Richtig vor Zecken und Milben schützen

So schön der Sommer ist: Er bringt auch viele kleine Plagegeister mit sich – zum Beispiel Zecken und Milben. Wie Sie sich und Ihre Kinder schützen.

Zecke © iStock
(München – 23.08.2017) Wer gern in Wald und Wiesen unterwegs ist, hat es im Sommer mit verschiedenen Plagegeistern zu tun: Im Frühsommer piesacken zum Beispiel Zecken spielende Kinder, Spaziergänger und Wanderer. Werden die Tage wieder kürzer, droht die Freude am Grünen weiteren Parasiten zum Opfer zu fallen: Die Erntemilbe entwickelt sich in bestimmten Gegenden im Spätsommer und Frühherbst zu einer regelrechten Plage, wie die Stiftung Kindergesundheit berichtet.

Zecken ärgern uns von April bis November

Zecken (Ixodes ricinus) gibt es überall im Grünen – hauptsächlich sind sie zwischen April und November unterwegs. Sie lassen sich keineswegs – wie häufig angenommen – von Bäumen herabfallen, sondern lauern am Wegesrand, im Park, auf dem Golfplatz, aber auch im eigenen Garten auf Gräsern, Sträuchern und Büschen bis zu einer Höhe von eineinhalb Metern auf ihre Opfer. Zecken benötigen für ihre Entwicklung das Blut von Wirbeltieren. Beim Stechen und Saugen können sie mit ihrem Speichel gefährliche Krankheiten übertragen.

FSME: Impfung schützt vor der Virusinfektion

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist die bedeutendste, von Zecken übertragbare Virusinfektion in Europa. Ihr Erreger ist ein Virus, das in den Zecken bestimmter Gebiete gehäuft vorkommt. Wenn es beim Stechen mit dem Speichel des Tieres in die Blutbahn gelangt, kann es eine Entzündung des Zentralen Nervensystems, also des Gehirns und/oder der Hirnhäute verursachen.

Gegen FSME gibt es keine medikamentöse Behandlung. Eine Ansteckungsgefahr besteht für alle, die in FSME-Risikogebieten wohnen oder die während der Zeckensaison dorthin reisen, wandern, campen oder ihre Freizeit in der Natur verbringen. Impfstoffe stehen altersgerecht zur Verfügung: als Kinderimpfung von einem bis elf Jahren und als Erwachsenenimpfstoff ab zwölf Jahren. Auch wenn nach der FSME-Impfung bei etwa 15 Prozent der ein- bis zweijährigen Kinder und bei fünf Prozent der Drei- bis Elfjährigen Fieber über 38 Grad Celsius auftreten kann, gibt es keine alternative Maßnahme zur Vorbeugung vor FSME.

Borreliose: Viele Zecken tragen den Erreger in sich

Die Erreger der Borreliose – auch Lyme-Krankheit, Wanderkrankheit oder Erythema migrans genannt – sind schrauben- oder korkenzieherähnliche Bakterien. Zwischen fünf und 35 Prozent aller Zecken tragen diesen Erregern in sich – und zwar nicht nur in bestimmten Gegenden, sondern überall in Deutschland, Österreich und der Schweiz.

Die Infektion verläuft in drei Stadien: Am Anfang rötet sich die Haut um die Stichstelle, es entsteht ein auffällig roter Fleck, der sich langsam vergrößert, dann in der Mitte verblasst und ringförmig von der Stichstelle weg wandert. Im Stadium 2 kommt es zu Fieber, Krankheitsgefühl, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen und Gliederschmerzen. Wird die Krankheit nicht frühzeitig behandelt, kann es in einem Stadium 3 noch nach Jahren chronisch verlaufende Spätsymptome geben – lang andauernde, schmerzhafte Gehirn- und Nervenentzündungen, Gelenk- und Herzentzündungen und Lähmungen.
Eine Impfung gegen Borreliose gibt es bisher nicht. Eine wirksame Therapie ist jedoch möglich: Sobald die Diagnose feststeht, wird mit Antibiotika behandelt.

Milben: juckende Mitbringsel von Feld und Wiese

Die winzigen Übeltäter haben regional unterschiedliche Bezeichnungen wie Herbstbeiß, Sendlinger Beiß, Heukrätze oder Erntebeiß. Gemeint sind verschiedene Arten von Laufmilben – medizinisch Trombikuliden genannt. Die in Deutschland häufigste Art ist die eigentliche Herbstmilbe (Neotrombicula autumnalis).

