Größe und Krankheiten

Forscher haben den Zusammenhang zwischen Körpergröße und Krankheiten untersucht. Für welche Krankheiten Große anfälliger sind – und für welche nicht.

Mann legt Jungen die Hand auf den Kopf © Thinkstock
(Tübingen/Potsdam – 03.02.2016) Die Körpergröße ist weitgehend genetisch festgelegt – dennoch ist in den vergangenen Jahrzehnten weltweit eine stete Zunahme bei Kindern und Erwachsenen zu beobachten: Kinder sind im Erwachsenenalter fast immer deutlich größer als ihre Eltern. Die größte Zunahme der Körpergröße über die letzten Jahrzehnte findet man in den Niederlanden. Holländische Männer sind mittlerweile 20 Zentimeter größer als sie es vor 150 Jahren waren. Interessanterweise ist in den Niederlanden auch der Pro-Kopf-Konsum von Milch und Milchprodukten weltweit am höchsten. Diese Beobachtungen nahm ein Forscherteam zum Anlass, die Ursachen und medizinischen Auswirkungen dieser Zunahme im Größenwachstum zu analysieren.

Körpergröße beeinflusst Risiko für bestimmte Krankheiten

Die Untersuchung zeigt, dass die Körpergröße einen wichtigen Einfluss auf die Sterblichkeitsrate bestimmter Krankheiten hat – und zwar unabhängig von Körperfettmasse und anderen modulierenden Faktoren. Bisherige Studien belegen anschaulich, dass große im Vergleich zu kleinen Menschen ein niedrigeres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 haben. Ihr Risiko, an Krebs zu erkranken, ist dagegen erhöht. „Epidemiologische Daten zeigen, dass pro 6,5 Zentimeter Körpergröße das Risiko für kardiovaskuläre Sterblichkeit um sechs Prozent sinkt, dafür aber die Krebsmortalität um vier Prozent steigt“, erklärt Prof. Schulze vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam (DIfE).

Mehrere Ursachen werden vermutet

Die Autoren gehen davon aus, dass eine zunehmende Körpergröße Ausdruck eines Überangebots von hochkalorischer Nahrung, die reich an tierischem Eiweiß ist, in verschiedenen Stadien des Wachstums ist. Dadurch könnte bereits im Mutterleib eine lebenslange Programmierung stattfinden, die bislang vor allem für das IGF-1/2-System belegt werden konnte. Eine Aktivierung dieses Systems führt unter anderem dazu, dass der Körper empfindlicher wird für die Wirkung des Insulins und dass der Fettstoffwechsel günstig beeinflusst wird.  

„Entsprechend zeigen unsere neuen Daten, dass große Menschen insulinempfindlicher sind und einen geringeren Fettgehalt in der Leber haben, was ihr niedriges Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2 mit erklären kann“, so Prof. Stefan von der Medizinischen Klinik IV in Tübingen und dem Institut für Diabetesforschung und Metabolische Erkrankungen des Helmholtz Zentrums München an der Universität Tübingen (IDM). Diese Erkenntnisse passen zu publizierten Daten, die nahelegen, dass große Menschen einen relativen Schutz vor Fettstoffwechselstörungen haben.  

Aber gerade diese Aktivierung des IGF-1/2-Systems und anderer Signalwege könnte wiederum zu einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebsarten – vor allem Brustkrebs, Dickdarmkrebs und schwarzem Hautkrebs – führen, indem das Zellwachstum dauerhaft gefördert wird, vermuten die Autoren. Es resultieren somit zwar positive Auswirkung für die Entstehung von Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Diabetes mellitus Typ 2, aber negative Auswirkungen für die Entstehung von Krebs.

Körpergröße bei Prävention stärker einbeziehen

Die Wissenschaftler plädieren dafür, den Faktor Größenwachstum und Körpergröße mehr als bislang bei der Prävention der genannten Erkrankungen einzubeziehen. Diesbezüglich sollten Ärzte ihrer Meinung nach besonders dafür sensibilisiert werden, dass große Menschen – obwohl sie weniger häufig mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes auffallen – ein erhöhtes Risiko für Krebskrankheiten haben. Schließlich kommt der Ernährung – vor allem in der Schwangerschaft und im Kindes- und Jugendalter – eine bislang unterschätzte Bedeutung zu.
Autoren und Quellen Aktualisiert: 03.02.2016
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung des Deutschen Zentrums für Diabetesforschung: Körpergroße beeinflusst Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes und Krebs
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