Zähneputzen wie die Profis

Eine Studie zeigt: Auch mit einer Handzahnbürste ist es möglich, die Zähne nahezu hundertprozentig sauber zu putzen. Worauf es dabei ankommt.

Mutter und Tochter putzen Zähne © iStock
(Gießen – 03.08.2017) Man muss sich gründlich die Zähne putzen, um schädlichen Zahnbelag zu entfernen und dadurch Krankheiten wie Karies oder Parodontitis vorzubeugen. Dies ist den meisten Menschen schon seit frühester Kindheit bekannt – und sie versuchen, sich daran zu halten. Doch selbst wenn sie sich zweimal täglich die Zähne putzen, schaffen es nur wenige, ihre Zähne gut zu reinigen. Immer wieder bemängeln Zahnärzte die ungenügende Mundhygiene vieler Patienten. Es stellt sich die Frage: Wie sauber kann man die Zähne durch das Putzen mit einer Handzahnbürste und die Nutzung von Hilfsmitteln zur Zahnzwischenraumhygiene bekommen? Ist es überhaupt möglich, die Zähne hundertprozentig und damit komplett zu reinigen? Diesen Fragen sind Prof. Dr. Renate Deinzer vom Institut für Medizinische Psychologie der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und ihre Mitarbeiterin Dr. Daniela Harnacke nachgegangen.

Wie gut reinigen die Profis ihre Zähne?

Für die Studie wurde an acht Universitätszahnkliniken das Zahnputzverhalten jener Personen untersucht, die nicht nur von ihren Patienten eine gute Mundhygiene verlangen, sondern auch bei der Vermittlung von Mundhygiene eine Rolle spielen: 64 Zahnärzte, 33 Zahnmedizinstudenten und 30 zahnmedizinische Fachangestellte. Sie alle wurden gebeten, sich die Zähne mit einer Handzahnbürste zu reinigen – zudem stellte man ihnen Hilfsmittel für die Reinigung der Zahnzwischenräume zur Verfügung. Vor und nach der Reinigung der Zähne wurden die Zahnbeläge erfasst.

Das Ergebnis der Untersuchung: Nach dem Putzen fanden die Wissenschaftler nur wenige Beläge auf den Zähnen der Studienteilnehmer, wobei sich die unterschiedlichen Berufsgruppen nicht voneinander unterschieden. Fast alle erreichten mehr als 70 Prozent saubere Flächen am Zahnfleischrand, bei drei Viertel der untersuchten Personen fanden sich sogar an 89 Prozent der Flächen am Zahnfleischrand keine Beläge. Zahnmedizinische Laien erreichen bei demselben Test selten mehr als 50 Prozent – oft weniger als 30 Prozent.

Auch ohne bestimmte Technik sind gute Putzergebnisse möglich

„Es ist also grundsätzlich möglich, mit einer Handzahnbürste und Hilfsmittel zur Reinigung der Zahnzwischenräume eine fast hundertprozentige Sauberkeit zu erreichen“, so Deinzer. „Die ‚Zahn-Profis‘ haben gegenüber den Patienten allerdings auch einige Vorteile.“ Die untersuchten Personen wiesen insgesamt eine gute Mundhygiene auf und hatten nur in wenigen Fällen Zahnfleischentzündungen. Es waren nur selten Kronen oder andere „Hindernisse“ vorhanden, die eine Reinigung erschweren können. Und: „Die Profis wissen, worauf es ankommt“, sagt die Studienleiterin. „Es ist besonders wichtig, die Beläge am Zahnfleischrand zu entfernen. Auch sollte man Zähne und Zahnfleisch nicht irgendwie, sondern systematisch putzen, um keine Fläche zu vergessen.“ Weniger wichtig schienen die Profis die Zahnputztechnik zu finden. Knapp die Hälfte der an der Studie Beteiligten konnte gar nicht sagen, mit welcher Technik sie geputzt hatte – die Putzergebnisse waren dennoch genauso gut wie bei denjenigen, die eine spezielle Technik verwendet hatten.

Wichtig ist, systematisch zu putzen

„Eine Möglichkeit, die Mundhygiene der Patienten weiter zu verbessern, könnte darin bestehen, noch genauer zu erklären, worauf es wirklich ankommt: auf den Zahnfleischrand und darauf, dass wirklich alle Zähne von innen und außen gereinigt werden. Außerdem dürfen auch die Zahnzwischenräume nicht vergessen werden. Unbedingt sollte man eine Systematik beim Putzen etablieren, damit kein Zahn und keine Fläche vergessen werden“, so das Fazit der Studienleiterin.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.08.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Justus-Liebig-Universität Gießen: Wie sauber putzen die „Zahn-Profis“?
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