Erhöhte Schilddrüsenwerte

Neue Studien zeigen: Schon leicht erhöhte Schilddrüsenwerte erhöhen das Risiko für Demenz, Schlaganfall und einen plötzlichen Herztod.

Ärztin untersucht die Schilddrüse einer Frau © iStock
(Berlin – 07.12.2016) Eine Schilddrüsenüberfunktion erhöht das Risiko für Schlaganfall oder Herzstillstand – auch eine Demenz ist möglich. Nach aktuellen Studien sind bereits Menschen mit leicht erhöhten Hormonwerten gefährdet, die bisher als unbedenklich galten. Der Berufsverband Deutscher Nuklearmediziner e.V. (BDN) rät Menschen mit einer Vergrößerung der Schilddrüse deshalb zu einem Hormoncheck.

Symptome von Unter- und Überfunktion der Schilddrüse

Die Hormone der Schilddrüse bestimmen die Betriebstemperatur des Stoffwechsels. Bei einem Mangel kommt es zu Abgeschlagenheit, Gedächtnisschwäche, depressiven Verstimmungen, Haarausfall, Verstopfung und Gewichtszunahme. Eine Überfunktion geht mit übermäßigem Schwitzen, Ruhelosigkeit und Durchfällen einher. Der Blutdruck steigt, der Herzschlag beschleunigt und bei einigen Menschen kommt es zu Herzrhythmusstörungen. „Die Risiken für Herz und Kreislauf sind bekannt, weshalb allen Menschen mit Überfunktion dringend zu einer Behandlung geraten wird“, sagt der BDN-Vorsitzende Prof. Dr. Detlef Moka.

Wann eine Überfunktion vorliegt, ist umstritten

Wann genau eine Überfunktion der Schilddrüse vorliegt, ist auch unter Experten umstritten. Als Gradmesser gilt die Konzentration des Thyreoidea-stimulierenden Hormons (TSH). Es wird von der Hirnanhangdrüse gebildet und steigert in der Schilddrüse die Produktion des Hormons T4. Zwischen beiden Hormonen existiert eine negative Rückkoppelung: Ein Anstieg von T4 bremst die Ausschüttung von TSH. Ein niedriges TSH weist deshalb auf eine Überfunktion der Schilddrüse hin. Bisher galten beim Erwachsenen TSH-Werte bis 4,0 Millieinheiten pro Liter (mU/l) als sicher. Doch neue Untersuchungsergebnisse aus den Niederlanden lassen hieran Zweifel aufkommen.  

Dr. med. Layal Chaker von der Erasmus Universität in Rotterdam hat die Daten von 10.318 Einwohnern ausgewertet, die im Rahmen der Rotterdam Studie regelmäßig beobachtet werden. In den ersten neun Jahren starben 261 Teilnehmer an einem plötzlichen Herztod, der in der Regel Folge einer Herzrhythmusstörung ist. „Darunter waren auffällig viele Menschen mit leicht niedrigen TSH-Werten“, erklärt Moka. „Diese Personen haben noch keine Symptome einer Überfunktion, auch die T4-Werte liegen noch im Normalbereich. Wir sprechen deshalb von einer latenten Überfunktion.“

Höheres Risiko für Herztod, Schlaganfall und Demenz

Nach den Ergebnissen der Studie haben Menschen mit latenter Überfunktion ein 2,5-fach höheres Risiko auf einen plötzlichen Herztod. „Das Risiko, innerhalb von zehn Jahren einen plötzlichen Herztod zu erleiden, lag bei nicht weniger als vier Prozent“, so Moka. Weitere Untersuchungen von Chaker ergaben, dass auch das Schlaganfallrisiko erhöht ist und dass Menschen mit latenter Überfunktion im Alter häufiger an einer Demenz erkranken.

Weitere Studien sind notwendig

Auch wenn die Studie nicht beweisen kann, dass eine Behandlung das Risiko der Betroffenen vermindert – dies müsste in einer weiteren Studie gezeigt werden –, sind die Ergebnisse für BDN-Experte Moka aus zwei Gründen besorgniserregend: „Zum einen müssen wir überlegen, wie Menschen mit latenter Überfunktion der Schilddrüse besser geschützt werden können“, sagt der Nuklearmediziner. „Dazu sollte jetzt dringend eine umfassende Studie durchgeführt werden, die den Wert einer Behandlung prüft.“  

Konsequenzen dürften die Erkenntnisse aber auch für Menschen haben, die wegen einer Schilddrüsenunterfunktion mit Schilddrüsenhormonen behandelt werden. „Die meisten Ärzte streben einen TSH-Wert an, der einer latenten Überfunktion entspricht. Dazu kann nicht mehr geraten werden“, so Moka.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 07.12.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Berufsverbands Deutscher Nuklearmediziner: Schon leicht erhöhte Schilddrüsenwerte sind gefährlich
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