte Schilddrüsenunterfunktion hin. Das TSH wirkt auf die Schilddrüse mit dem Ziel, die Bildung von T4 und T3 zu stimulieren. Häufig liegen die eigentlich krankheitsrelevanten Werte für LT4 und LT3 oft im Referenzbereich – trotz auffälligem TSH. Eine Hormonbehandlung ist dann unnötig. „Dennoch wird meist allein aufgrund des erhöhten TSH-Wertes eine Therapie mit LT4 eingeleitet“, sagt Krude.

Für die jungen Patienten ist dies in mehrfacher Hinsicht schädlich. Zum einen müssen sie täglich Tabletten einnehmen und zum anderen kann das Gesundheitsbewusstsein der Jugendlichen gestört werden. Sie empfinden sich, in einer ohnehin schwierigen Phase der Selbstwahrnehmung als krank, obwohl es dafür keinen Grund gibt. Nicht zuletzt besteht auch das Risiko, dass durch die Hormongaben eine Schilddrüsenüberfunktion herbeigeführt wird.

Ein leicht erhöhter TSH-Wert könnte beispielsweise nach drei Monaten, ein deutlich erhöhter Wert nach sechs Wochen erneut kontrolliert werden – zunächst ohne zu behandeln. Steigen die Werte in dieser Zeit nicht weiter an kann eine weitere Kontrolle erfolgen. „Große Studien zeigen jedoch, dass der TSH-Wert in der Zwischenzeit meist spontan wieder im Referenzbereich liegt“, sagt Professor Heiko Krude.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.07.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) und der Deutschen Diabetes Gesellschaft (DDG) vom 06. Juni 2019: Schilddrüsenprobleme bei Kindern und Jugendlichen. Medikamente in vielen Fällen unnötig
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