Arzneien zu früh absetzen

Viele Patienten mit chronischen Erkrankungen setzen Medikamente vorzeitig ab. Was wichtig ist, damit das nicht passiert.

Frau nimmt Medikamente ein © iStock
(Bonn – 06.12.2016) Ob Rheuma, Bluthochdruck, Diabetes mellitus oder Vorhofflimmern: Zwischen 20 und 30 Prozent der Patienten mit chronischen Erkrankungen brechen die Therapie mit Medikamenten nach kurzer Zeit ab und gehen damit ein hohes Risiko ein.  

Wer an einer chronischen Erkrankung leidet, braucht einen langen Atem, wenn es um die Einnahme von Medikamenten geht. Vor allem bei Arzneimitteln, die zur Vorbeugung eingesetzt werden, erschließt sich der Nutzen der Therapie nicht jedem – denn eine verhinderte Erkrankung ist nicht spürbar. Oft spielt auch die Angst vor Nebenwirkungen eine Rolle. „Solche Sorgen kann der Arzt relativieren, indem er ausführlich über den Nutzen des Arzneimittels sowie den Umgang mit möglichen Nebenwirkungen aufklärt“, erklärt Prof. Dr. Thorsten Lewalter vom Peter Osypka Herzzentrum München. Darüber hinaus sollte der Patient sehr genau darüber Bescheid wissen, wie das Medikament richtig anzuwenden ist und welche Wechselwirkungen auftreten können. „Die Erfahrung zeigt: Je einfacher ein Arzneimittel anzuwenden ist, desto eher bleibt der Patient der Therapie treu.“

Einfache Einnahme und Vertrauen in die Therapie sind wichtig

Wie wichtig die Therapietreue ist, wird am Beispiel Schlaganfallprophylaxe bei der Herzrhythmusstörung Vorhofflimmern deutlich. In verschiedenen Studien wurde untersucht, wie viele Patienten ihre Medikamente zur Blutgerinnungshemmung über einen langen Zeitraum einnehmen. Zwei Wirkstoffklassen wurden dabei gegenübergestellt: Vitamin-K-Antagonisten und neue Gerinnungshemmer. Es zeigte sich, dass es unter den Patienten, die neue Gerinnungshemmer einnahmen, weniger Therapieabbrüche gab als bei denen, die auf Vitamin-K-Antagonisten eingestellt waren.  

Die Gründe liegen laut medizinischer Fachmeinung in der unterschiedlichen Belastung der Patienten durch die Therapien: Vitamin-K-reiche Lebensmittel wie Kohl oder Spinat beeinflussen die Wirkung von Vitamin-K-Antagonisten. Die betroffenen Patienten müssen daher ihre Ernährung anpassen. Um eine wirksame Therapie zu gewährleisten, sollten außerdem regelmäßige Gerinnungskontrollen durchgeführt werden. Mit den neuen Blutgerinnungshemmern ist beides nicht notwendig. Dass dennoch ein Teil der Patienten die Therapie abbricht, ist möglicherweise der Sorge vor Blutungen geschuldet – grundsätzlich bringt jeder Gerinnungshemmer eine erhöhte Blutungsneigung mit sich. Denn diese Medikamente beeinflussen gezielt die Blutgerinnung und senken so das Risiko zur Bildung von Blutgerinnseln (Thromben), die einen Schlaganfall auslösen könnten. Diese Wirkung macht man sich bei Patienten mit Vorhofflimmern und weiteren Risikofaktoren zunutze, denn bei ihnen ist die Gefahr, einen Schlaganfall zu erleiden, um das Fünffache erhöht. In jedem Fall wägt der Arzt vor einer Verschreibung sorgfältig Nutzen und Risiko einer solchen Therapie ab.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.12.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Seniorenliga: Gesundheitsrisiko – Viele Patienten setzen Medikamente vorzeitig ab
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung