Hygiene der dritten Zähne – Zahnimplantate richtig pflegen

Morgens und abends gründlich putzen – ein Zahnimplantat sollten Sie wie natürliche Zähne pflegen. Sonst drohen Entzündungen und Erkrankungen des Mundraums. So beugen Sie vor.

Paar putzt Zähne © iStock
(Pöcking – 08.08.2018) Wer ein Zahnimplantat trägt muss es genauso pflegen wie natürliche Zähne. Sonst kann sich der Bereich um das Implantat herum entzünden.

Zahnimplantate in Deutschland

Um Zahnlücken zu schließen, setzen Zahnärzte in Deutschland schätzungsweise eine Million Zahnimplantate pro Jahr. Das verhindert auch, dass gesunde Nachbarzähne beschliffen werden müssen, um eine Brücke zu verankern. Zahlreiche Untersuchungen zeigen, dass die meisten Personen mit dieser Form des Zahnersatzes zufrieden sind und sich ihre mundbezogene Lebensqualität nach der Behandlung verbessert.

Untersuchung: Ein Drittel leidet an entzündeter Schleimhaut um die Implantate

Wie bei natürlichen Zähnen, kann sich das Gewebe um ein Zahnimplantat herum entzünden. Schwedische Forscher fanden bei einer Nachuntersuchung von knapp 600 Implantatpatienten, neun Jahre nach der Behandlung, heraus: Bei einem Drittel der Patienten war die Schleimhaut um die Implantate herum entzündet. Zahnärzte nennen das Mukositis. Bei 45 Prozent davon hatte diese Entzündung bereits auf den Kieferknochen übergegriffen – das Knochengewebe um das Implantat herum war um mehr als einen halben Millimeter abgebaut. Die Diagnose heißt dann: Periimplantitis.

Die Ursache: fehlende Mundhygiene

Die Entzündung der Schleimhaut (Mukositis) wird durch Zahnbelag verursacht, der sich bei einer schlechten Mundhygiene an Zahnersatz auf Implantaten genauso bildet wie an natürlichen Zähnen. „Wenn dieser Belag gründlich entfernt wird und sich die Mundhygiene verbessert, heilt die Entzündung binnen weniger Wochen.“, sagt Präsident der Deutschen Gesellschaft für Implantologie Prof. Dr. Frank Schwarz von der Universitätsklinik Frankfurt. Ändert sich jedoch nichts an der Mundhygiene und bleibt die Entzündung unbehandelt, kann sie voranschreiten und auf die tieferen Gewebe übergreifen – eine Periimplantitis entsteht.  

Deshalb rät die Deutsche Gesellschaft für Implantologie e.V.: „Ein Zahnimplantat muss mindestens so gut gepflegt werden wie die eigenen Zähne. So lassen sich Entzündungsprozesse vermeiden, die zum Verlust der künstlichen Zahnwurzel führen können.“

Periimplantitis: Symptome, Behandlung, Vorbeugemaßnahmen

Früher galt die Periimplantitis als eine Komplikation, die erst viele Jahre nachdem ein Implantat eingesetzt wurde, auftreten kann. Heute weiß man, dass die Erkrankung bereits zu einem frühen Zeitpunkt – zwei bis drei Jahre nach der Implantation – beginnen kann. Das Gewebe ist dann sichtbar entzündet, vorhandene Zahnfleischtaschen sind tiefer geworden und bluten selbst bei einer sanften Untersuchung mit einer Sonde. Der Rückgang des Knochens wird auf einer Röntgenaufnahme sichtbar.  

Wie eine Periimplantitis am besten behandelt wird, ist noch nicht sicher. In spezialisierten Forschungszentren werden verschiedene Konzepte erprobt. Einig sind sich die Wissenschaftler bislang nur, dass die Wirksamkeit der nicht-chirurgischen Therapien meist begrenzt ist.  

Aus diesem Grund ist die Prophylaxe entscheidend für den langfristigen Erfolg einer Implantatbehandlung. „Patienten mit chronischer Parodontitis, schlechter Plaquekontrolle und fehlender regelmäßiger Mundhygiene nach der Implantattherapie haben ein erhöhtes Risiko für eine Periimplantitis“, sagt Prof. Schwarz. „Wichtig sind auch regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigungen, deren Häufigkeit dem individuellen Risiko des Patienten angepasst wird.“

Neue Klassifikation der Erkrankungen des Zahnhalteapparates

Die Klassifikation periimplantärer Erkrankungen ist Bestandteil der neuen Klassifikation der Erkrankungen des Zahnhalteapparates, den die US-amerikanische Akademie für Parodontologie (American Academy of Periodontology) und der Verbund der europäischen Fachgesellschaften für Parodontologie (European Federation of Periodontology) veröffentlicht haben. Erstmals wurden in der Klassifikation dabei auch Entzündungen der Gewebe um Zahnimplantate klassifiziert.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.08.2018
  • Autor/in: vitanet.de; Kristina Wagenlehner
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Implantologie im Zahn-, Mund- und Kieferbereich e. V. vom 23.06.2018: Zahnimplantate brauchen dieselbe Pflege wie natürlichen Zähne
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