Zu früher Start in den Tag

Schlafmediziner sind der Meinung: Für viele Menschen beginnt der Schul- oder Arbeitstag zu früh. Warum das so ist und welche Folgen das haben kann.

Müde Studentin © Thinkstock
(Düsseldorft – 26.11.2015) Ob Arbeit oder Schule: In Deutschland geht das Leben zeitig los – nach einer Umfrage des Forsa-Instituts im Durchschnitt morgens um 6.48 Uhr. Frühes Aufstehen gilt als Tugend, der Langschläfer als Faulpelz. Aber die Mehrzahl der Deutschen ist nicht ausgeschlafen und benötigt einen Wecker, um morgens aufzuwachen. Experten sind sich einig: Deutschland steht zu früh auf. Die wissenschaftlichen Hinweise häufen sich, dass das auf Dauer krank macht.

Schlaftyp ist genetisch festgelegt

Ob Frühaufsteher oder Morgenmuffel – der Schlaftyp ist genetisch festgelegt. Würden sich alle danach richten, kämen die meisten nicht alltagstauglich um sechs oder sieben Uhr aus dem Bett, sondern eher zwei Stunden später, so Dr. Hans-Günter Weeß, Leiter des Schlafzentrums am Pfalzklinikum Klingenmünster.  

Wie Studien belegen, sind Frühaufsteher eher selten. „Nur etwa ein Sechstel der Bevölkerung – die sogenannten Morgenmenschen (Chronotyp „Lerche“) – kommen mit den üblichen Arbeits- und Schulzeiten gut zurecht“, so Dr. Manfred Betz vom Institut für Gesundheitsförderung und -forschung (IGFF) in Dillenburg. Die meisten gehören zum Chronotyp „Eule“, schlafen nach Mitternacht ein und werden erst im Laufe des Vormittags wieder wach. Für sie beginnen Arbeit und Schule zu früh. Sie sind nicht ausgeschlafen und quälen sich durch den Vormittag.

Chronotyp verschiebt sich in der Pubertät

Während fast alle Kleinkinder Frühaufsteher sind, ändert sich das im Laufe der Entwicklung. „Mit Beginn der Pubertät verschiebt sich der Chronotyp bei Jugendlichen zunehmend in Richtung Spättyp (Eule)“, so Dr. Betz. „Jugendliche sind abends lange wach und würden morgens länger schlafen, wenn man sie denn ließe.“ Frühmorgens seien vor allem ältere Jugendliche noch müde und nicht leistungsbereit, sagt auch Dr. Weeß: „Bei einem Schlafbedarf von neun bis zehn Stunden kommt während der Schulzeit der Schlaf zu kurz. Die meisten Heranwachsenden sind chronisch müde. Viele leiden unter einem Dauerschlafmangel mit Konzentrationsschwierigkeiten und fehlender Lernmotivation. Die Schule beginnt viel zu früh.“

Ein bis zwei Stunden später Schule würde sich positiv auswirken

Tatsächlich fängt der Schulunterricht in den meisten Ländern deutlich später an – zum Beispiel in England, Schweden und Portugal erst um neun Uhr – und ist damit an den natürlichen Lebensrhythmus besser angepasst. Untersuchungen belegen, dass die Schulleistungen am späteren Vormittag deutlich besser sind als frühmorgens: „Ein ein bis zwei Stunden späterer Schulbeginn in der Oberstufe könnte sich günstig auf Leistungsfähigkeit und Aufnahmebereitschaft auswirken“, so Dr. Betz – vorausgesetzt, die Schlafenszeit verschiebt sich nicht noch weiter nach hinten. Dies sei bei der verbreiteten exzessiven Nutzung digitaler Medien in den späten Abendstunden jedoch häufig der Fall.  

Wichtige Ansatzpunkte für mehr Leistung und Wohlbefinden seien „flexiblere Arbeitszeiten, die die Bedürfnisse des jeweiligen Chronotyps berücksichtigen, mehr körperliche Aktivität bei Tageslicht sowie der Verzicht auf digitale Medien in den letzten zwei bis drei Stunden vor dem Schlafen.“
Autoren und Quellen Aktualisiert: 26.11.2015
  • Autor/in: vitanet.de-np
  • Quellen: Pressemitteilung der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften: Schlafmedizin-Jahrestagung: Beginnt die Schule zu früh? Steht Deutschland zu früh auf?
Suche nach Netzwerk- & Servicepartnern
Zertifizierung