Nur noch kurz die Mails checken

Der Kunde freut sich, der Arbeitgeber auch, der eigene Körper nicht. Wie die berufliche Smartphone-Nutzung nach Feierabend unserer Gesundheit schaden kann.

Frau ist am Smartphone © iStock
(Dortmund – 28.09.2018) Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes greift mittlerweile fast jeder Zweite von zu Hause auf seine Arbeitsmails zu – besonders häufig über das Smartphone. Die Technik erlaubt eine flexible Arbeitsorganisation ohne räumliche und zeitliche Grenzen. Wer diese Möglichkeiten unbedacht nutzt, riskiert unerwünschte Folgen für die psychische Gesundheit.

Tagebuchstudie untersucht kurzfristige Erschöpfungsfolgen

Eine aktuelle Studie des Leibniz-Instituts für Arbeitsforschung fand heraus, dass die berufliche Smartphone-Nutzung nach Feierabend Folgen für den nächsten Arbeitstag haben kann. Beschäftigte reagieren sensibler auf Belastungen bei der Arbeit und erschöpfen schneller. Wer jedoch im Anschluss ans „Mobil-Bleiben“ gut schläft, spürt diesen Effekt am Folgetag kaum. Die Studie wurde im „International Journal of Environmental Research and Public Health“ veröffentlicht.

Im Zuge der Studie haben die Wissenschaftler eine Tagebuchstudie durchgeführt: 63 Probanden haben über zehn Arbeitstage zweimal täglich Online-Fragebögen ausgefüllt. Jeden Morgen gaben sie an, wie intensiv sie ihr Smartphone am Abend zuvor für berufliche Zwecke genutzt haben und wie ihr Schlaf in der Nacht war. Am Nachmittag wurden sie nach ihren Arbeitsaufgaben und aktuellen Erschöpfungssymptomen gefragt.

Die Studie bestätigt: Mobil erreichbar sein, belastet. Es kostet viel Energie, zwischen der beruflichen und privaten Rolle zu wechseln. Der Grund: An jede Rolle sind Erwartungen geknüpft – vom Arbeitgeber, der Familie oder Freunden. Gleichzeitig müssen Aufmerksamkeit und Konzentration aufrechterhalten werden. Dieses Wechselspiel kann schnell die persönlichen Kapazitäten übersteigen.

Der Tag danach – wenn der Akku zu schnell leer ist

Der beruflich motivierte Griff zum Smartphone wirkt sich unmittelbar auf den nächsten Tag aus. Verlangt der Job am nächsten Tag, die Impulse zu kontrollieren, Ablenkungen zu widerstehen oder innere Widerstände zu überwinden, wird das als deutlich belastender wahrgenommen. Die Folge: Erschöpfung. „Berufliche Smartphone-Nutzung in der Freizeit wie auch viele Aufgaben während der Arbeitszeit erfordern, dass wir uns kontrollieren und unser Verhalten an die aktuelle Situation anpassen. Solche ‚Selbstkontrollprozesse' kosten Energie. Ist die erschöpft, sinkt unsere Leistungsfähigkeit“, sagt Studienautorin und Arbeitspsychologin Lilian Gombert.

Wer gut schläft, beugt Beanspruchungsfolgen vor

Doch nicht jeder Griff zum Firmen-Smartphone wird zum Problem: Bei Probanden, die im Anschluss ans mobile Weiterarbeiten gut schliefen, wurde das Wohlbefinden am nächsten Tag nicht weiter beeinflusst. Der Grund: Die Qualität des Schlafes spielt eine wichtige Rolle für unsere Erholung. Wer gut schläft, startet mit mehr Energie in den nächsten Tag. „Wenn ein Projekt fertig werden muss, lässt es sich nicht immer vermeiden, auch nach Feierabend noch E-Mails zu beantworten. Dann sollte man aber darauf achten, gut und ausreichend lang zu schlafen“, sagt Gombert. Dabei helfen können feste Schlafroutinen – zum Beispiel jeden Tag zur selben Zeit ins Bett zu gehen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 28.09.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung des Leibniz-Institut für Arbeitsforschung an der TU Dortmund vom 30.08.2018: Nur noch kurz die Arbeitsmails checken
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