Neue Fluoridempfehlungen für Kleinkinder

Kürzlich wurde beschlossen, den Fluoridgehalt in Kinderzahnpasten zu verdoppeln. Wie viel Fluorid Kinderzähne tatsächlich benötigen, die unterschiedlichen Fluoridquellen und was Zahnärzte empfehlen.

Gemeinsames Zähneputzen © iStock
(Frankfurt – 14.06.2019) Um Karies vorzubeugen, ist Fluorid für Kinderzähne essentiell. Die zahnärztlichen Fachgesellschaften haben sich deshalb auf neue Fluoridempfehlungen für Kleinkinder geeinigt. Die Hersteller von Kinderzahnpasten wurden aufgerufen, den Fluoridgehalt von 500 auf 1.000 ppm (parts per million), also 0,1 Prozent zu verdoppeln. Die Dosierung soll durch verkleinerte Tubenöffnungen und eine dickflüssigere Viskosität vereinfacht werden. Erste Produkte sind seit April im Handel verfügbar.

Wo Fluorid enthalten ist

Neben Zahnpasta stellt die Verwendung von fluoridiertem Speisesalz eine günstige und effektive Möglichkeit zur Kariesprophylaxe dar. Fluorid ist darüber hinaus in Nahrungsmitteln wie Wasser, Tee oder Fisch und in Zahnpflegeprodukten wie Mundspüllösungen, Fluoridgelees sowie -lacken enthalten. Kinderärzte verschreiben zudem standardmäßig Fluoridtabletten – meist kombiniert mit Vitamin D. 

Zu viel Fluorid kann über einen längeren Zeitraum bei Kindern bis sechs Jahren eine Dentalfluorose auslösen, die sich in weißlichen Flecken auf den bleibenden Zähnen äußert. Daher ist vielen Verbrauchern unklar, wie viel Fluorid wirklich zu viel ist und wie die verschiedenen Produkte angewendet werden müssen.

Fluoridquellen: Zahnpasta und Speisesalz

Durchschnittlich deckt die Fluoridaufnahme über die Nahrung nur etwa 15 Prozent des für den Zahnschutz notwendigen Bedarfs ab. Um Karies vorzubeugen, ist es aber wichtig, ausreichend Fluoride zuzuführen. Denn diese stärken die Zähne in ihrer Widerstandsfähigkeit“, sagt Professor Dr. Stefan Zimmer, Sprecher der Informationsstelle für Kariesprophylaxe. „Mit dem Einstieg in die Familienkost, also etwa ab dem ersten Geburtstag, sollten Kinder daher ebenso von fluoridiertem Speisesalz profitieren wie die Eltern. Das gilt auch, wenn bereits eine fluoridierte Zahnpasta verwendet wird.“ 

Eine Überdosierung ist nicht möglich: Werden die Zähne zweimal täglich mit einer erbsengroßen Menge Zahnpasta geputzt, kommen Kinder je nach Salzkonsum auf eine Tagesmenge von maximal 0,6 Milligramm Fluorid – wenn sie die Zahnpasta vollständig verschlucken. Zum Vergleich: Bei einem sechsjährigen Kind liegt die empfohlene tägliche Aufnahmemenge zwischen etwa 1,0 und 1,5 Milligramm Fluorid. Eine akute Fluoridintoxikation – erst ab 5 mg/kg Körpergewicht – ist vor allem durch Salz unrealistisch: „Die niedrigste akut toxische Fluoriddosis würde für ein Kleinkind mit 15 Kilogramm Körpergewicht theoretisch erst mit 240 Gramm fluoridiertem Speisesalz erreicht, die akut toxische Dosis für normales Speisesalz (NaCl) liegt aber schon bei Erwachsenen bei circa 200 Gramm“, sagt Prof. Zimmer.

Fluoridlack – viermal jährlich erstattet

Zahnpasta und Speisesalz bilden die Basis für eine gute Kariesprophylaxe. „Zusätzlich kann der Zahnarzt den Zahnschmelz mit Fluoridlack härten. Das ist unbedenklich und hochwirksam“, so Prof. Zimmer. Deshalb hat der Gemeinsame Bundesauschuss Ende Januar beschlossen, Fluoridlack bereits für Kinder zwischen dem sechsten und 33. Lebensmonat viermal jährlich zu erstatten. Für die Anwendung zu Hause sind Fluoridgelees sowie fluoridierte Mundspüllösungen erhältlich. Diese dürfen aber erst ab dem sechsten Lebensjahr in Absprache mit dem Zahnarzt zum Einsatz kommen.

Fluoridtabletten

Viele Kinder erhalten ab dem sechsten Lebensmonat Fluoridtabletten vom Kinderarzt. Ob fluoridierte Zahnpasta eine sinnvolle Ergänzung ist, hängt von der Dosierung der Tabletten ab und kann beim Arzt erfragt werden. Generell können sich Eltern an der Maximaldosis für Kinder unter sechs Jahren orientieren, die bei einer Fluorid-Gesamtaufnahme von 0,05 bis 0,07 Milligramm F/kg Körpergewicht pro Tag liegt. „Spätestens ab dem Zeitpunkt, an dem das Kind mit der Familienverpflegung fluoridiertes Speisesalz erhält, sollten keine Fluoridtabletten mehr gegeben werden“, sagt Prof. Zimmer.

Öko-Test bemängelt Dosierungsempfehlung auf Tuben

Öko-Test hat fluoridierte und fluoridfreie Kinderzahnpasten geprüft und bemängelte allgemein die Deklaration und die Dosierungsempfehlung nach Altersstufen auf den Tuben. Bei fluoridierten Produkten forderten die Tester einen Hinweis, zusätzliches Fluorid nur auf ärztlichen Rat zu verabreichen. Auf fluoridfreien Zahnpasten müsse hingegen der Hinweis zu finden sein, dass Fluorid in diesem Fall anderweitig zugeführt werden muss. Fluoridtabletten können dann den Bedarf ausgleichen. „Eltern sollten bei der Anwendung aber darauf achten, dass die Tabletten wirklich gelutscht werden. Nur so entfalten sie ihre kariespräventive Wirkung“, sagt Prof. Zimmer.
Neue zahnärztliche Fluoridempfehlungen im Überblick
  • Ab Durchbruch des ersten Zahnes: Eltern putzen die Milchzähne zweimal täglich mit einer reiskorngroßen Menge ‚neuer‘ Kinderzahnpasta mit einem Fluoridgehalt von 1.000 ppm oder einer erbsengroßen Menge mit 500 ppm.
  • Vom zweiten bis sechsten Geburtstag: Ab jetzt wird eine erbsengroße Menge Zahnpasta mit 1.000 ppm Fluorid verwendet – mindestens zweimal täglich.
  • Mit Beginn der Teilnahme des Kindes an der Familienverpflegung: Ab zirka einem Jahr empfehlen die Experten zusätzlich fluoridiertes Speisesalz.
  • Wenn das Kind sechs Jahre alt ist: Nun können Junior- oder Erwachsenenzahncremes, die sich nur durch ihren Geschmack unterscheiden, mit einem Fluoridgehalt von bis zu 1.450 ppm zum Einsatz kommen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 14.06.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Presseinformation der Informationsstelle für Kariesprophylaxe vom 23. April 2019: Im Dosierungsdschungel - wie viel Fluorid aus welcher Quelle?
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