Gefahren bei Piercings

Piercings – vor allem im Ohren- und Nasenbereich – sind gerade bei jungen Menschen sehr beliebt. Sie gelten als ungefährlich, sind es jedoch nicht.

Frau mit Tattoos © iStock
(Düsseldorf – 22.11.2017) Piercings und Körpermodifikationen an Nase und Ohren liegen derzeit vor allem bei jüngeren Menschen im Trend. Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie (DGHNO-KHC) warnt jedoch eindringlich vor Komplikationen am Knorpel, die nur schwer heilen und bleibende Schäden hinterlassen.

Piercings an Ohren und Nase gelten fälschlicherweise als ungefährlich

Ohrmuschel und Nase sind in Deutschland seit Längerem die beliebtesten Stellen für Körpermodifikationen – auch „BodMods“ genannt, nach dem englischsprachigen body modification. Piercings gelten in diesen Bereichen als ungefährlich, was sie aber nach der Erfahrung von Prof. Dr. Andreas Naumann vom Klinikum Bremen Mitte häufig nicht sind. „Der Knorpel im Ohr- und Nasenbereich ist ein sehr empfindliches Gewebe, das normalerweise durch eine Knorpelhaut geschützt und ernährt wird“, erklärt der Direktor der Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Plastische Operationen und spezielle Schmerztherapie. „Wenn die Knorpelhaut beim Piercing durchtrennt wird, können Bakterien und Viren eindringen und eine Infektion auslösen. Deshalb sollten Körpermodifikationen wie Piercings nur unter strengen, aseptischen Bedingungen erfolgen.“ An der gepiercten Stelle könne es sonst – eventuell auch im Abheilungsprozess – zum Absterben von Knorpelgewebe kommen.

Zu den Folgen gehören Deformierungen bis zum vollständigen Verlust von Teilen der Ohrmuschel oder der Nase. „Eine Korrektur ist dann komplex und nur von spezialisierten Ärzten durchführbar“, so der Experte. „Die Behandlung der Früh- sowie Spätfolgen reicht dabei von kleinen Narbenkorrekturen bis zu komplexen plastischen sowie rekonstruktiven Eingriffen.“

Tunnel-Piercing: nur schwer wieder zu entfernen

Auch das Tunnel-Piercing bleibt häufig nicht ohne Folgen. Bei dieser Körpermodifikation wird ein Platzhalter im Ohrläppchen eingebracht und langsam aufgeweitet. Im Extremfall bleibt nur noch ein schmaler, umgebender Rest an Haut übrig. Probleme ergeben sich, wenn der Tunnel nicht mehr schick ist und entfernt werden soll. „Die verbliebenen Hautreste reichen dann häufig nicht mehr aus, um das Loch wieder zu verschließen“, erklärt Naumann. „Wir müssen dann das Ohrläppchen durch eine komplexe Lappenplastik rekonstruieren.“

Elfenohr: spitze Form durch Implantate

Eine relativ neue Körpermodifikation ist das sogenannte Elfenohr. Dabei wird die Ohrmuschel typischerweise im oberen Bereich durch das Einsetzen eines Implantates spitz geformt. „Der massive Eingriff in das natürliche Ohrgerüst birgt eine große Gefahr für das gesamte Haut-Knorpel-Gerüst des Ohres“, sagt der Experte. Zu den Folgeerscheinungen gehören Rötungen, Schmerzen, Missempfindungen, aber auch schwere Infektionen bis hin zum Absterben von Knorpelgewebe. „Die dann erforderliche plastische Ohrrekonstruktion ist sehr aufwendig und nur an HNO-Kliniken mit Erfahrungen auf dem Gebiet der plastischen Ohrrekonstruktion möglich“, erklärt Naumann.

Vor dem Piercen seriös und ausführlich beraten lassen

Die Deutsche Gesellschaft für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Hals-Chirurgie rät von Körpermodifikationen im Knorpelbereich von Nase und Ohr grundsätzlich ab. Auch bei anderen Piercings – beispielsweise dem Zungenpiercing – ist Vorsicht geboten: Hier kommt es laut der Experten durch Verletzungen einer Arterie im Zungenbereich immer wieder zu erheblichen Einblutungen mit Schwellungen bis zur Atemnot.  

Das Komplikationsrisiko hängt bei allen Eingriffen von der Stelle des Piercings, dem verwendeten Material, der Erfahrung des Piercers, den hygienischen Bedingungen beim Piercing sowie von der Nachsorge ab. Wer nicht auf ein Piercing verzichten möchte, sollte sich vor dem Piercen unbedingt seriös und ausführlich beraten lassen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 22.11.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: HNO-Ärzte warnen vor Komplikationen nach Piercing und Bodymodifying
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