Arzneien: Wann einnehmen?

Die innere Uhr des Menschen beeinflusst die Wirkung vieler Medikamente. Wann Sie welche Arzneimittel am besten einnehmen.

Wecker und Medikamente © Thinkstock
(Regensburg – 06.07.2016) Unsere innere Uhr kann die Wirksamkeit von Medikamenten und auch die Wirkung medizinischer Behandlungen gravierend beeinflussen. Es macht einen Unterschied, ob ein Schmerzmittel, ein Asthmamedikament, ein Blutdrucksenker oder ein Krebsmedikament am Morgen, Mittag oder Abend eingenommen wird. Hier erfahren Sie, wann welche Medikamente am besten wirken.

Schmerzmittel

Acetylsalicylsäure (ASS) und andere ähnlich wirkende Mittel mit schmerzlindernder und entzündungshemmender Wirkung aus der Gruppe der sogenannten nicht-steroidalen Antirheumatika sollten Sie nach Möglichkeit abends einnehmen. Der Magen verträgt sie aus noch nicht restlos geklärtem Grund am Abend besser als am Morgen. Das ist problemlos möglich, wenn Sie ASS zur Vorbeugung eines Herzinfarkts einnehmen. Bei akuten Schmerzzuständen nehmen Sie das Mittel natürlich zwangsläufig dann ein, wenn Sie Schmerz haben.

Medikamente bei einem Magengeschwür

Wer sogenannte H2-Blocker einnehmen muss, sollte dies bevorzugt abends tun. Forschungen ergaben, dass dies der beste Zeitpunkt ist – angesichts der tageszeitlichen Schwankung der Säureproduktion im Magen. Allerdings sollten Sie dann hinterher nichts mehr essen. Wenn Protonenpumpenhemmer (PPI) verschrieben werden, ist es umgekehrt wie bei H2-Blockern: Am Morgen eingenommene PPI verringern den Säuregehalt im Magen stärker, als wenn sie abends genommen werden.

Asthmamittel

Bei Asthmatikern nimmt – wie bei jedem Menschen – nachts die Lungenaktivität ab und der Spiegel der Hormone Kortisol und Adrenalin sinkt. Deshalb treten Asthmaanfälle in der nächtlichen Ruheperiode etwa zehnmal häufiger auf als am Tag. Ärzte empfehlen, bei bestimmten Asthmamedikamenten wie Theophyllin-Retardpräparaten oder Salbutamol abends die doppelte Menge wie morgens einzunehmen. Es gibt bereits neuere Mittel, die ausschließlich abends eingenommen werden.

Arzneien gegen Bluthochdruck

Bei der Behandlung von Bluthochdruck (Hypertonie) spielt die innere Uhr eine besonders große Rolle. Zur Regulierung des zumindest teilweise chronobiologisch verursachten Blutdruckanstiegs zwischen sechs und zwölf Uhr werden Medikamente empfohlen, die ihren Wirkstoff verzögert freisetzen – sogenannte Retardpräparate. Menschen mit hohem Herzinfarktrisiko können sie vor dem Schlafengehen einnehmen – die Wirkung setzt erst später ein, wenn sie erforderlich ist: ab drei Uhr morgens.

Rheumamedikamente

Rheumapatienten klagen vor allem in den Morgenstunden über Gelenksteifigkeit und Schwellungen. Meist bessern sich diese Beschwerden im Laufe des Tages. Deshalb wird empfohlen, Rheumamittel in Retardform am Abend einzunehmen, um die morgendlichen Beschwerden zu lindern.

Krebsmedikamente

Bei einer Chemotherapie lässt sich die innere Uhr mit einsetzen, denn gesunde Zellen folgen ihr – die bösartigen Tumorzellen dagegen nicht. Daher können bei Krebspatienten Infusionspumpen mit dem Medikament angelegt werden, die den Wirkstoff nie dann abgeben, wenn sich gerade die gesunden Zellen teilen. So werden Schleimhäute und Immunsystem dieser Patienten besser geschont.

Kortison

Patienten, die Kortisonpräparate einnehmen müssen, können ebenfalls von den Erkenntnissen der Chronopharmakologie – also der Wissenschaft von der inneren Uhr – profitieren: Denn Messungen haben ergeben, dass der ideale Zeitpunkt für die Einnahme von Kortison morgens ist. Dann ist die körpereigene Produktion am höchsten und es können viel niedrigere Dosierungen ausreichen, um die erwünschte Wirkung zu bringen.

Kuranwendungen

Und auch bei Kuranwendungen im Urlaub nutzt der Blick auf die innere Uhr. So reagiert der Körper beispielsweise morgens auf Kälteanwendungen – etwa auf Kneipp-Güsse – besonders intensiv. Wärmebehandlungen wie Fango oder Sauna, die auf eine bessere Durchblutung der Haut und auf eine Gefäßerweiterung abzielen, sind vor allem nachts und in den sehr frühen Morgenstunden sehr wirkungsvoll.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 06.07.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung von obx-medizindirekt: Darf ich bitten zum Fango um Mitternacht
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