Hilfsmittel bei Inkontinenz

Gute Nachrichten für Inkontinenzpatienten: Neue Vorgaben der Krankenkassen sollen eine bessere Versorgung mit Inkontinenzhilfen gewährleisten.

Mann besorgt ich in der Apotheken Inkontinenzhilfsmittel © iStock
(Düsseldorf – 24.05.2017) Absolut dicht, individuell angepasst und stets verfügbar müssen sie sein: Menschen mit Blasenschwäche brauchen spezielle Vorlagen (Inkontinenzhilfen), um uneingeschränkt am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können. Ist eine Versorgung mit diesen oder anderen Hilfsmittel erforderlich, übernehmen die gesetzlichen Krankenversicherungen die Kosten dafür. Patienten können jedoch nur Einlagen von Sanitätshäusern beziehen, mit denen ihre jeweilige Krankenkasse einen besonderen Versorgungsvertrag abgeschlossen hat. Bislang gab es immer wieder Probleme mit der Wahl und Lieferung der dringend benötigten Einlagen.  

Seit Kurzem gelten neue Vorgaben der gesetzlichen Krankenkassen, um eine bessere Versorgung mit Inkontinenzhilfen sicherzustellen: Patienten erhalten nun saugfähigere und auf ihre individuellen Bedürfnisse angepasste Einlagen und können auf eine fundierte Beratung bestehen. Sie müssen nicht mehr tagelang auf eine Lieferung warten und sich in ihrer Not auch nicht mehr selbst um die Beschaffung von Einlagen kümmern. „Kommt es trotz der Neuregeln zu Problemen, sollten Patienten sich hilfesuchend an ihre Krankenkasse wenden. Denn diese muss für einen einwandfreien Service sorgen“, sagt die Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen.

Die wichtigsten Änderungen im Überblick:

Versorgung  

Um Inkontinenzhilfen auf Kosten der Krankenkassen zu erhalten, benötigen Patienten eine ärztliche Verordnung. Darin sollten die Diagnose, die Bezeichnung des verordneten Artikels sowie die benötigte Menge aufgeführt sein. Auf Rezept darf ein Fachhändler, der fester Vertragspartner einer Kasse ist, nur Produkte aushändigen, die im neu gefassten Hilfsmittelverzeichnis der gesetzlichen Krankenkassen enthalten sind und die dem verabredeten Standard entsprechen. In begründeten Ausnahmefällen bewilligen die Krankenkassen auch Sondereinlagen.  

Übernahme der Kosten  

Die gesetzlichen Krankenkassen zahlen für medizinische Einlagen den jeweils mit Apotheken oder Sanitätshäusern vereinbarten Betrag – der liegt monatlich meist zwischen 14 und 28 Euro pro Kunde. Patienten müssen sich jedoch mit zehn Prozent oder maximal zehn Euro pro Monat an den Kosten beteiligen. Wählt der Patient ein Sanitätshaus, das kein Vertragspartner der Krankenkasse ist, muss er damit rechnen, dass er die dadurch entstehenden Mehrkosten selbst zahlen muss. Diese Zuzahlungspflicht gilt auch bei einer individuellen Wahl von Einlagen, die den medizinischen Bedarf qualitativ übersteigen.  

Pflicht des Dienstleisters  

Fachhändler sind jetzt verpflichtet, eine persönliche oder telefonische Beratung zur Ermittlung des individuellen Versorgungsbedarfs anzubieten. Außerdem müssen sie Ratsuchende auf die Kassenleistungen hinweisen. Wenn Kunden dies wünschen, müssen sie ein Beratungsgespräch auch bei einem Hausbesuch durchführen. Damit Patienten das individuell richtige Modell finden, müssen verschiedene Inkontinenzhilfen vorrätig sein, individuell ausgesucht und angepasst werden. Stehen mehrere Modelle zur Auswahl, können Kunden die verschiedenen Varianten testen. Ein Sanitätshaus oder eine Apotheke ist auch dafür zuständig, Kunden im Umgang mit den Einlagen vertraut zu machen.  

Lieferung und Service  

Die Vertragspartner sind verpflichtet, die benötigten Hilfsmittel unverzüglich zu liefern. Außerdem müssen sie eine Telefonhotline und einen Bringdienst anbieten, neutrale Lieferkartons benutzen und berücksichtigen, wie viel Platz die Kunden zur Lagerung haben.  

Hilfe bei Problemen  

Kunden sollten sich bei Konflikten mit dem Fachhändler unverzüglich an ihre zuständige Krankenkasse wenden. Diese muss dafür sorgen, dass ihre Versicherten die erforderlichen Hilfen kurzfristig und in richtiger Menge und Qualität erhalten. Lässt sich der Ärger nicht kundenfreundlich regeln, können Versicherte den Fachhändler im Notfall wechseln. Die meisten Kassen haben Verträge mit mehreren Händlern. Darauf müssen sie ihre Krankenversicherten auch hinweisen.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 24.05.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen: Dicht, passend und zuverlässig. Bessere Kassenleistung bei Inkontinenzhilfen
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