Achtung, Pilzvergiftung!

Für Pilzsammler ist heuer ein gutes Jahr. Doch Vorsicht: Bei vielen Pilzen droht Verwechslungsgefahr – und  damit das Risiko einer Pilzvergiftung.

Knollenblätterpilz © iStock
(Hannover – 08.09.2017) Die meisten von uns haben sich über den vielen Regen in den vergangenen Wochen geärgert – gefreut haben sich allerdings Pilzsammler: Bereits im Juli gab es einen Wachstumsschub bei Pilzen. Doch nicht nur Speisepilze gedeihen aktuell gut, auch Giftpilze wie der Knollenblätterpilz profitieren von durchfeuchteten Böden. Das hat bereits im Juli und August zu einem dramatischen Anstieg von Vergiftungsfällen geführt.

Giftige werden mit essbaren Pilzen verwechselt

Der Hauptanteil der Pilzvergiftungen teilt sich nach Angabe des Giftinformationszentrums-Nord (GIZ-Nord) in zwei Gruppen: Da sind zum einen kleine Kinder, die beim Spielen giftige Pilze entdecken und diese roh essen. Zum anderen sind es Erwachsene, die giftige mit essbaren Pilzen verwechseln. Häufig kommt es zu diesen Verwechslungen bei Flüchtlingen und Menschen mit Migrationshintergrund, die in ihrer Heimat andere Speisepilze kennen und diese mit den optisch ähnlichen, aber hochgiftigen Pilzen verwechseln, die in Deutschland wachsen. Einer dieser gefährlichen Giftpilze, der in den vergangenen Jahren und auch schon in der Pilzsaison 2017 immer wieder mit einem essbaren Heimatpilz verwechselt wurde, ist der Knollenblätterpilz.

„Das Tückische an den hochgiftigen Knollenblätterpilzen ist – neben der Ähnlichkeit zu essbaren Pilzen – die Latenz. Die Vergiftungssymptome treten nicht sofort nach dem Verzehr auf, sondern erst nach einer Latenz von sechs bis maximal 24 Stunden. Der Klassiker ist, dass am Abend Giftpilze gegessen werden und erst am nächsten Morgen bekommt man Übelkeit, Erbrechen und Durchfall“, erklärt Prof. Dr. Andreas Schaper vom GIZ-Nord.

Knollenblätterpilz schädigt vor allem die Leber

Für die lebensbedrohliche Wirkung des Knollenblätterpilzes sind sogenannte Amatoxine verantwortlich – vor allem das alpha-Amanitin. Eine Erhöhung der Leber- und Nierenwerte sind Zeichen einer systemischen Vergiftung. Es kann schon ein einzelner verspeister Pilz tödlich giftig sein, da das Gift speziell das lebenswichtige Organ Leber schädigt.

Verdacht auf Pilzvergiftung: Was ist dann zu tun?

„Bei Verdacht auf eine Pilzvergiftung sollte man sich sofort an das nächste Krankenhaus wenden oder den Notarzt rufen. Eine frühe Diagnose der Vergiftung und ein unverzüglicher Beginn der Behandlung sind für die Heilungsaussichten extrem wichtig. Nur so kann gewährleistet werden, dass auch eine eventuell notwendige Verlegung in ein Lebertransplantationszentrum frühzeitig veranlasst wird. Das Leberversagen aufgrund der Vergiftung kann so akut verlaufen, dass Patienten innerhalb weniger Tage daran versterben können. Dann ist die Lebertransplantation die einzig verbleibende Behandlungsmöglichkeit“, sagt Prof. Dr. Michael P. Manns von der Deutschen Leberstiftung. Um die Diagnose zu erleichtern, sollten die Pilzreste und das Erbrochene aufgehoben und an den Arzt weitergegeben werden.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 08.09.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Leberstiftung: Vorsicht Pilze! Deutsche Leberstiftung weist auf Vergiftungsgefahren bei Pilzverzehr hin
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