Nutzen von IGeL-Leistungen

Oft bekommen Patienten beim Arzt sogenannte IGeL-Leistungen angeboten. Die meisten davon schaden laut Experten jedoch mehr als dass sie nutzen.

Mann spricht mit Ärztin über IGeL-Leistungen © iStock
(Essen – 20.02.2017) In der Arztpraxis bekommt jeder zweite Patient Individuelle Gesundheitsleistungen (IGeL) angeboten, die er privat bezahlen muss. Häufig geht es um ergänzende Früherkennungsuntersuchungen wie Ultraschall, Lungen-Check oder EKG. Doch die Schaden-Nutzen-Bilanz dieser Leistungen fällt häufig eher negativ aus – denn auch Früherkennung kann schaden. Seit fünf Jahren können sich Patienten auf dem Internetportal www.igel-monitor.de, das der Medizinische Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS) betreibt, wissenschaftlich fundiert über Schaden und Nutzen von IGeL-Leistungen informieren.

Viele Patienten fühlen sich zu wenig informiert

„Aus zahlreichen Zuschriften wissen wir, dass sich viele Patienten bei der Entscheidung über eine IGeL allein gelassen fühlen“, sagt Dr. Peter Pick, Geschäftsführer des MDS. So gab nur jeder Vierte bei einer Befragung des IGeL-Monitors an, zufrieden über Informationen zu möglichen Schäden zu sein. „Wir wollen das Informationsgefälle verringern und die Patienten unterstützen, damit sie gut informiert eine Entscheidung treffen können.“ Pro Tag informieren sich rund 2.000 Nutzer auf dem Internetportal.

IGeL: viele erhalten eher negative Bewertung

Die Gesamtbilanz der bislang 45 Bewertungen und Beschreibungen des IGeL-Monitors fällt nicht gut aus: Vier IGeL bewerten die Wissenschaftler negativ − das bedeutet, sie sehen den Schaden deutlich höher an als den Nutzen − zum Beispiel bei der durchblutungsfördernden Infusionstherapie gegen Hörsturz. 17 IGeL erhalten die Bewertung „tendenziell negativ“ – der zu erwartende Schaden ist also höher als der Nutzen. Bei 15 weiteren Bewertungen kommt das Wissenschaftlerteam zu dem Schluss, dass die Schaden-Nutzen-Bilanz mit „unklar“ zu bewerten ist. Nur drei IGeL-Leistungen erhalten die Bewertung „tendenziell positiv“ – die Akupunktur zur Migräneprophylaxe, die Lichttherapie bei saisonal depressiver Störung (Winterdepression) und die Stoßwellentherapie bei plantaren Fersenschmerzen. Klar positiv wird keine der Leistungen bewertet. Vier Leistungen – wie der Sport-Check oder Atteste – werden nicht bewertet, sondern nur beschrieben. Zwei IGeL-Bewertungen werden derzeit aktualisiert.

Früherkennungstests wie Lungen-Check und EKG „tendenziell negativ“

Die beiden jüngsten Bewertungen des IGeL-Monitors schließen mit „tendenziell negativ“ ab. Die Wissenschaftler untersuchten zum einen Schaden und Nutzen des Lungenfunktionstests. Die sogenannte Spirometrie, bei der mit einem Gerät das Lungenvolumen gemessen und festgestellt wird, wie schnell jemand ausatmet, soll helfen, Lungenerkrankungen wie Asthma bronchiale und die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) frühzeitig bei Patienten zu erkennen, die keine Atembeschwerden haben. Das Wissenschaftlerteam fand bei der Recherche keine Hinweise für einen Nutzen. Dagegen sind Schäden durch Übertherapien und falsch positive Befunde möglich. Zu einem ähnlichen Ergebnis kommt der IGeL-Monitor bei der Bewertung des EKG zur Früherkennung einer koronaren Herzkrankheit (KHK).

„Auch wenn Früherkennungsuntersuchungen meist sehr positiv von Patienten und Ärzten gesehen werden – sie sind nicht per se nützlich. Sie können schaden – durch Übertherapien, Überdiagnosen, Belastung durch Tests oder auch dadurch, dass sie dem Patienten eine falsche Sicherheit vorgaukeln“, erklärt Dr. Michaela Eikermann, Leiterin des Bereichs „Evidenzbasierte Medizin“ beim MDS.

Zahlreiche Früherkennungsuntersuchungen, die oftmals als zusätzliche IGeL-Leistung beim Check-up 35 verkauft werden, müssten daher kritisch betrachtet werden. Der Check-up 35 ist eine Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung, bei der Versicherte ab 35 Jahren alle zwei Jahre Anspruch auf eine ärztliche Gesundheitsuntersuchung haben. „Bei den Früherkennungsuntersuchungen, die als IGeL angeboten werden, ist ein Markt entstanden, der zunehmend größer und uneinheitlicher wird. Aufgrund der vielen Kombinationsmöglichkeiten wird es für Patienten immer schwieriger, den Nutzen einzuschätzen und abzuwägen, ob eine zusätzliche Leistung tatsächlich sinnvoll ist“, so Dr. Eikermann.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 20.02.2017
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Medizinischen Dienstes des Spiztenverbandes Bund der Krankenkassen (MDS): Bilanz nach fünf Jahren IGeL-Monitor: Bei den meisten IGeL mehr Schaden als Nutzen
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