Wie eine neue App die Therapie bei Tinnitus unterstützen kann

Was wirklich gegen das krankhafte Ohrgeräusch Tinnitus hilft – und wie eine neue App die Therapie unterstützen kann. 

Frau hört Musik © iStock
(Duisburg – 15.05.2019) Viele Menschen kennen das laute Piepen im Ohr – bei den meisten handelt es sich um einen kurzzeitigen Zustand, der rasch nach ein paar Sekunden von selbst wieder verschwindet. Halten die Ohrgeräusche aber bis zu sechs Monate an, sprechen Experten von akuten Tinnitus, bestehen sie länger, von chronischem Tinnitus. Doch obwohl der Befund für viele endgültig klingt, gibt es mittlerweile gute Therapiechancen, die an der Verarbeitung der Geräusche im Gehirn und der Psyche ansetzen. Eine neue App kann dabei helfen.

Tinnitus – wie und warum er entsteht

Sinneshärchen im Innenohr gehen im Laufe des Lebens kaputt – ein ganz normaler Verschleißprozess. Doch dieser Prozess verursacht irreguläre Signale im Ohr, die beim gesunden Menschen von der Hörverarbeitung wieder herausgefiltert werden. „Kommt es allerdings zu einer plötzlichen Schädigung des Ohres, Stress oder Verspannungen im Kiefergelenksbereich, werden diese Signale von der Hörverarbeitung verstärkt und können als Tinnitus wahrgenommen werden“, sagt Dr. Uso Walter, Vorsitzender des HNOnet NRW. Damit entsteht ein Teufelskreis. Wird der Tinnitus nämlich erst einmal bewusst wahrgenommen, verursacht er Stress, was ihn wiederum aufrecht erhält. Darüber hinaus neigt das Gehirn dazu, den Tinnitus immer weiter zu verstärken und Reizmuster auszubilden. Diese bleiben selbst dann bestehen, wenn die eigentliche Ursache der Beschwerden längst erfolgreich behoben wurde.

Therapie von Tinnitus

Daher ist der bedeutendste und zugleich schwerste Punkt bei der Behandlung des Tinnitus, dass Betroffene Strategien erlernen, die die natürlichen akustischen Filter im Gehirn wieder aktivieren. Nach den europäischen Leitlinien zur Behandlung des Tinnitus können dies ausschließlich Verhaltenstherapien.

Digitale Therapie auf Rezept

Verhaltenstherapien sind nun mithilfe einer neuen Tinnitus-App möglich. Die digitale Tinnitus-Therapie gibt es bei bestimmten gesetzlichen Krankenkassen sogar auf Rezept. Ziel ist es, die Einstellung des Patienten zu den von ihm wahrgenommenen Ohrgeräuschen so zu verändern, dass der Tinnitus von der Hörverarbeitung unterdrückt wird. Zusätzlich erhält der Patient systematische Entspannungshilfen zur Stressreduktion. Verschiedene Hintergrund- und Naturgeräusche helfen darüber hinaus, die Wahrnehmung des Tinnitus zu reduzieren und besser zur Ruhe zu kommen. „Je mehr der Betroffene lernt, auf sich und seine Bedürfnisse zu achten und je weniger er den Tinnitus in den Mittelpunkt seiner Gedanken und seines Handelns stellt, desto besser wird es ihm gehen“, sagt Dr. Walter. „Das Übungsprogramm hilft, schlechte Einstellungen zu erkennen und durch hilfreiche zu ersetzen.“

Wie Sie die App auf Rezept erhalten

Wer unter chronischem Tinnitus leidet, sucht einen spezialisierten HNO-Arzt auf, der eine Evaluation des Schweregrades des Tinnitus mithilfe eines TQ12-Fragebogens durchführt. Für Patienten bestimmter gesetzlicher Krankenkassen kann der Arzt dann eine Online-Tinnitus-Therapie mit der verhaltenstherapeutischen Tinnitus-App verschreiben. Diese wird dann regelmäßig benutzt, bis sich eine Verhaltensänderung einstellt. Die Dauer der Therapie beträgt in der Regel sechs bis 12 Monate.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 15.05.2019
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Presseinformation der HNOnet NRW vom 07. Mai 2019: Wenn's piept im Ohr. Auch chronischer Tinnitus lässt sich behandeln – mit einer App
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