Geblendet im Auto: Diese Sonnenbrillen schützen

Im Spätsommer und Herbst steht die Sonne tief – und blendet besonders. Das gefährdet Autofahrer. Welche Sonnenbrillen bieten den passenden Schutz? Ein Interview.

Autofahrerin mit Sonnenbrille © iStock
(Berlin – 03.09.2018) Langsam segelt ein goldgelbes Ahornblatt auf die rauchende, zerbeulte Motorhaube des roten Fiat 500, während seine Fahrerin bereits auf dem Weg ins Krankenhaus ist. Sie ist gegen eine Laterne gerast, weil sie die tiefstehende Sonne geblendet hat. Unfälle wie diese passieren vor allem im Sommer und Herbst, weil helles und tiefstehendes Licht blendet. Die Folge: Sehschärfe und Kontrastsehen werden schlecht. Daneben können Reflexionen von den Autoscheiben der Vorausfahrenden, nasse Straßen oder eine tief stehende Sonne zu Sichtproblemen führen. Hinzu kommen extreme Licht-Schatten-Wechsel. Das Auge kann sich zwar schnell von dunkel an hell gewöhnen – umgekehrt braucht es länger. Das wird bei Tunnelfahrten zum Problem, betrifft auch Radfahrer. Wenn sie aus dem Schatten ins Licht fahren, werden sie schnell übersehen. Eine gute Sonnenbrille soll Blendungen minimieren, Reflexionen schlucken und Kontraste verschärfen. Kerstin Kruschinski vom Kuratorium Gutes Sehen beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Thema sicher Autofahren im Sommer.

Über welche Sehprobleme klagen Autofahrer – speziell im Sommer und im Allgemeinen?

Im Sommer führt die große Helligkeit zur Blendung. Man kneift dann unwillkürlich die Augen zu, das Sehen wird schlecht. Dämmerung und Nachtfahrten sorgen zu jeder Jahreszeit für Unsicherheit hinterm Steuer. Neue Lichttechnologien verstärken die Blendung durch entgegenkommende Fahrzeuge. Spezielle Autofahrergläser können hier für die Reduktion des Blendungsempfindens sowie eine schärfere Sicht bei Nacht sorgen und sogar das Farb- und Kontrastsehen erhöhen.

Welche Gläser sind für Kraftfahrer besonders empfehlenswert?

Sonnenbrillen mit polarisierenden Brillengläsern sind eine sinnvolle Investition. Sie reduzieren Lichtreflexe, zum Beispiel Spiegelungen auf nassen Straßen, und verstärken zudem Kontraste.

Gibt es Glasfarben, die sich für das Autofahren besser eignen als andere?

Für Kraftfahrer haben sich getönte Gläser in natürlichen Braun-, Grüngrau- oder Graunuancen bewährt. Sie verfälschen den Farbeindruck am wenigsten, sodass Schilder und Ampeln klar erkennbar bleiben. Intensiv gelbe, blaue und rote Gläser allerdings können den Farbeindruck so verfälschen, dass Verkehrszeichen schwer lesbar sind oder Bremslichter zu spät erkannt werden. Autofahrer sollten sie deshalb nicht tragen.

Auf welche Grundausstattung sollte man auf jeden Fall Wert legen?

Da auch die Autoscheiben nicht das gesamte Strahlenspektrum abfangen, ist wie bei jeder Sonnenbrille unbedingt auf einen ausreichenden Schutz vor schädlicher UV-Strahlung zu achten.

Woran erkennt der Autofahrer, ob die Brille UV-Schutz hat?

Auf der Innenseite des Bügels muss ein CE-Kennzeichen zu finden sein. Das besagt, dass die Gläser die entsprechenden EU-Sicherheitsstandards einhalten. Die zusätzliche Information „UV 400“ bedeutet, dass die Gläser alle Strahlen bis Wellenlänge 400 Nanometer blockieren.

