Helm auf – Fahrradhelm und Kopfairbag schützen

Neben dem handelsüblichen Helm, schützt ein Kopfairbag den Kopf bei einem Fahrradunfall. Die Vorteile des Kopfairbags. 

Sportliche Senioren © iStock
(Berlin – 27.05.2019) „Jedes Frühjahr geht zum Start der Fahrradsaison die Anzahl der verletzten Radfahrer in unseren Notaufnahmen in die Höhe. Oft ist der Kopf betroffen. Daher: Helm auf beim Fahrradfahren!“, rät Prof. Dr. Paul Alfred Grützner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V.

„Das ist zu wenig“ – warum viele keinen Helm tragen

Aktuell liegt die Helmtragequote über alle Altersgruppen hinweg bei durchschnittlich 18 Prozent. „Das ist zu wenig“, sagt Dr. Christopher Spering, Leiter der Sektion Prävention der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. Die Gründe, warum Menschen keinen Helm tragen, sind vielfältig. Manche finden den Helm unhandlich und umständlich. Andere halten ihn für wenig schick oder fürchten, ihre Frisur damit zu ruinieren.

Die Alternative, der Kopfairbag

Abhilfe könnte eine noch wenig bekannte Helmform bieten: der Kopfairbag. Er wird wie eine Art Halskrause um den Hals getragen. Bei einem Unfall, beispielsweise einem Zusammenprall mit einem PKW, wird der mit Sensoren versehene Airbag aufgeblasen. Er ähnelt dann einem Vollintegralhelm, der zusätzlich zum Kopf auch den Hals- und Unterkieferbereich fest umschließt. Der Vorteil gegenüber einem herkömmlichen Fahrradhelm ist also, dass neben dem Kopf gleichzeitig der Nacken, die Halswirbelsäule, der Kiefer und das Gesicht geschützt wird.

Eine Studie der Stanford University ergab, dass das Risiko einer Gehirnerschütterung mit einem Kopfairbag bis zu achtfach niedriger ist als bei einem Helm. „Kommt der Airbag bei einem Unfall zum Einsatz, dämmt er den Aufprall des Kopfes und stabilisiert die Halswirbelsäule, sodass sich die Gefahren eines Schädel-Hirn-Traumas und eines Schleudertraumas der Halswirbelsäule reduzieren“, sagt Dr. Spering. 

Der Kopfairbag wird vor der Fahrt um den Hals gelegt und mit einem Reißverschluss geschlossen. Über einen Druckknopf am Reißverschluss muss bei aufgeladenem Akku vor jeder Fahrradfahrt das Sicherheitssystem aktiviert werden. „Viele kaufen sich teure E-Bikes und sparen dann an einem Kopfschutz. Ob Airbag oder Fahrradhelm – entscheidend ist, dass der Kopf beim Fahrradfahren geschützt wird“, sagt Fahrradunfallforscher und Präventionsexperte der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e.V. PD Dr. Christian Juhra aus der Klinik für Unfall-, Hand und Wiederherstellungschirurgie am Universitätsklinikum Münster.

Der Kopfairbag – für E-Biker und Senioren

Gerade für E-Bike-Fahrer lohnt es sich, einen Kopfairbag in Erwägung zu ziehen. „Denn das regelmäßige Aufladen des Airbags über ein USB-Kabel, das von manchen als Nachteil empfunden wird, lässt sich ohne großen Mehraufwand mit dem Aufladen des E-Bikes verbinden. Auch bei diesem muss der Akku regelmäßig an die Steckdose, sodass beide Akkus in einem Arbeitsgang gefüllt werden können“, sagt Dr. Juhra. 

Ältere Menschen entdecken zunehmend das E-Bike für sich, da sie mit geringerem Kraftaufwand mobil sein können. Doch gerade Senioren sind besonders gefährdet: Höhere Geschwindigkeiten bei gleichzeitigen körperlichen Einschränkungen führen nicht selten zu Unfällen mit schweren Verletzungen. Ein Helm oder Kopfairbag kann die Folgen mildern und Verletzungen verhindern. Mit gut geschütztem Kopf ist Fahrradfahren gerade für Senioren ein Gewinn an Lebensqualität und verbessert die Gesundheit. Denn Fahrradfahren stärkt die Muskeln und unterstützt die Gelenkbeweglichkeit insbesondere von Knien.

Fahrradunfälle im Jahr 2017

Ein aktivierter Kopfairbag oder ein Fahrradhelm dämpfen die Kräfte, die bei einem Unfall auf den Kopf einwirken. Das führt zu weniger schweren Kopfverletzungen. Zudem können tödliche Hirnverletzungen um 60 bis 70 Prozent reduziert werden. Daten aus dem TraumaRegister DGU® der Deutschen Gesellschaft für Unfallchirurgie zeigen: Bei den lebensgefährlich verletzten Fahrradfahrern ist das schwere Schädel-Hirn-Trauma die Hauptverletzung. Das Register erfasst im Durchschnitt jährlich circa 2.500 Radfahrer, die nach einem Unfall in einem Traumazentrum der Initiative TraumaNetzwerk DGU® intensivmedizinisch versorgt werden müssen – die meisten schweren Unfälle ereignen sich von April bis September. Im Jahr 2017 gab es nach Berechnungen des Statistischen Bundesamts 14.123 schwerverletzte und 65.104 leichtverletzte Radfahrer. 382 Menschen starben bei einem Fahrradunfall.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 27.05.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie e. V. vom 16.04.2019: Fahrradhelm und Kopfairbag schützen bei einem Unfall vor Verletzungen
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