Nächtlicher Harndrang

Jede Nacht drückt die Blase: Die sogenannte Nykturie ist nicht nur lästig, sondern oft auch ein Alarmsignal für andere Erkrankungen.

Ältere Frau liegt wach im Bett © Thinkstock
(Düsseldorf – 02.08.2016) Jede Nacht aufzuwachen, weil die Blase drückt, ist ein verbreitetes Leiden – und oft kein harmloses: Zum einen werden die Folgen der regelmäßigen Schlafunterbrechung zum Wasserlassen – medizinisch Nykturie genannt – unterschätzt. Zum anderen sind die nächtlichen Toilettengänge häufig ein Alarmsignal, das auf eine behandlungsbedürftige Erkrankung hinweist. „Fälschlicherweise wird Nykturie in der Bevölkerung vielfach als eine unvermeidbare Alterserscheinung – vorrangig des Mannes – abgetan, obwohl die individuellen Ursachen abgeklärt werden müssen“, sagt Prof. Dr. Kurt Miller, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Urologie (DGU).  

Tatsächlich ist die Nykturie die häufigste Ursache für Schlafstörungen, aus denen wiederum Risiken für Gesundheit und Lebenserwartung der Betroffenen resultieren. Anders als vielfach angenommen, sind Männer wie Frauen gleichermaßen betroffen. Fortgeschrittenes Alter ist zwar ein wesentlicher Faktor für Nykturie, bewahrt aber jüngere Menschen nicht davor. In der Altersgruppe der 20- bis 40-Jährigen ist etwa jeder Fünfte bis Sechste betroffen – hier öfter Frauen als Männer.

Nykturie ist ein Symptom anderer körperlicher Störungen

„Nykturie ist keine eigenständige chronische Erkrankung, sondern Symptom anderer körperlicher Störungen. Für den Drang zum nächtlichen Wasserlassen kommen unterschiedliche Ursachen in Betracht, die zunächst im Bereich der Urinproduktion sowie im System der Speicherung und Ableitung des Harns zu suchen sind“, sagt Prof. Dr. Stephan Roth, Direktor der Klinik für Urologie und Kinderurologie am Universitätsklinikum Wuppertal.  

Bei zahlreichen Nykturie-Patienten liegt eine nächtliche Polyurie vor: Sie scheiden nachts mehr als den sonst üblichen Anteil der 24-Stunden-Urinmenge aus, der bei jüngeren Menschen bis 20 Prozent, jenseits der 65 Jahre bis 33 Prozent betragen sollte. Bei anderen Patienten wiederum ist die Kapazität der Harnblase reduziert, weshalb sie häufiger kleinere Mengen entleeren müssen. Besonders bei älteren Menschen kommen oft mehrere Faktoren zusammen, die für eine Nykturie ursächlich sein können: Dazu gehören zum Beispiel die sinkende Fähigkeit, Urin zu halten, Veränderungen am sogenannten Detrusormuskel, eine niedrige Konzentration des Antidiuretischen Hormons (ADH), chronische Infekte der unteren Harnwege, eine überaktive Blase und bei Männern auch eine vergrößerte Prostata.   

„Bei einer Polyurie ist es notwendig, die Ursachen der erhöhten nächtlichen Urinproduktion abzuklären“, so Roth. Infrage kommt etwa eine Herzinsuffizienz, für die ein Übermaß an auszuscheidendem Gewebewasser ein Indiz wäre. Auch ein Diabetes mellitus, ein erhöhter systolischer Blutdruck, Störungen der Nierenfunktion sowie bestimmte Medikamente können sich auf die Urinproduktion auswirken.

Nykturie ist ein Hauptsymptom der obstruktiven Schlafapnoe

Schnarchen, das mehr als die Hälfte aller Männer betrifft, und nächtliche Atemaussetzer (Schlafapnoe) sind eng mit der Nykturie verbunden, die sogar als ein Hauptsymptom des obstruktiven Schlafapnoe-Syndroms gilt. Wird diese gefährliche Schlafstörung effektiv behandelt, so bessert sich auch der Drang zum nächtlichen Wasserlassen. Als weiterer Risikofaktor für Nykturie wird Übergewicht betrachtet.   

Die Folgen der Nykturie können schwerwiegend sein: Schlafstörungen führen oft zu Tagesmüdigkeit, Konzentrationsschwächen, Verminderung der geistigen Leistung und Kopfschmerzen. In manchen Fällen können Depressionen die Folge sein. Dänische Forscher fanden heraus, dass Nykturie die Arbeitsproduktivität um bis zu 24 Prozent senken kann. Besonders ältere Menschen haben erhöhte Risiken für Stürze und Knochenbrüche. Für herzkranke Patienten wird bei gleichzeitiger Nykturie von einem erhöhten Sterblichkeitsrisiko ausgegangen. „Angesichts des hohen Leidensdrucks, möglicher Komplikationen und der zum Teil schwerwiegenden ursächlichen Erkrankungen wird die Notwendigkeit zur gründlichen medizinischen Abklärung einer Nykturie deutlich“, sagt Miller.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 02.08.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Deutschen Gesellschaft für Urologie: Urologen warnen: Volksleiden Nykturie oft ein Alarmsignal
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