Wenn es sehr hell ist, sind dann möglichst dunkle Gläser besser?

Der Tönungsgrad der Gläser lässt sich aus den fünf Blendschutzkategorien ablesen. Die Kategorien zwei und drei sind als Sonnenschutz für Autofahrer geeignet. Das bedeutet 43 bis acht Prozent Lichtdurchlässigkeit. Die gängigsten Sonnenbrillen für Autofahrer absorbieren 65, 75 oder 85 Prozent des Lichts. Die dunkelste Kategorie vier mit weniger als acht Prozent Lichtdurchlässigkeit ist fürs Autofahren definitiv zu dunkel und deshalb hinterm Steuer verboten.

Sind selbsttönende Sonnenbrillen-Gläser für Autofahrer geeignet?

Normalerweise werden diese Gläser je nach Intensität des Sonnenlichts automatisch heller oder dunkler. Da Autoscheiben aber bereits große Teile des UV-Lichts filtern, dunkeln die meisten Brillengläser nicht ausreichend ein. Ausnahmen sollten beim Optiker erfragt werden.

Beeinflussen farbige Verspiegelungen die Eignung fürs Autofahren?

Das ist möglich, aber vom Käufer schlecht einzuschätzen. Deshalb ist es am besten, vor dem Kauf einen Augenoptiker zu fragen, ob das Wunschmodell die Anforderungen an das Fahren mit Brille erfüllt.

Gibt es Fassungen, die sich besonders gut zum Autofahren eignen?

Bestens geeignet und voll im Trend sind schmale Fassungen, dünne Bügel und große Gläser. Sie schützen die Augen optimal, schränken aber das Gesichtsfeld nicht ein. So kann auch das Geschehen in Rück- und Außenspiegeln gut überblickt werden.

Beim Auto gibt es Zusatzausstattungen – bei Sonnenbrillen auch?

Die gibt es tatsächlich. Gegen Reflexionen direkt auf dem Glas hilft eine Vorder- und Rückseitenentspiegelung. Das steigert den Kontrast. Verlaufstönungen eignen sich sehr gut für Autofahrten, weil sie Blendschutz von oben bieten und den ungetrübten Blick nach unten auf die Armaturen ermöglichen.

Taugen Sonnenbrillen vom Discounter?

Prinzipiell können auch Billigbrillen ausreichend schützen. Generell kann man sagen, die Qualität der Gläser, der Fassung und der Scharniere hat ihren Preis. Hohen Tragekomfort bieten leichte, flexible Materialien und qualitativ gute Gläser. Zusatzfunktionen, die das Autofahren stressfreier machen, wie polarisierende oder entspiegelte Gläser, sind sinnvoll, aber meist nicht beim Discounter zu bekommen. Des Weiteren fehlt die individuelle Anpassung und Beratung.

Welche Optionen haben Autofahrer mit Sehschwäche?

Der Trend spielt denjenigen in die Tasche, die Retro-Sonnenclips auf der normalen Korrektionsbrille schick finden. Die eleganteste und am besten funktionierende Variante ist eine Sonnenbrille mit Korrektionsgläsern. Die dritte Möglichkeit: Kontaktlinsen, die mit einer Sonnenbrille kombiniert werden.

Was kann der Autofahrer sonst noch für gute Sicht tun?

Frontscheibe und Glas am besten vor der Fahrt säubern. Die Brillengläser dürfen keine Kratzer oder andere Qualitätsmängel aufweisen. Alles, was den Durchblick stört, zwingt die Augen zu ständiger Korrektur, sodass sie schneller ermüden. Spezielle Beschichtungen wirken schmutz- und wasserabweisend und schützen vor Kratzern. Außerdem sollten Brillen nicht bei Hitze im Auto gelassen werden – das schadet ihnen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.09.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung vom Kuratorium Gutes Sehen e.V. vom 07. August 2018: Grelles Licht gefährdet Autofahrer: Tipps für den passenden Sonnenschutz
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