Die Milben durchlaufen in ihrer Entwicklung mehrere Stadien. Zur stechenden Plage zwischen Juli bis Oktober werden nur ihre winzigen, rot-orangen Larven, die auf Gräsern, Sträuchern, Buchenhecken nicht höher als 20 Zentimeter über dem Boden hausen. An warmen Tagen werden sie besonders aktiv – vor allem am Spätnachmittag, etwa zwischen 16 und 18 Uhr.

Normalerweise leben die Milbenlarven auf Mäusen, Maulwürfen, bodenbrütenden Vögeln und Haustieren. Oft findet man sie zu Hunderten auf einer einzigen Maus. Wenn sie sich auf den Menschen verirren, legen sie an Armen und Beinen entlang größere Strecken zurück und stechen dann dort zu, wo ein Kleidungsstück sie an der Fortbewegung hindert – zum Beispiel beim elastischen Abschluss der Unterwäsche, unter dem Hosengürtel oder am Ende von Söckchen und Strümpfen. Die Stichstellen stehen oft in Gruppen, es können auch 30 bis 50 sein.

Die Stiche der Milben verursachen starken Juckreiz

Die Milben sind im Grunde harmlos, da sie keine Krankheiten übertragen. Sie laben sich nicht direkt am Blut, sondern lösen mit ihrem Speichel das Gewebe punktuell auf, sodass sie die entstehende Gewebsflüssigkeit und Lymphe aufnehmen können. Nach dem Saugen, was einige Stunden dauern kann, lassen sie sich abfallen. An der Stichstelle entsteht durch eine ausgeprägte Immunreaktion ein flaches Hautknötchen. Das große Jucken beginnt meist zeitverzögert – manchmal schon wenige Stunden, meistens aber erst am zweiten Tag nach dem Stich fängt das Opfer an, sich zu kratzen. Bettwärme verstärkt den Juckreiz, bis es kaum mehr zu ertragen ist.

Durch das Kratzen wird die Milbe in der Regel zerstört. Die winzigen Mundwerkzeuge bleiben jedoch meist in der Haut zurück und verursachen eine Fremdkörperreaktion. Dadurch kann der heftige Juckreiz zehn bis 14 Tage anhalten, bis durch die routinemäßige Erneuerung der obersten Hautschicht auch die letzten Milbenreste abgestoßen werden.

So werden Sie Zecken und Milben los

Theoretisch könnte man Zeckenstiche und Milbenbefall durch vollkommen geschlossene Kleidung weitgehend verhindern. Im Sommer ist dieser Ratschlag bei warmen Temperaturen jedoch nur schwer umzusetzen. Auch Insektenabwehrende Mittel sind hilfreich, ihre Wirksamkeit ist jedoch begrenzt. Zur inneren Anwendung gegen Insektenstiche werden als Hausmittel frischer Knoblauch oder die Einnahme von Vitamin B empfohlen, die Wirkung ist jedoch nicht wissenschaftlich bewiesen.

Deshalb ist es besonders wichtig, Kinder nach einem Aufenthalt im Grünen gründlich abzuduschen und den Körper nach Zecken abzusuchen. Besonders häufig verkriechen sich die Blutsauger in Knie- und Achselhöhle und in die Leistenbeuge. Bei Kindern finden sie sich auch oft am Haaransatz hinter den Ohren und im Genitalbereich.

Wenn Sie eine Zecke entdecken, sollten Sie sie mit einer Pinzette oder mit den Fingernägeln so nahe wie möglich an der Haut greifen und mit einem Ruck herausziehen – nicht quetschen und auch nicht drehen. Zecken haben kein Gewinde: Ihr beißendes Mundwerkzeug enthält sägeblattartige Widerhaken. Beim Herumdrehen könnte zusätzlich infektiöser Speichel in die Haut gelangen und so die Infektionsgefahr erhöhen.

Milben: So lindern Sie den Juckreiz

Hat sich das Kind beim Wandern oder beim Sitzen oder Liegen im Gras Herbstmilben eingefangen, ist schnelles Handeln geboten: Es empfiehlt sich, nach der Rückkehr nach Hause zu Duschen und die Kleidung zu wechseln. Zur Linderung des Juckreizes und um Sekundärinfektionen zu verhindern, die meistens für länger anhaltende Reaktionen verantwortlich sind, sollten Sie die Stichstellen sofort mit 70-prozentigem Alkohol oder speziellen, juckreizstillenden Mitteln aus der Apotheke einreiben.

Zur Milbenabwehr im eigenen Garten halten Sie den Rasen am besten kurz halten und lassen den Grasschnitt nicht liegen. Der Einsatz von Insektiziden ist weniger ratsam: Sie vernichten auch viele andere Insekten, sind meist wenig erfolgreich und stellen eine unnötige Belastung der Umwelt dar.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 23.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Stiftung Kindergesundheit: Zecken und Milben – die Sommerplage aus dem Gras
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung